„Man hat Flügel überreicht“

Casinos-Austria-General Leo Wallner über Dienstreisen mit Elsner und Schüssel, französische Justizwillkür und das Glücksspiel-Monopol.

FORMAT: Herr Generaldirektor Wallner, Sie waren mit Helmut Elsner, Martin Schlaff und Wolfgang Schüssel 2003 in Sofia. Warum?
Wallner: Da waren auch noch andere mit. So ein Flugzeug wird ja gefüllt. Man schaut nur, dass der Bundeskanzler nicht eingezwickt sitzt. Es ging aus meiner Sicht um Bösendorfer. Es wurden Flügel überreicht. Der Kanzler kam als eine Art Dankeschön für die Bawag mit, weil sie den Klavierhersteller übernommen hatte. Ich war dabei, um in Bulgarien Geschäftsmöglichkeiten zu erkunden. Daraus ist dann für uns nichts geworden.
FORMAT: Sie haben Elsner vor kurzem noch als exzellenten Banker bezeichnet.
Wallner: Ich wurde gefragt, was ich von ihm halte. Er war bei uns Funktionär, als Repräsentant eines Großaktionärs, der Bawag. Sollte ich ihn schlecht machen?
FORMAT: Was sagen Sie heute? Ist er ein exzellenter Banker?
Wallner: Darauf gebe ich heute keine Antwort. Ich habe ihn nicht mehr gesehen, seit er bei uns sein Mandat verfrüht zurückgelegt hat. Natürlich prägen die Medienberichte auch meine Einschätzung. Wenn so viel geschrieben wird, und sogar Dinge wie Lügen unterstellt werden, dann muss wohl etwas dran sein.
FORMAT: Angeblich mussten Casinos-Austria-Sekretärinnen an die Côte d’Azur fliegen, wenn Unterschriften von Elsner benötigt wurden.
Wallner: Es ist nie jemand hingeflogen. Wir haben vieles telefonisch abgewickelt. Hätte ich mich darüber beklagen sollen? Mir war es ja recht. Ich hatte auf diese Art mehr Spielraum.
FORMAT: Sie haben mit Elsner und Martin Schlaff intensiv Geschäfte gemacht, etwa beim Casino Jericho.
Wallner: Das hat Martin Schlaff eingefädelt. Das Casino ist leider noch geschlossen, aber wir haben dabei kein Geld verloren. Wir waren unseres Namens wegen gebeten worden, dabei zu sein. Bis dahin hatte ich mit der Bawag nichts zu tun, danach haben wir uns ihrer auch bei anderen Geschäften wie in Griechenland bedient, weil sie schnelle Entscheidungen getroffen hat. Elsner war ein schneller Entscheider. Dafür habe ich ihn geschätzt.
FORMAT: Ist Schlaff ein exzellenter Geschäftsmann?
Wallner: Zweifelsfrei. Ein exzellenter Geschäftsmann ist jemand, der günstig kauft und teuer verkauft, und das kann er offenbar. Da bleibt dann auch einiges hängen.

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