Hans Peter Haselsteiner: Maut für den Bau-Meister

Hans Peter Haselsteiner, Chef des sechstgrößten Baukonzerns Europas, geht in die Offensive: Der 59-Jährige will sich nun Österreichs 2.000 Kilometer langes Autobahnnetz einverleiben.

Hans Peter Haselsteiner ist seiner Zeit wieder einmal meilenweit voraus: Bereits am Montag kommender Woche, zwei Monate vor der hochoffiziellen Eröffnung am 12. September, bezieht der 59-jährige Bauindustrielle sein funkelnagelneues Büro im zehnten Stock des Strabag-Hauses bei der Wiener UNO-City.

Wenn der Vorstandsvorsitzende der Bau Holding Strabag AG – mit 5,3 Milliarden Euro Umsatz der sechstgrößte Baukonzern Europas – dann seinen Blick aus dem 50.000 Quadratmeter großen Bürogebäude über die Skyline der City schweifen lässt, schaut er frontal auf die Donauuferautobahn.

Und genau darauf, nämlich auf das im Besitz der staatlichen Straßenbaufinanzierungsgesellschaft Asfinag stehende, 2.000 Kilometer umfassende heimische Autobahnnetz, hat es der milliardenschwere Industrielle neuerdings abgesehen. „Sollte die Asfinag privatisiert werden“, sagt Haselsteiner, „wollen wir in irgendeiner Form dabei sein.“

Der ehemalige Parlamentsabgeordnete und Wirtschaftssprecher des Liberalen Forums (LiF) kann seine Pläne zurzeit noch nicht präzisieren: „Ich arbeite an der Zusammenstellung eines hoffentlich von Österreichern beherrschten Konsortiums, das ein gewaltiges Schuldenproblem des Staates lösen könnte.“

Gorbach kann sich Mister Bau Holding zumindest als Betreiber vorstellen. Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FPÖ) wurde von Haselsteiners Vorstoß kalt erwischt. Seine erste Reaktion: „Ich sehe zurzeit keine Notwendigkeit zur Privatisierung unserer Autobahnen. Dass ein Privatunternehmen anstelle des Staates die Betreiberfunktion übernimmt, kann ich mir aber sehr gut vorstellen.“

Mit seiner Lust auf die heimischen Autobahnen beweist ein Mann einmal mehr Weitblick, der regelmäßig als „Kärntner Bauunternehmer“ tituliert wird. Tatsächlich stammt Hans Peter Haselsteiner aus Wörgl in Tirol. Nach einem Studium an der Hochschule für Welthandel landete der gelernte Steuerberater im Alter von 28 Jahren beim Bauunternehmer Anton Lerchbaumer im Oberkärntner Spittal an der Drau, wo er das mittelständische Unternehmen zur Ilbau AG umbaute. Nach dem überraschenden Tod des Seniorchefs heiratete Haselsteiner dessen Tochter Ulrike und verzehnfachte den Umsatz durch aggressive Expansion innerhalb weniger Jahre.

Die Erfolgsrezeptur des Bau-Meisters, der nur einmal Ende der achtziger Jahre durch riskante Auslandsabenteuer in Schieflage geriet: Neben Visionen und Fleiß, hervorragende Politbeziehungen in alle Parteien – Freimaurer „HPH“ pflegte mit Kärntens ehemals allmächtigen Sozialdemokraten ebenso freundschaftlichen Umgang wie heute mit seinem Duzfreund Jörg Haider oder mit den Spitzen der Volkspartei.

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Plus: Die vielen Bausteine des Hans Peter Haselsteiner
Plus: Asfinag: 2.000 Kilometer Straßen und acht Milliarden Euro Schulden

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