Insider-Fall YLine

Ermittlungsakten enthüllen: Die Pleite des Internetunternehmens YLine AG reißt prominente Unternehmer in den größten Insiderskandal Österreichs.

Staatsanwalt Georg Krakow weiß dieser Tage kaum, wo ihm der Kopf steht. Zum Jahreswechsel hat der junge Ankläger am Wiener Landesgericht für Strafsachen den voluminösen Kriminalfall rund um die Pleite der Internetcompany YLine „geerbt“.

Seither überschlagen sich in der seit drei Jahren anhängigen Causa die Ereignisse. Erst vor drei Wochen hat YLine-Gutachter Thomas Keppert neue schwere Vorwürfe gegen Unternehmensgründer und Exchef Werner Böhm erhoben: Der Schaden im Gefolge der Pleite soll um 36 Millionen Euro höher sein als bisher bekannt, weil drei Tochterunternehmen bis zu 20fach überteuert gekauft wurden. Unter der Aktenzahl 61 St/02 i laufen Ermittlungen gegen insgesamt 22 Personen.

Obwohl er sich bereits jetzt durch Hunderte Aktenordner buddelt, eröffnet Staatsanwalt Krakow gerade eine weitere Front: Gestützt auf eine „Sachverhaltsdarstellung betreffend Missbrauch von Insiderinformationen gemäß § 48a Börsegesetz in Aktien der YLine Internet Business Services AG“ der Finanzmarktaufsicht (FMA) des Finanzministeriums (siehe Faksimile), hat er inzwischen Ermittlungen gegen insgesamt 18 Personen, Privatstiftungen und Unternehmen aufgenommen.

In dieser größten jemals in Österreich angelaufenen Insider-Ermittlung dreht sich alles um die Kernfrage, ob YLine-Vorstände, -Aufsichtsräte sowie deren Geschäftsfreunde ihr Wissen für den ebenso lukrativen wie schwunghaften Handel mit Aktien des eigenen Unternehmens genutzt haben.

In der FMA-Anzeige an die Staatsanwaltschaft wurden vorerst fünf Personen „wegen Verdachts auf Missbrauch von Insiderinformationen … zur Anzeige“ gebracht, für die bis zum Beweis des Gegenteils natürlich die Unschuldsvermutung gilt:

Norbert Frömmer, Exchef des Autohauses Tarbuk und Ex-YLine-Aufsichtsrat, soll sich durch Insiderinformationen „einen Vermögensvorteil in Form einer Verlustvermeidung von 28.080 Euro“ verschafft haben. Exvorstand Peter Hrdlicka habe durch Aktienverkäufe „vor Bekanntwerden des Konkursantrages einen Verlust von 15.948,45 Euro vermieden“. Auch Exvorstand Anneliese Prem habe durch Aktienverkäufe „vor Bekanntwerden des Konkursantrages einen Verlust von 629.927 Euro vermieden“. Prem soll außerdem als Vorstand in der ADU Privatstiftung des Unternehmensgründers Werner Böhm durch Insidertransaktionen „einen Verlust von 313.460 Euro“ abgewendet haben. Exvorstand Petra Wohlfahrt soll „durch den Verkauf von 35.000 Stück Aktien … einen Verlust von 191.056 Euro vermieden“ haben. „Der Verdacht auf Missbrauch von Insiderinformationen“ besteht laut FMA auch für den FPÖ-nahen steirischen Industriellen Ernst Hofmann – „durch die Organidentität einerseits als Aufsichtsratsvorsitzender der YLine, andererseits als Vorstand der Hofmann Privatstiftung“: Hofmann soll „einen Verlust von 75.450 Euro vermieden“ haben. Ernst Hofmann weist gegenüber FORMAT alle Anschuldigungen zurück: „Ich kann weiter ruhig schlafen. Bei den Ermittlungen kann gar nichts herauskommen.“

Neben diesen sechs sofort zur Anzeige gebrachten Verdachtsfällen listet die FMA-Anzeige die Analyse weiterer zwölf Depots auf, die „in einigen Fällen ein fragwürdiges Erscheinungsbild hinterlassen, aus dem sich für die Staatsanwaltschaft möglicherweise Anknüpfungspunkte für andere Strafdelikte ergeben können“.

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