Erste-General Andreas Treichl: Der Deal-Maker

Nach dem 400-Millionen-Kauf der PostaBank ist Erste-Chef Treichl am Zenit seiner Macht. Jetzt wird er auch zum Wirtschaftsvisionär: Er fordert die Flat Tax.

In den prunkvollen Festsälen des Wiener Barockschlosses Belvedere wuselte es am Montagabend nur so von Geld. Um über hundert betuchten Privatkunden die Reverenz zu erweisen, schaffte Österreichs zweitgrößte Bank einen seltenen Kraftakt: Alle sechs Mitglieder des Vorstandes fanden sich rechtzeitig zu einer Zusammenkunft in den historischen Gemäuern ein.

Eigentlich sollte laut Einladung auf das zehnjährige Jubiläum des Private Bankings der Erste Bank AG angestoßen werden. Doch dann stand wieder einmal nur ein Mann im Mittelpunkt: der Vorstandsvorsitzende der Ersten, Andreas Treichl.

Vier Tage zuvor hatte der 51-jährige Banker seine persönliche Erfolgsgeschichte um ein bedeutendes Kapitel erweitert: Durch den Kauf der ungarischen PostaBank um 400 Millionen Euro katapultierte Treichl seine Bank mit einem Schlag zur Nummer zwei im ungarischen Privatkundengeschäft.

Treichls eindrucksvolle Zwischenbilanz im sechsten Jahr an der Spitze der Bank: vier große Übernahmen von Kreditinstituten im benachbarten Osten um knapp 1,5 Milliarden Euro, zwei Kapitalerhöhungen, eine Verdoppelung der Bilanzsumme und fast eine Verzehnfachung des Gewinns.

Mehr als die Hälfte ihrer Gewinne erzielt die Erste Bank im Osten. Ob Tschechien, die Slowakei, Kroatien oder jetzt Ungarn: Neben 2,4 Millionen Klienten im Heimmarkt Österreich hat die Erste im Osten bereits 9,5 Millionen Kunden gewonnen – auch mehr als die Hälfte der Gewinne kommt bereits von dort. Treichl: „Im Osten herrscht eine Art Goldgräberstimmung wie im Amerika der zwanziger Jahre. Und wir naschen da kräftig mit.“

Am Tag seines jüngsten Triumphes nützte der konservative Bankierssohn einen „ZiB 2“-Auftritt, um seine wirtschaftspolitischen Visionen unters Volk zu bringen: Beschleunigung der Regierungsreformen, radikale Steuersenkungen durch eine Flat Tax sowie eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich „ohne Tabus“ – Ratschläge, die Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, dessen wichtigster Wirtschaftsberater Andreas Treichl ist, sehr ernst nimmt.

Damit hat der Topbanker und bekennende ÖVPler den Zenit an Einfluss und Macht erreicht. Als Sohn von Heinrich Treichl, dem legendären Chef der Creditanstalt, war Andreas eine Karriere im Geldgeschäft beinahe in die Wiege gelegt. Nach diversen Stationen bei amerikanischen Banken heuerte der junge Mann 1978 als Wahlkampfhelfer des Wiener ÖVP-Chefs Erhard Busek an.

Bevor er 1994 in der Vorstandsetage der Ersten landete, sanierte Andreas Treichl als Finanzreferent der Schwarzen unter Erhard Busek die maroden Parteifinanzen der Schwarzen. Drei Jahre später begann er – nunmehr bereits als Generaldirektor – die verstaubte Stadtsparkasse total umzukrempeln.

Als Trost für die durch den Verkauf der bürgerlichen Creditanstalt an die tiefrote Bank Austria gedemütigten Konservativen fusionierte Treichl seine Erste Österreichische Spar- Casse mit dem Spitzeninstitut des Sparkassensektors, der GiroCredit, zur Erste Bank – einer Kommerzbank für den Mittelstand und kleine Leute, „eine Art Billa der Bankbranche“, wie Treichl gerne bekundet, der in der Gilde des Wiener Geldadels durch eine erstaunliche Portion Lockerheit und Unaufgeregtheit besticht.

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PLUS: Interview mit Erste-Chef Andreas Treichl über sein Verhältnis zur Politik, neue Steuerkonzepte fürs Land und sein Vertrauen in Kanzler Schüssel.
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