Fischlers starker Abgang

Zehn Jahre war Franz Fischler Österreichs EU-Kommissar in Brüssel. Jetzt kehrt er heim und zieht im großen FORMAT-Interview Bilanz: über Höhe- und Tiefpunkte in Brüssel, die Fehler Österreichs, seine Feinde und seine Zukunftspläne.

Alpbach ist entspannte Auftritte gewöhnt. Minister und Generaldirektoren schlendern, von angeblichen frühmorgendlichen Bergtouren erfrischt, in das Kongresszentrum, um zu „denken“, Professoren und Philosophen geben in träger Gelehrtheit ihren Senf dazu, höchstens beim Networken kommen Anflüge von Hektik auf.

Doch kaum eine der anwesenden Polit-größen war beim diesjährigen Forum
Alpbach, Österreichs spätsommerlicher Denkfabrik unter der Leitung von Ex-vizekanzler Erhard Busek, so entspannt wie EU-Kommissar Franz Fischler. Mit gutem Grund: Fischler ist nach fast zehn Jahren als EU-Landwirtschaftskommissar auf dem Höhepunkt seiner Karriere – und zugleich in der angenehmen Situation, sich ab 31. Oktober die berufliche Zukunft aussuchen zu können. Er verlässt die Kommission auf eigenen Wunsch und als einer der anerkanntesten Kommissare. Er ist Kandidat für alle möglichen Jobs – vom Generalsekretär der WTO bis zum Außenminister in Wien.

Der Weg zu so viel Gelassenheit war weniger entspannt. Als Fischler 1995 das gewichtigste Brüsseler Ressort und damit die Hälfte des EU-Budgets übernahm, galt er bei den eleganten Diplomaten zunächst als provinzieller Bauernhäuptling: Sein Englisch war von alpinen Kehllauten durchsetzt, sein Französisch einfach nicht vorhanden – bis dahin ein Sündenfall in der EU.

„Wenn ich ihn sehe, bekomme ich Angst und Schweißausbrüche“, schrieb damals ein italienischer Kommentator. Und während Fischler in Österreich als „unser Mann in Brüssel“ noch hoch gelobt wurde, brannten auf Bauerndemonstrationen in Spanien und Frankreich Puppen mit seinem Konterfei. Der Tiefpunkt kam mit der BSE-Krise 1996: Das gesamte EU-Agrarsystem geriet in den Ruf, ein grotesker Monsterapparat zu sein, und Fischler stand mittendrin. Doch der „Bauer als Kommissar“ kämpfte sich mit bärbeißiger Gelassenheit durch die Angriffe und zog gegen den Widerstand seiner eigenen Bauernlobby eine Agrarreform durch. Er veränderte das Fördersystem von Grund auf: Nicht mehr Produktion, sondern Leistungen für Umwelt und ländliche Entwicklung werden belohnt.

Rückenwind gaben ihm dabei die Weltwirtschaftsregeln der WTO. Und so wandelte sich auch sein internationales Image vom trotzigen Verteidiger europäischer Privilegien zum Freihandelshelden: Vor einem Monat kündigte er in Genf an, alle Exportsubventionen für die europäische Landwirtschaft abzubauen, und brachte damit die ins Stocken geratene Welthandelsrunde wieder auf Schiene.
Parallel zu den internationalen Erfolgen sank seine Beliebtheit in Österreich: Mit spitzen Zwischenrufen aus Brüssel und harscher Kritik an der FP-ÖVP-Regierung brachte er jene gegen sich auf, die bei „denen in Brüssel“ den Grund allen Übels sahen, auch in der eigenen ÖVP. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Wolfgang Schüssel dem Heimkehrer keinen angemessenen Posten anbieten werde, meinen Vertraute des Kanzlers. Was vielleicht ohnehin umsonst wäre: Denn im großen FORMAT-Bilanzinterview über zehn Jahre Brüssel bestreitet Fischler Ambitionen auf ein innenpolitisches Amt.

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