Heinz Fischer: Eine Frage des Gewissens

Er will Sicherheit ausstrahlen und Wärme vermitteln. Das große FORMAT-Gespräch mit Heinz Fischer über die neue Hofburg, alte Krawatten und den Geist von Woodstock.

Es war der größte Wahlerfolg im Leben des Heinz Fischer – und genau genommen auch der erste. Obwohl der 65-jährige designierte Bundespräsident bereits seit fast 40 Jahren für die SPÖ aktiv ist, hatte er bislang noch bei keinem Wahlkampf an vorderster Front gekämpft. Umso überraschter war Fischer wohl auch über das Ausmaß an Sympathie, das ihm am Sonntag kurz nach 18 Uhr entgegenschlug, als er sich zum ersten Mal den SPÖ-Sympathisanten vor seiner Wahlzentrale präsentierte. Minutenlange „Heinzi, Heinzi“-Sprechchöre empfingen ihn. Fischer selbst sagt, er war ob dieser „Anteilnahme gerührt, weil es eine Woge der Sympathie und auch Wärme war, die zeigt, dass diese Werte in diesem Land vermisst werden“. Gleichzeitig sieht er diesen Empfang auch als einen Auftrag, „die Menschen nicht zu enttäuschen“. Genau so, wie das gewählte Politiker gerne sagen.
Für die SPÖ war Fischers Wahlerfolg bereits der dritte in diesem Jahr. Ob damit die seit Wochen schwelende Debatte über eine Ablöse von Parteichef Alfred Gusenbauer vorbei ist, darf aber bezweifelt werden. Mehr als eine Atempause für Gusenbauer sehen auch ranghohe SP-Präsiden nicht. „Wie lange Gusenbauer noch im Amt ist, hängt jetzt vom Ergebnis der EU-Wahlen ab“, so ein SPÖ-Stratege.
Von Heinz Fischer selbst, dem langjährigen stellvertretenden SPÖ-Chef, sind in dieser Angelegenheit keine klaren Worte mehr zu erwarten. Er wird am Tag vor seiner Angelobung Anfang Juli seine SPÖ-Mitgliedschaft nach 48 Jahren Parteizugehörigkeit ruhend stellen. Fischer: „Genau so, wie das andere Präsidenten vor mir auch gemacht haben.“

Im großen FORMAT-Gespräch spricht der gewählte Bundespräsident nun über sein Amtsverständnis, sein Verhältnis zur Außenministerin und den Geist von Woodstock, der mit ihm in die Hofburg einziehen wird.

Format: Herr Präsident, Sie und Ihr Mitarbeiter Bruno Aigner haben gesagt, dass es in der Hofburg in Zukunft nicht mehr so steif zugehen werde. Deswegen haben wir uns erlaubt, zu diesem Interview keine Krawatten zu tragen.
Fischer: Das ist sehr löblich. Ich habe soeben Bundespräsident Thomas Klestil in seinem Büro besucht und trage daher leider einen schwarzen Anzug und Krawatte. Wenn Sie wollen, könnte ich sie aber auch abnehmen. Soll ich?
Format: Müssen Sie nicht. Eine Jeans zu tragen, so wie es Herr Aigner in „Offen gesagt“ angekündigt hat, trauen wir uns in Gegenwart des zukünftigen Präsidenten übrigens nicht.
Fischer: Feiglinge.
Format: Wir stellen fest: Mit Heinz Fischer, dem alten Jazzer, zieht der Geist von Woodstock in die Hofburg ein.
Fischer: Nein, das kann man so nicht sagen. Woodstock übernimmt nicht die Hofburg, sondern Heinz Fischer. Und der Heinz Fischer von 1969 hat sich weiterentwickelt zum Heinz Fischer des Jahres 2004. Das sind immerhin 35 Jahre, und auch wenn mir Kontinuität etwas bedeutet, ich habe etwas dazugelernt. Ich bin älter geworden, und auch wenn ich meinen Idealen treu geblieben bin, leben wir in einer anderen Zeit.
Format: Wie darf man sich dann Ihre offene Hofburg vorstellen?
Fischer: Ich führe gerne ein Gespräch über das, was man ändern kann, aber ich tue das nicht, ohne meinen Respekt für Bundespräsident Klestil auszudrücken. Er hat in seiner Amtszeit ausgezeichnete Arbeit geleistet. Das Bemühen, in manchen Dingen eine andere Handschrift zu entwickeln, darf nicht dazu verwendet werden, eine Distanzierung zu den Leistungen von Bundespräsident Klestil herbeizureden. Ich möchte etwa den technischen Fortschritt nutzen, um den Gedanken der digitalen Hofburg weiterzuentwickeln. Und ich glaube, dass es meinem Naturell entspricht, das Amt zu „republikanisieren“.

Das komplette Interview lesen Sie im neuen FORMAT

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