Mit Vollgas auf Sparkurs

Wegen niedriger Gewinne und hoher Löhne stehen Autogiganten wie Opel und VW jetzt voll auf der Kostenbremse. Plus: Die Folgen der Opel-Krise für Österreich.

Staunen in der Autobranche: Mit 21 Milliarden Dollar Börsenwert war der weltgrößte Autohersteller General Motors (GM) vergangenen Mittwoch gerade einmal noch halb so viel wert wie die Internet-Suchmaschine Google (40,1 Milliarden Dollar).

Für das Selbstbewusstsein von Rick Wagoner, dem Boss des 186 Milliarden Dollar Jahresumsatz schweren Autoriesen, mag das ein Dämpfer gewesen sein. Die 63.000 Mitarbeiter der europäischen GM-Töchter Opel, Vauxhall und Saab in Traditionswerken wie Rüsselsheim haben andere Probleme: Jeder Dritte von ihnen könnte im Zuge des laufenden massivsten Sparprogramms in der Opel-Geschichte den Job verlieren. Auch DaimlerChrysler, VW und Porsche müssen bei den Mitarbeitern sparen.

Hauptgrund: Die Stückzahlen im Autogeschäft sind genauso schnell gestiegen, wie die Renditen gesunken sind (siehe FORMAT-Grafik). Jetzt hat die Preisschlacht mit ruinösen Incentive-Programmen den Höhepunkt erreicht. Dazu kommen die explodierten Rohstoffpreise für Stahl und Öl. Wer da nicht am Pannenstreifen liegen bleiben will, muss künftig ökonomischer fahren.

Deutschland hat dabei als Standort die schlechtesten Karten. 33 Euro machen dort die durchschnittlichen GM-Lohnkosten pro Stunde aus. Schon in Belgien sind es nur noch 26,60 Euro und in Spanien bloß 17,80.

Die Zulieferindustrie hat die Zeichen der Zeit erkannt und zieht in Strömen gen Osten, wo jetzt riesige Autocluster entstehen: In Polen bezahlt GM nur noch sieben Euro pro Stunde.

Angesichts solcher Lohnunterschiede wird sich GM-Europa-Chef Carl Peter Forster kaum davon beeindrucken lassen, dass etwa der deutsche Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer wegen des von der gänzlichen Schließung bedrohten Werkes in Bochum vor einer „Bronx im Ruhrgebiet“ warnt.

Die österreichischen Lohnkosten für die Mitarbeiter der Automobilindustrie liegen im Schnitt knapp zehn Prozent unter deutschem Niveau. Dass auch das Werk Opel Austria Powertrain in Wien-Aspang, ein Joint Venture zwischen Opel und Fiat, von den Turbulenzen betroffen sein könnte, haben dessen 2.000 Mitarbeiter schon zu spüren bekommen: Sie fertigen jährlich bei 700 Millionen Euro Umsatz 405.000 Motoren und 630.000 Getriebe. Vor Beendigung der Streiks in Deutschland vergangenen Mittwoch zwecks konstruktiverer Verhandlungen war eine Auslieferung der Motoren an die lahm gelegten Werke nicht mehr möglich. Auch die Wiener hielten Informationsveranstaltungen ab.

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