Haider traf Saddam-Hussein Doppelgänger

Ein deutscher Gerichtsmediziner weist nach: Jörg Haider hat Saddam Hussein nie getroffen. Der Kärntner Landeshauptmann wurde mit einem Doppelgänger des irakischen Diktators abgespeist.

Welch krönender Abschluß einer abenteuerlichen orientalischen Reise: Shakehands mit dem wohl bekanntesten Schurken der Welt – Iraks Diktator Saddam Hussein. Es gibt nur wenige auf der Welt, denen dieses zweifelhafte Privileg zuteil wurde, und einer davon ist Jörg Haider. Kein Wunder, daß der Kärntner Landeshauptmann förmlich vor Stolz platzte, als er im vergangenen Februar einen Besuch in Bagdad absolvieren und dabei dem Despoten seine Honneurs machen durfte.

Aufregung
Feixend posierte Haider an der Seite Saddams für das irakische Staatsfernsehen, genüßlich delektierte er sich anschließend an der internationalen Aufregung: In Washington protestierte das US-Außenministerium lautstark; in Wien sah sich die schwarz-blaue Koalition einer veritablen Zerreißprobe ausgesetzt; in der FPÖ, deren Spitze Haider über seinen Trip an den Tigris im dunkeln gelassen hatte, brach eine tiefe Vertrauenskrise aus – sie sollte ein halbes Jahr später letztlich zum Ende der Regierung führen.

DiktatorenDarsteller
Doch jetzt stellt sich heraus: Jörg Haider hat Saddam Hussein in Wirklichkeit nie zu Gesicht bekommen. Der Freiheitliche wurde bei seinem vermeintlich weltexklusiven Gipfeltreffen mit einem Diktatorendarsteller abgespeist.

Das ergibt sich aus einem Gutachten, das der deutsche Gerichtsmediziner Dieter Buhmann für FORMAT angefertigt hat. Buhmann ist ein anerkannter Wissenschaftler: Als Mitarbeiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität des Saarlands hat er eine Methode entwickelt, mit der festgestellt werden kann, ob das Foto eines Menschen mit dem Original übereinstimmt. Das Verfahren wird nicht nur vom FBI anerkannt. Auch deutsche Gerichte verwenden es – etwa um Verbrecher zu überführen, die von Überwachungskameras gefilmt wurden.

In den vergangenen Monaten fütterte Buhmann seinen Computer im Auftrag des ZDF mit Hunderten Aufnahmen, die angeblich Saddam Hussein zeigen. Ergebnis des Vergleichs, über das weltweit berichtet wurde: Der Diktator beschäftigt mindestens drei Doubles. Er selbst hat sich bis auf eine einzige Ausnahme seit 1998 nicht mehr öffentlich blicken lassen.

Buhmanns Erkenntnisse werden auch vom ehemaligen irakischen Geheimdienstchef Wafiq al-Samarae bestätigt. Die Idee mit den Doppelgängern sei aus Sicherheitsgründen entstanden, weil sich Saddam früher „so viel bewegte, viel reiste und auch oft Kontakt mit der Bevölkerung hatte“, so al-Samarae.

Für FORMAT nahm Buhmann nun Fotos unter die Lupe, die beim Treffen zwischen Haider und Saddam von der irakischen Nachrichtenagentur INA geschossen wurden. Vergleichsmaterial: Videoaufnahmen aus dem Jahr 1990, die zweifelsfrei den echten Saddam bei einer Rede vor der Arabischen Liga zeigen.

Nicht identisch
Das Ergebnis der Analyse ist eindeutig. „Die mit Herrn Haider abgebildete Person ist nicht mit der Person identisch, die im April 1990 eine Ansprache vor der Arabischen Liga gehalten hat“, so Buhmann: „Ich kann ausschließen, daß es sich um Saddam Hussein persönlich handelt.“

Autoren: Martin Staudinger, Klaus Zellhofer

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