Große FORMAT-Debatte: Wie privat ist ein Minister? Ist KHG noch tragbar?

Die Paparazzifotos aus Capri beschäftigen nicht nur den Boulevard, sondern auch die Politik. Ist Grasser noch amtsfähig? 25 Experten diskutieren.

Zumindest für einen ist die Sache relativ klar: Niemand müsse sich Sorgen machen, wenn Karl-Heinz Grasser ein Wochenende in Italien verbringt. Grasser sei ganz und gar nicht amtsmüde, er habe kein Interesse an einem Jobwechsel und werde sicherlich bis zur nächsten Wahl 2006 in Amt und Würden bleiben. Der Mann, der das alles in den vergangenen Tagen von sich gab, muss es eigentlich wissen: Es war Karl-Heinz Grasser höchstpersönlich.

Ob seine Interviews mit „Kurier“ und „Presse“ aber tatsächlich das Gefühlsleben des Finanzministers widerspiegelten oder doch nur taktisch motivierte Ausweichmanöver waren, ist freilich offen. Und so wird in Wien und anderswo wohl heftig weiterspekuliert werden, wie es mit dem 36-jährigen Karl-Heinz Grasser beruflich weiter geht. Bleibt er auf seinem Amtssessel in der Wiener Himmelpfortgasse, oder zieht es ihn doch zu einem internationalen Bankkonzern? Geht er zu den Casinos Austria? Oder gar zu Swarovski?

Fest steht jedenfalls, dass die Unterstützung für den Wahlhelfer des Jahres 2002 in der ÖVP merklich nachgelassen hat. „Wer als Finanzminister dank eigenem PR- und Gefühlsexhibitionismus aus den Wirtschaftsseiten direkt in die Formel 1 der Jetsetliga umsteigt, darf sich nicht wundern, wenn peinlicher Klatsch Marketingkompetenz überlagert“, feixt etwa der ÖVP-Nationalratsabgeordnete Ferdinand Maier. Und sein Parteifreund, der Wiener ÖVP-Chef Johannes Hahn, ergänzt nicht minder pointiert: „Grassers jüngstes Engagement gilt einem heimischen Spitzenprodukt mit Weltmarktgeltung.“ Kritische Töne, die selbst zu Hochzeiten der Homepageaffäre aus der ÖVP nur hinter vorgehaltener Hand zu hören waren.

Wie lange wird Kanzler Wolfgang Schüssel also tatsächlich noch zu Karl-Heinz Grasser stehen?

Schüssel selbst hat sich bislang noch zu keiner Aussage hinreißen lassen – auch nicht zu einer Verteidigungsrede.

Das Auftauchen von Strandfotos aus Capri in der deutschen „Bild“-Zeitung kommentierte er beim wöchentlichen Ministerrat nur lakonisch mit dem Satz, er habe seine tägliche Ration „Bild“ noch nicht konsumiert.

Tatsächlich dürfte dem Kanzler Grassers neues Jetsetleben in der Welt der Reichen, Superreichen und Flavio Briatores aber kräftig gegen den Strich gehen. Wolfgang Schüssel hatte schon in der Vergangenheit kein Hehl daraus gemacht, dass er Politik, die sich in den Klatschspalten wiederfindet, nicht goutiert. Zumal sich in der Capri-Causa auch die Frage stellt, wie sehr Grassers neues „Austrian Lover“-Image (der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer) der Regierungsarbeit insgesamt schadet.

„Grasser ist kein Pin-up mehr“, analysiert etwa der neue Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, Andreas Unterberger. Soll heißen: Er wird für die ÖVP keine Wahlen mehr gewinnen. Und genau darum geht es dem Kanzler am allermeisten.

Im neuen FORMAT: 25 Experten analysieren, wie tragfähig der Finanzminister noch ist

Wirtschaft

Neues Samsung-Smartphone kommt nach Brand-Debakel später

Donald Trump: Seine Wahl zum US-Präsident Donald hat die US-Börsen beflügelt.

Geld

Mischfonds: Veranlagung für unruhige Zeiten

Wirtschaft

Kompakt: Die Schlagzeilen des Tages