Jubiläum: Fünfzig Jahre Spar

Vor fünfzig Jahren wurde Spar von Tiroler und Pinzgauer Kaufleuten gegründet. Jetzt will Spar-Chef Gerhard Drexel Nummer eins in Österreich und europäischer Player werden. Die Spar wurde 1954 als Organisation Tiroler und Pinzgauer Lebensmittelhändler gegründet.

Politische Vorlieben zu äußern ist für Handelsunternehmer riskant. Zu groß ist die Gefahr, sensible Kundschaft zu vergraulen und Umsätze einzubüßen. Gerhard Drexel, 48, mächtiger Boss des in Salzburg ansässigen, 6,7 Milliarden Euro Jahresumsatz schweren Lebensmittelgiganten Spar, wagt es trotzdem. Im FORMAT-Interview lobt er die neue Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: „In Salzburg hat die SPÖ mehr wirtschaftspolitische Kompetenz als die ÖVP unter dem früheren Landeshauptmann Franz Schausberger“.

Das Lob Drexels, der angesichts von 50.633 Spar-Mitarbeitern als größter Arbeitgeber des Landes ein sozialer Faktor ist, kommt mit Bedacht. Denn für ihn heißt wirtschaftliche Kompetenz unter anderem, die Expansion des Konzerns nicht zu behindern. Schausberger etwa hatte gegen den Ausbau des zur Spar-Gruppe zählenden Salzburger Einkaufszentrums Europark opponiert, mit 8.300 Euro Jahresumsatz pro Quadratmeter das erfolgreichste Shoppingcenter Österreichs. In Hallein scheiterte der Bau eines Supermarktes an der Politik. Drexel, der als beharrlicher bis verbissener Kämpfer gilt, ist mit dem Ausgang der jüngsten Landtagswahl deshalb zufrieden: „Jetzt laufen die Dinge besser.“

Müssen sie auch. Denn der Aufstieg von Spar von einer kleinen Händlerorganisation zu einem Lebensmittelmulti von europäischem Format befindet sich in einer heißen Phase. Im Herbst 1954 gründete Hans Reisch eine Vereinigung selbständiger Kaufleute in Tirol und im Salzburger Pinzgau. Seit 1959 agierte Spar flächendeckend als Lebensmittelhändler. Und nächste Woche wird in Salzburg der 50. Geburtstag groß gefeiert.

Nach wie vor gehören 90 Prozent des Unternehmens den Gründerfamilien Reisch, Drexel und Poppmeier, der Rest zehn weiteren Clans. Von den derzeit rund 1.500 österreichischen Spar-Läden werden die Hälfte von selbständigen Kaufleuten in einer Art Franchisesystem betrieben.

Jetzt will Gerhard Drexel den ewigen Erzfeind Billa überholen und österreichischer Marktführer werden. In Ungarn, Tschechien und Slowenien ist Spar ebenfalls auf Expansionskurs. Ein Drittel der 6,7 Milliarden Euro Jahresumsatz kommt schon jetzt aus den neuen EU-Ländern.

Expansionskurs. Ein Spaziergang wird der Weg zur Nummer ein nicht. Zwar sind bei Spar, anders als bei Familienunternehmen wie Palmers, noch keine unversöhnlichen Feindschaften aufgebrochen. Umso härter tobt der Konkurrenzkampf zwischen Spar und der in deutschem Besitz befindlichen Rewe Austria (Billa, Bipa, Merkur, Mondo, Emma), der Nummer eins am Markt.
In den vergangenen Jahren pirschte sich Spar Zentimeter um Zentimeter an die scheinbar uneinholbare Billa-Gruppe heran – dank cleverer, teils hart erkämpfter Übernahmen, wie der familia-Läden, 60 Prozent der Meinl- und Pampam-Filialen und der Maximärkte. Um 5,9 Prozentpunkte ist der Marktanteil von Spar in den vergangenen vier Jahren auf inzwischen 34,2 Prozent gewachsen. Veit Schalle, 61, Generalbevollmächtigter der Rewe Austria, legte um 2,3 Prozent zu und hält bei 36,9 Prozent Marktanteil.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Gerhard Drexel: „Der Pioniergeist ist größer denn je“

Wirtschaft

Milliardenzug: BAT zieht sich den Rest von Camel rein

Wirtschaft

Kompakt: Die Schlagzeilen des Tages

Recht

„Durch die neue Gewerbeordnung droht eine Klagswelle“