Kreditkarte, Kindergeburtstage & Koitus am Sonntag

„Desperate Housewives“ gibt es auch bei uns in Europa. Katharina Wille-Gut* ist eine von ihnen. Der Autorin Franziska K. Müller hat sie von ihrem Leben im goldenen Käfig am feinen Ufer des Zürichsees erzählt. Die Geschichte könnte genauso gut in Hamburg-Blankenese, Wien-Hietzing oder Salzburg-Aigen spielen.

Meine Designerküche stammt von Bulthaup, die Blumenbouquets bestelle ich bei der Zürcher Blumenboutique Marsano, und wenn ich eine Cocktailparty veranstalte, lasse ich Blini mit Kaviar, Kalbsinvoltini und Risotto mit geraspelten weißen Trüffeln servieren. Die „Goldküste“ ist mehr als nur eine bevorzugte Zürcher Wohnlage mit Blick über den Zürichsee. Hier leben privilegierte Menschen nach genauen Vorstellungen in ordentlichen Verhältnissen. Wir bleiben gerne unter uns. Das ergibt sich aufgrund der Häuserpreise und des nicht ganz billigen Lifestyles fast von selbst. Sozialfälle verirren sich selten hierher.
Mit Ausländern haben wir höchstens in Form von Hausangestellten zu tun. Aber frei von Problemen funktioniert dieses Leben auch nicht: Faules Personal, vermooste Pools, unfähige Handwerker nerven mich. Viel Geld erleichtert die Existenz zwar enorm, aber es verhindert nicht, dass die Kinder heimlich kiffen, sich Cellulite breit macht oder der Ehemann dem Aupair-Mädchen zu tief in den Ausschnitt blickt. Ansonsten herrscht Ordnung und Sicherheit: Die Anwesen sind gepflegt und von Mauern oder schönen Zäunen umgeben. Die Villen sind mit Alarmanlagen ausgestattet, und die Erben in spe werden allesamt in die gleichen Tagesschulen chauffiert.

Ich liebe meinen hochgelagerten Geländewagen, schwarz mit 4x4-Antrieb und einem riesigen Kühlergrill aus Chrom. Fast alle meine Freundinnen haben solche Cruiser. Sie behaupten, wegen der Sicherheit der Kinder. Ich sage: Wir Vollzeithausfrauen und Dauermütter fühlen uns in diesen riesigen Karossen so wichtig, wie wir sein möchten. Auf jeden Fall: In so einem Auto blickst du auf alle anderen Fahrer hinunter, und die Vorstellung, dass ich einen Mazda-Lenker glatt unter dem Chassis meines Range Rovers zermalmen könnte, amüsiert mich und meine beste Freundin Mona sehr. Mit diesen Offroadern könnten wir die Camel Trophy oder eine Reise durch das australische Outback bewältigen.

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