Die diskreten Dealmaker

Die Übernahme der HVB durch die UniCredit, eine 20-Milliarden-Transaktion, wird für vier große Investmentbanken und ein Heer von 150 Wirtschaftsanwälten nun zum Supergeschäft: Sie kassieren rund 500 Millionen Euro.

Walter Schuster laboriert offenkundig an einem ausgeprägten Hang zur griechischen Mythologie. Für seine neueste Aufgabe hat der in den Diensten der amerikanischen Investmentbank JP Morgan stehende fünfzigjährige Österreicher mit Dienstort London den Code „Hermes“ gewählt – benannt nach dem sagenhaften Götterboten aus der Antike.

Der monatelang erfolgreich gehütete Tarnname im Vorfeld der größten jemals in Europa angepackten transnationalen Bankenfusion ist bei genauer Betrachtung gar nicht so weit hergeholt. Denn Investmentbanker Walter Schuster obliegt eine überaus heikle Aufgabe, bei der es sich in Summe um satte 20 Milliarden Euro dreht: Als Leiter des Transaktionsteams von JP Morgan muss er im Auftrag der Münchner HypoVereinsbank (HVB) darüber wachen, dass die vor zehn Tagen verkündete Fusion mit der Mailänder UniCredit-Gruppe auch tatsächlich reibungslos über die Bühne geht.

Für Schusters Arbeitgeber, für ihn persönlich sowie für drei weitere Fixsterne aus der Glitzerwelt der Hochfinanz steht bis zum Closing des Deals Ende Oktober zudem enorm viel Geld auf dem Spiel: Inklusive der Honorare für ein ganzes Heer von 150 Wirtschaftsanwälten (Seite 30) und der lukrativen Zusatzgeschäfte, wie etwa Anleihen- und Aktienemissionen, muss UniCredit-Chef Alessandro Profumo für die erfolgreiche Abwicklung des Banken-Mergers nämlich Transaktionskosten von bis zu 500 Millionen Euro einkalkulieren.

Nach Monaten der Geheimhaltung für einen kurzen Moment ins Rampenlicht getaucht wird mit den involvierten Investmentbankern eine Truppe ebenso hoch bezahlter wie diskreter Spezialisten, die an keinem Punkt ihrer spektakulären Deals Details ausplaudern dürfen.

Dass die Deutschen dabei ausgerechnet auf einen Österreicher vertrauen, ist kein Zufall: Walter Schuster steht seit 1994 in den Diensten des US-Finanzhauses JP Morgan und hat die Republik Österreich bereits bei der Privatisierung der Creditanstalt beraten. Später platzierte er 18 Prozent der Bank Austria, die der Republik gehörten, bei privaten Anlegern – bis er schließlich im Jahr 2000 von der HVB das Mandat erhielt, den Kauf der Bank Austria einzufädeln. Schusters vorletzter Deal: der Börsengang der BA-CA im Frühsommer 2003.

Auch außerhalb der Bankenwelt hat sich der ehemalige Giro-Banker („Mein Name ist Walter Schuster. Mehr werden Sie von mir nicht erfahren.“) einen Namen gemacht. Beim Verkauf des Biergiganten Brau Union an die niederländische Heineken-Gruppe 2003 hatte Schuster ebenfalls seine Finger im Spiel.

Seine Vorliebe für antike Götter kam auch bei der im Frühjahr 2003 angepeilten Übernahme des Stahlkonzerns Voest durch die Magna-Gruppe des Austrokanadiers Frank Stronach zum Vorschein. Der Codename des im Gefolge einer Indiskretion frühzeitig geplatzten Milliardengeschäfts: „Minerva“. Bereits vor Weihnachten wurde der JP-Morgan-Banker mit einem neuen „Riesending schlechthin“ (Schuster) konfrontiert – dem Geheimprojekt „Akropolis“:

Bei dem anvisierten Monster-Takeover der HVB durch die UniCredit übernahm Walter Schuster als Vertreter der Deutschen („Hermes“) die Leitung des Transaktionsteams von JP Morgan, unterstützt von der Citigroup als so genanntem Joint Adviser. Sein Konterpart aufseiten der Italiener (Codename „Uranus“): Merrill Lynch, unterstützt von Goldman Sachs.

Das Shakehands von UniCredit-Boss Alessandro Profumo und HVB-Chef Dieter Rampl hat außerdem ein Heer von Legal Advisern, gut 150 hochkarätige Wirtschaftsanwälte, in Trab gesetzt. Seit die Transaktionsstruktur feststeht, laufen zwischen München und Mailand, Wien und Warschau sowie Moskau und Sofia die Telefonleitungen heiß.

