Grönemeyer am Zenit seiner Karriere

Nächsten Freitag und Samstag gastiert der expressionistische Pop-poet in der Wiener Stadthalle. Im kommenden Jahr vertont er an Claus Peymanns Berliner Ensemble „Leonce und Lena“.

Auf seinen Status als erfolgreichster deutscher Popinterpret angesprochen, übt Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer sich in Bescheidenheit: Wie es sich für einen Star ziemt, gibt er im Interview zu Protokoll, er fühle sich „eher nicht“ als ein solcher und verweist dabei scherzend auf seine Wurzeln im bodenständigen Arbeitermilieu des deutschen Kohle- und Stahlindustriezentrums an der Ruhr.

Gipfelsturm
Ob man dem Sänger, der seinen Wohnsitz vor einigen Jahren an die Themse verlegt hat, dieses Understatement nun abnimmt oder nicht – die Zahlen, die Grönemeyers Erfolg illustrieren, sprechen jedenfalls eine Sprache der Superlative: 23 Jahre ist der Westfale bereits im Geschäft, ebenso viele Platinauszeichnungen durfte er in seiner Karriere entgegennehmen. Im August dieses Jahres schließlich, nach mehr als elf Millionen verkauften Tonträgern, feierte der 46jährige einen Triumph, der ihm all die Jahre zuvor paradoxerweise verwehrt geblieben war: „Mensch“, der Titelsong seines schon vor Veröffentlichung ob zahlreicher Bestellungen vergoldeten aktuellen Albums, erklomm auf Anhieb die Gipfel der deutschen und österreichischen Charts.

Ausweichtermine
Die zugehörige Tour („Alles Gute von gestern bis Mensch“) läuft noch bis Sommer und führt Grönemeyer nächsten Freitag und Samstag zu einem Doppelkonzert in die Wiener Stadthalle. Wer diesmal keine Karten mehr ergattern konnte, darf sich auf die Zusatztermine freuen, die wegen des Andrangs anberaumt wurden. Am 24. Mai gastiert Herbert Grönemeyer im Wiener Ernst-Happel-Stadion, am 7. Juni gibt er seine poetischen Rocksongs und melancholischen Pianoballaden auf dem Residenzplatz in Salzburg zum besten.
Zadeks anliegen. Damit ist Grönemeyer, der sich nach dem Tod seiner Frau und seines Bruders im Jahr 1998 aus der Öffentlichkeit zurückzog, auch in Österreich wieder allgegenwärtig. Seiner zahlreichen Engagements kann sich der umtriebige Künstler derzeit ohnedies kaum erwehren. So ließ etwa Peter Zadek, der gefeierte Theaterregisseur, bei ihm anfragen, ob er an einem gemeinsamen Bühnenprojekt am Berliner Ensemble interessiert sei. Ebendort hat am 1. Mai kommenden Jahres auch „Leonce und Lena“ in einer Inszenierung von Robert Wilson Premiere, die Herbert Grönemeyer – trotz Tourstreß – vertonen wird.

Man könnte sagen, daß sich damit der Kreis in der Karriere des Sängers schließt, der ja Mitte der siebziger Jahre als musikalischer Leiter am Schauspielhaus Bochum begann, das damals von Peter Zadek geführt wurde. Noch ehe ihm 1984 mit seiner vierten LP „4630 Bochum“ der Durchbruch als Musiker glückte, hatte Grönemeyer sich als Bühnenschauspieler und Filmdarsteller – etwa in Wolfgang Petersens Kriegsepos „Das Boot“ – längst einen Namen gemacht.

Autoren: Felix Radax, Thomas Weber

Mehr dazu lesen Sie im neuen FORMAT.

Außerdem:

  • Georg Danzer: „Herbert Grönemeyer ist kein Piefke“

Wirtschaft

Neues Samsung-Smartphone kommt nach Brand-Debakel später

Donald Trump: Seine Wahl zum US-Präsident Donald hat die US-Börsen beflügelt.

Geld

Mischfonds: Veranlagung für unruhige Zeiten

Wirtschaft

Kompakt: Die Schlagzeilen des Tages