Ioan Holender: Patron der Oper

Jetzt prangt nicht nur auf dem Stephansdom, sondern auch auf der „heiligen“ Staatsoper das Logo eines Sponsors. In FORMAT sagt Opernchef Ioan Holender, wie er sein Haus mit Marketinginstinkt und Sensibilität zu Weltrekorden führt.

Leicht überrascht bleiben dieser Tage Passanten vor der Wiener Staatsoper stehen. Da im Sommer die Fassade renoviert wird, wurde sie mit einer 470 Quadratmeter großen Netzvinylfläche verhängt, die, von 15 Scheinwerfern bestrahlt, ein standesgemäßes Motiv zeigt: die Fassade der Wiener Staatsoper. Daneben, dezent, aber nicht zu übersehen, prangt das Logo des Sponsors: Uniqa. Die Marke eines Versicherungsunternehmens auf der den Wienern so heiligen Staatsoper – darf denn das sein? Es darf, sagt Direktor Ioan Holender, sofern es künstlerisch zu vertreten ist: „Schließlicht wirbt auch die Stephanskirche auf ihrer Fassade für Gelder, die sie braucht.“

„Noch nie hatte die Staatsoper so viele Sponsoren, Donatoren und Förderer wie jetzt“, sagt Holender. Und das sei allein ihm zu verdanken, sagen seine Mitarbeiter. „Sponsoring ist bei uns Chefsache“, verrät der kaufmännische Leiter Thomas Platzer, „da kümmert sich keine Marketingabteilung darum, sondern da setzt sich der Chef ans Telefon und ruft die Chefs an“ – Hochleitner, Stronach, Wallner, Nemsic.

Der direkte Draht Holenders in die Chefetagen der großen Unternehmen zahlt sich aus. Während in der Saison 1999/ 2000 lediglich knapp 600.000 Euro an Sponsor- und Förderbeiträgen flossen, sind es heuer knapp 2 Millionen Euro. Den großzügigsten Teil davon, nämlich eine Million, bringt als Generalsponsor der Wiener Staatsoper Lexus/Toyota auf. „Die Konzernzentrale in Japan kennt und liebt die Staatsoper“, erfährt man im Wiener Büro, „es war demnach ihr innigster Wunsch, hier aktiv zu werden.“

Aktiv wurde auch Magna im Haus am Ring. So investiert Frank Stronach etwa in das Projekt „Jugendförderung“ an der Wiener Staatsoper rund 70.000 Euro. „Jugendliche erhalten günstige Karten für gute Plätze, um sie von schlechter Unterhaltung – ganz große Schuld trägt das Fernsehen – wegzubekommen und sie zur Klassik zu bringen. Das ist Zukunftsarbeit“, skizziert Holender mit einem Kick in Richtung Zerstreuungsindustrie.

Auch das Opernzelt für Kinder auf dem Dach der Wiener Staatsoper hätte man ohne private Unterstützung nicht aufschlagen können. Mobilkom blätterte fast 643.000 Euro hin. Heuer schießt Stronach knappe 36.000 Euro nach, um das Zelt für die kalte Zeit zu justieren.

Von Siemens gepowert werden die Rundfunkübertragungen aus der Staatsoper. Ein Faktum, das Siemens-Boss Albert Hochleitner – er feiert den 125. Geburtstag des Elektronikriesen am 3. Oktober im Haus am Ring – auf seine gute Achse zu Holender zurückführt: „Er ist eine Idealbesetzung als Opernchef, weil er die rare Kombination aus Impresario und betriebswirtschaftlich begabtem Manager verkörpert.“

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