Globalisierung und „Heuschrecken“-Kapitalismus: Wer gewinnt, wer verliert?

Europa bekommt nun auch die Schattenseiten der Globalisierung zu spüren: Wachsender Konkurrenzdruck bedroht Millionen von Jobs in der Industrie.

Brauchen Sie eine größere Menge BHs? Dann ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt, zuzuschlagen: Das Dutzend kostet derzeit, sofern es aus China stammt, nur 50 Cent. Auch Pullover sind seit 1. Januar um 47 Prozent billiger geworden, Damenkleider um 50 Prozent, Hosen sind um ein Viertel weniger zu haben. Der Grund: Seit Jahresanfang sind alle Importquoten für Textilien weltweit gefallen – und die Chinesen haben sich auf diesen vor zehn Jahren festgelegten Stichtag offenbar perfekt vorbereitet. 44 Millionen BHs haben sie seither in die EU eingeführt, T-Shirts im dreistelligen Millionenbereich. Und die Zahl der importierten Pullover explodierte um 534 Prozent – auf weit über 100 Millionen Stück. Jedem einzelnen Europäer sein billiges China-Outfit, scheint das Motto der Chinesen zu sein. Doch was die Konsumenten freut, bedroht eine ganze Industriesparte – und löst eine neue Debatte über die Schattenseiten der Globalisierung aus.

Bisher eher ein Thema für altgediente Gewerkschafter und idealistische Entwicklungshelfer, hat die Globalisierungskritik nun die Vorstandsetagen erreicht: Vor den Gebäuden der EU-Kommission in Brüssel demonstrierte im April der Verband der europäischen Textilindustrie gegen die Öffnung der Handelsschranken, die viele Traditionsunternehmen die Existenz kosten wird. „Wegen China gehen Arbeitsplätze in Rauch auf“, stand auf den Transparenten, die von Luftballonen getragen in eine Rauchwolke entschwebten. Harald Ettl, SP-Europaabgeordneter und Textilgewerkschafter, präzisiert: „Von den 2,7 Millionen Textilarbeitern in der EU werden bis zu 1,5 Millionen ihren Arbeitsplatz in den nächsten drei Jahren verlieren. Und das ist erst der Anfang, andere Industriezweige werden folgen.“

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