Leidenschaft hat nichts mit Können zu tun

ÖVP und BZÖ schmücken sich mit zwei neuen Gesichtern. Aber was können Quereinsteiger überhaupt in die Politik einbringen?

Politik, das ist leicht. Jeder engagierte Bürger kann da quer einsteigen. So wie begeisterte Fußballfans Josef Hickersberger ablösen, Burgtheater-Abonnenten das Haus am Ring schupfen und Dauerfernseher einem Finanzkaufmann wie Alexander Wrabetz den Marsch blasen könnten. Und dann sind sie alle aufgewacht. Denn Leidenschaft hat nichts mit Können zu tun.

Politik ist schwerste Arbeit, oft knochentrocken, kompliziert, langwierig und im Ergebnis frustrierend. Wer die Probleme dieser Welt lösen möchte und glaubt, als Abgeordneter im Parlament seine Ideale durchsetzen zu können, irrt gewaltig. Denn in Demokratien setzen sich immer nur Kompromisse durch. Zuerst musst du die engsten Kollegen in deiner Fraktion überzeugen, dann deine politischen Partner und schließlich die Mehrheit im Parlament – im Laufe dieses Prozesses bleibt immer weniger von deinen ursprünglichen Vorstellungen übrig. Das ist persönlich frustrierend, aber noch ärgerlicher: Du enttäuschst die Menschen, die dich gewählt haben, damit du ihre Ideale glasklar und ohne Umschweife voranbringst. So wie du es gebetsmühlenartig im Wahlkampf versprochen hast. Hier beginnt die Lüge, hier endet sie aber auch schon wieder.

Vielen Menschen ist gar nicht klar, was die eigentlichen Möglichkeiten und Aufgaben eines Mandatars sind. Die politische und mediale Bildung an Schulen ist eine Katastrophe. Und dementsprechend dürftig ist auch die von diesen Bürgern gewählte Vertretung in den Parlamenten. Der politische Diskurs in Österreich spielt sich auf einem niedrigen, rein populistischen Niveau ab. Deshalb präsentieren Parteien nicht Quereinsteiger mit hohem Fachwissen, sondern lieber solche mit prominentem Namen. Falsch, denn einzig Fachwissen zählt in der Politik. Nur Spezialisten überzeugen im legislativen Prozess. Schaumschläger und Großmäuler, Narzisse und Sternschnuppen sind den Medien zwar immer wieder Titelseiten und lange Berichte wert – der Welt, dem Land, den Menschen bringen sie nichts.

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