Frontalangriff auf den ORF

Nach der spektakulären Niederlage des ORF im Kampf um die Fußball-Bundesliga-Rechte blasen die Privatsender nun zum Sturm auf die Küniglberg-Bastion.

Bei ihrem ersten großen Trip in die Glitzerwelt von Hollywood mochte bei Monika Lindner keine rechte Stimmung aufkommen. Seit die Generaldirektorin des ORF am Montag im kalifornischen Los Angeles eingesegelt ist, trifft sie dort nämlich regelmäßig auf Leute, die ihr die Laune gründlich verderben.

Im Rahmen des Branchentreffens „L. A. Screening“ bei allen großen Studios auf der Suche nach attraktiven Filmangeboten wird die Chefin der heimischen Rundfunkanstalt die ganze Woche über an eine große Schmach erinnert. Ob bei Paramount, Disney oder Universal: Überall treffen Lindner und ihr kaufmännischer Direktor Alexander Wrabetz auf den in Wien gebürtigen Münchner Filmhändler Herbert Kloiber und auf Abgesandte von Georg Kofler, Chef des deutschen Bezahlsenders Premiere.

Verschätzt. Die Sensation war vorvergangenen Mittwoch um exakt 16.03 Uhr perfekt: Platzhirsch ORF erlitt beim Feilschen um die TV-Rechte am heimischen Spitzenfußball eine spektakuläre Schlappe. Mit 17 zu drei Stimmen votierten die Präsidenten der beiden Top-Ligen für ein lukratives Angebot, das der deutsche Pay-TV-Sender Premiere gemeinsam mit dem ersten heimischen Privatsender ATV+ gelegt hat: Das Duo schiebt für die nächsten drei Jahre 42 Millionen Euro über den Tisch – um 13,5 Millionen mehr, als der ORF geboten hatte.

Die vom Frontalangriff überrumpelten ORF-Bosse reagierten schmallippig. ORF-Generalin Lindner ließ bloß ein dürres Statement verbreiten: „Der ORF bedauert, dass die Live-Übertragungen der österreichischen Fußballklubs nunmehr ausschließlich über Bezahlfernsehen zu sehen sein werden.“

Verstimmte Medienorgel. Der Triumph der Privaten trifft den ORF zu einer denkbar ungünstigen Zeit: Gebeutelt von einem anhaltenden Tief bei den Werbeeinnahmen, sinkenden Marktanteilen und einem rigiden Sparkurs, ist Österreichs mächtigste Medienorgel verstimmt.

Schlimmste Erkenntnis für die ORF-Chefs: Bei der wichtigsten Nebensache der Welt, Fußball eben, geht plötzlich auch alles ohne den ORF.

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