Exklusiv: Der letzte Abenteurer

Oracle-Gründer und Selfmade-Milliardär Larry Ellison spricht über Produkte, Programmierer und sehr persönliche Entscheidungen.

Sonnengebräunt, in Shorts und Sandalen. In betont lässiger Aufmachung empfing Oracle-Gründer Larry Ellison diesen Montag eine kleine, handverlesene Schar von Journalisten auf seiner Privatyacht Rising Sun in Valencia. FORMAT war als einziges österreichisches Medium an Deck und erlebte den IT-Pionier ungewöhnlich entspannt, aber doch angriffslustig.
FORMAT: Mister Ellison, Sie haben letztes Jahr um mehr als 20 Milliarden Dollar eingekauft, darunter Big Deals wie Peoplesoft und Siebel. Erklären Sie uns Ihre aggressive Einkaufspolitik.
Ellison: Jeder dachte doch, dass unsere Einkaufspolitik extrem riskant sei. Weil vor uns eben noch keiner so etwas erfolgreich durchgezogen hat. Wir haben aber schon eine gewisse Erfahrung, Dinge zu tun, von denen alle glauben, das sie nicht funktionieren. Das war von Anfang an so. Es geht doch immer darum, populäre Irrtümer aufzuspüren und zu widerlegen. Ein Irrglaube der IBM war schließlich der Grundstein zu unserem Erfolg. Obwohl sie in ihrer Forschungsabteilung das Konzept der relationalen Datenbank erfunden haben, glaubten sie nicht an die Kommerzialisierung. Wir eben schon. Wenn einer etwas glaubt und der andere vom Gegenteil überzeugt ist, gilt es, den Bereich dazwischen auszuloten. Das ist die eigentliche Innovation.
FORMAT: Wie sieht die mittelfristige Strategie zur Integration aus? Sie haben verschiedenste Namen und Produktphilosophien unter einem Dach vereint …
Ellison: Wir sind überzeugt, dass die Systeme und Kundenbindungen langlebiger sind, als sie auf den ersten Blick scheinen. Wenn Sie eine Million in ein ERP-System von Oracle investiert haben, geben Sie dann drei Millionen aus, um es durch ein SAP-System zu ersetzen? Das macht doch keiner. Viele haben sich gedacht, dass die Kunden zu SAP switchen werden. Ehrlich, wir reden da über viel Kohle, und CIOs haben andere Sorgen. Die wollen, dass ihre Systeme funktionieren. Und solange wir Peoplesoft und andere ERP-Systeme supporten, hat der Kunde keinen Grund zu wechseln.
FORMAT: Ein Grund ist wohl auch, dass Sie kürzlich „lebenslangen“ Support versprochen haben …
Ellison: Faktum ist, dass wir auch alte Oracle-Versionen in ERP sehr lange unterstützt haben. Wir haben halt keine öffentliche Affäre daraus gemacht. Wir haben nicht unsere technologische Strategie geändert, sondern die Öffentlichkeitsarbeit. Wenn General Electric eine alte Version hat, gehen wir doch nicht her und sagen, danke, tschüss, das war’s. Das gilt für alle unsere Kunden.
FORMAT: Aber das Ziel der neuen Produktplattform „Fusion“ soll doch wohl die Integration und verbesserte Kommunikation zwischen den Systemen sein.
Ellison: Fusion ist was komplett Neues. In der Software-Industrie muss man von Zeit zu Zeit seinen Code neu schreiben. Wir wollen hin zu einer echten service-orientierten Architektur und neue Programmiersprachen wie Java verwenden. Fusion sind ganz neue Produkte mit moderner Software-Architektur. Als SAP von R/2 auf R/3 umgestiegen ist, war das auch ein neues Produkt. Das wird auch SAP wieder tun müssen, da kommen sie nicht umhin.

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