Die Italiener haben mit Freshfields Bruckhaus Deringer eine der weltweit größten Sozietäten angeheuert. Von Frankfurt aus dirigieren die beiden Partner Andreas Fabritius und Matthias-Gabriel Kremer ein Team von 73 Anwälten in 13 Ländern. Freshfields-Mann Fabritius: „Eine so komplexe internationale Transaktion in kürzester Zeit zu organisieren ist eine Aufgabe, wie man sie als gestandener M&A-Anwalt nicht alle Tage erlebt.“

Die Mannschaft in Wien wird von dem auf Bankrecht spezialisierten Duo Willibald Plesser und Thomas Zottl angeführt. Die HVB wird von der US-Kanzlei Clearly Gottlieb Steen & Hamilton vertreten.

  • Die BA-CA, die sich von mehreren heimischen Advokaturen beraten lässt, war bereits vor fünf Jahren ins Visier der Italiener geraten. Bevor sich der damalige BA-CA-Chef Gerhard Randa für die Bayern entschied, führte er auch Parallelverhandlungen mit Alessandro Profumo. Der damalige Berater des Italieners: Lehman-Brothers-Investmentbanker Thomas Marsoner („Das Standesrecht verbietet mir jegliche Stellungnahme zu irgendwelchen Klientenbeziehungen“), ein gebürtiger Tiroler mit Dienstort London.
  • Marsoner, inzwischen Senior Advisor für Lehman Brothers, hat im Juni des Vorjahres mit einem weiteren Auslandsösterreicher das größte Immobiliengeschäft mit der Republik abgewickelt: Marsoner und Karl-Heinz Muhr strukturierten den Verkauf von 58.000 Wohnungen der Buwog im Wert von 961 Millionen Euro. Der von New York aus operierende Muhr steht im Sold der US-Investmentbank Credit Suisse First Boston.
  • Auch Citigroup, die größte und ertragsstärkste Investmentbank der Welt, mischt beim UniCredit-Deal mit. Zwar assistiert dem Österreicher Walter Schuster dort der 46-jährige Hamid Biglari als Global Head of Financial Institutions von Citigroup. Wertvolle Ratschläge holt sich Biglari aber auch von einem Österreicher: Wilhelm Schulz, der für Citigroup von London aus agiert.
    Schulz und sein Team fädelten für ein Konsortium rund um den Wiener Osthändler Martin Schlaff sowie den Industriellen Josef Taus zuletzt gleich zwei spektakuläre Deals ein: zuerst den 1,6 Milliarden Euro schweren Verkauf des bulgarischen Mobilfunkbetreibers MobilTel an die Telekom Austria. Schulz: „Diese Transaktion ist ein Meilenstein in vielerlei Hinsicht.“ Anfang Mai begleitete Schulz den Erwerb der Mehrheit des serbischen Handynetzanbieters MobTel durch Schlaff und Co.
  • Auch beim Börsengang der Telekom Austria wirkte an führender Stelle ein Österreicher mit: Im November 2000 sorgte der für Merrill Lynch in Frankfurt arbeitende Peter Kollmann für die reibungslose Platzierung in Wien und New York – Vo-lumen: 1,1 Milliarden Euro. Kollmanns Kollege und in der Causa UniCredit/HVB Schusters mächtiger Widerpart heißt Andrea Orcel. Seit mehr als acht Monaten berät der 42-jährige „Head of Origination for Europe, the Middle East and Africa“ bei Merrill Lynch die UniCredit in der Causa HVB und der damit verbundenen Übernahme der BA-CA. „Der österreichische Kapitalmarkt ist der eindeutige Gewinner der Osterweiterung“, weiß Kollmann und hofft, dabei auch saftige Mandate für Merrill Lynch an Land zu ziehen.

Bis zum endgültigen Abschluss des Zwanzig-Milliarden-Geschäfts im Oktober arbeiten die Beraterteams von JP Morgan, Merrill Lynch, Goldman Sachs und Citigroup auf Hochtouren. Doch der Einsatz lohnt sich. Während die involvierten Wirtschaftskanzleien mit – wenn auch üppigen – Pauschalhonoraren bezahlt werden, dürfen die Investmentbanker nach dem Closing rund um die neue Superbank auf stattliche Erfolgsprämien in Cash hoffen.

Bei einer Transaktion dieser Größenordnung werden zwei Prozent des Dealvolumens als maximale Ausgaben für Investmentbanker, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte budgetiert, was rund 400 Millionen ergibt. Hinzu kommen allerdings auch noch lukrative Folgeaufträge etwa aus künftigen Aktien- und Anleihenemissionen.

Im Klartext: Wenn UniCredit-General Alessandro Profumo eine Anleihe im Volumen von 800 Millionen Euro begibt, wie das Anfang dieser Woche angekündigt wurde, so verdienen seine Investmentbanker von Merrill Lynch und Goldman Sachs auch daran mit. Ihrem Spezialklienten Profumo werden sie dafür zwischen 20.000 Euro und 100.000 Euro verrechnen – pro Mann und Tag.

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