„Macht ist keine Kategorie“

Spar-Chef Gerhard Drexel über die Marktmacht von Spar, die laufenden Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde und die Moral im harten Handelsbusiness.

Format: Herr Generaldirektor, Sie treten gerade Ihren Urlaub an. Wohin geht es?
Drexel: Für zwei Wochen nach Sardinien. Gleich anschließend packe ich die Koffer.
Format: In Österreich wird über die Marktmacht der großen Lebensmittelketten diskutiert. Lieferanten sollen unter Druck gesetzt worden sein. Wie mächtig ist Spar?
Drexel: Alles ist relativ. Unsere fünf größten Mitbewerber sind Töchter deutscher Großkonzerne. Wir sind ein David, der gegen zahlreiche riesige Goliaths kämpft. Der weltgrößte Lebensmittelhändler Wal-Mart ist fünfzigmal größer als wir.
Format: Der Marktanteil von Wal-Mart in den USA ist ein Drittel von Ihrem hierzulande.
Drexel: Der Vergleich ist so nicht zulässig. Der US-Markt ist vierzigmal größer. In der Schweiz ist die Marktkonzentration noch größer. Dort hat Migros etwa vierzig Prozent Anteil und die Coop knapp weniger.
Format: Immerhin sind Sie Herr über 32.000 Mitarbeiter und können aus einer Million Produkten für den Lebensmittelmarkt wählen. Wie fühlt sich so eine Macht an?
Drexel: Macht ist keine Kategorie in meinem Denken. Ich denke darüber nach, wie ich dem mit Macht verbundenen Mehr an Verantwortung gerecht werden kann.
Format: Das hört sich nach keinem sehr lustvollen Umgang damit an.
Drexel: Verantwortung zu tragen ist eine sehr wichtige Funktion. Jede Gesellschaft braucht Verantwortungsträger. Ich trage gerne Verantwortung.
Format: Die Bundeswettbewerbsbehörde mutmaßt, dass Einkäufer des Handels charakterlich weniger gefestigt sind. Sie sollen mit ihrer Macht Lieferanten brutal ausquetschen.
Drexel: Nicht bei der Spar. Ich verbürge mich dafür,
dass in unserem Unternehmen ein offenes, menschenfreundliches und partnerschaftliches Klima herrscht. Unsere Einkäufer sind gut ausgebildet,
im Tonfall höflich und im Charakter vorbildlich.
Format: Wie viele Einkäufer gibt es?
Drexel: In der Salzburger Hauptzentrale etwa dreißig.
Format: Können Sie sich für so viele Personen verbürgen?
Drexel: Ja. Ich kenne alle persönlich und habe sie teilweise selbst ausgewählt.
Format: Bei solchen Mitarbeitern sprechen täglich mehrere Lieferanten vor, für die es geschäftlich ums Ganze geht. Ist das nicht eine Situation, die ruppige Reflexe auslösen kann?
Drexel: Bei 32.000 Mitarbeitern kann ich nicht alle menschlichen Reflexe beobachten. Doch wir sind in der Branche für faire Umgangsformen bekannt. Da können Sie sich überall erkundigen.
Format: Gibt es Vorschriften, wie Ihre Einkäufer mit den Lieferanten umgehen sollen und wie nicht?
Drexel: Wir sind kein Ministerium, wo die Erledigung jedes Handgriffs schriftlich reglementiert ist, sondern ein dynamisches, marktorientiertes Unternehmen. Wir setzen auf eigenverantwortliche Mitarbeiter. Das hat sich bewährt.
Format: Sind Ihre Einkäufer dann nicht zu zahm,
um ordentliche Preise herauszuholen?
Drexel: Natürlich müssen sie verhandeln können. Sie stehen ja multinationalen Konzernen gegenüber, die so starke Marken haben, dass kein Händler daran vorbeikommt. Da ist das Verhältnis übrigens genau umgekehrt. Deren Vertreter konfrontieren uns mit nicht begründbaren Preisforderungen und argumentieren salopp, dass ihre Konzernspitze die Gewinne maximieren will. Da sind dann wir die Benachteiligten. Das wurde bisher überhaupt nicht berücksichtigt.
Format: Bei den durch Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde bekannt gewordenen Fällen von mutmaßlichem Marktmacht-Missbrauch durch Handelsketten sind die Opfer mittelständische österreichische Hersteller.
Drexel: Da haben wir uns nichts vorzuwerfen. Es hat schon immer zu unserer Firmenphilosophie gehört, gute österreichische Marken und Firmen gezielt zu fördern.
Format: Wie beurteilen Sie dann die behördlichen Ermittlungen?
Drexel: Sie sind bewusstseinsbildend für Industrie und Handel. Die Mitarbeiter der Behörde sind engagiert, mutig und konstruktiv.

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