Designer Boom in Wien

Diese Woche sperrt Diesel am Wiener Kohlmarkt auf, vier weitere Top-labels folgen. Österreichs teuerstes Pflaster wird zur Modemeile mit Weltformat.

Eine ganze Armada von Luxuslabels nimmt Kurs auf die heimischen Fashion-Victims: Tiffany & Co, Diesel, Dolce & Gabbana, Burberry und Bulgari eröffnen jetzt neue Shops am Wiener Kohlmarkt. Damit katapultiert sich Österreichs exklusivste Einkaufsstraße gerade rechtzeitig zum heurigen Weihnachtsgeschäft in die oberste Liga der internationalen Shopping-Adressen. Weniger erfreut über den geballten Aufmarsch der Nobel-Phalanx werden wohl jene Männer sein, die ihre Kreditkarten in einem Augenblick der Sorglosigkeit an Frau, Freundin oder Tochter abtreten und so einen verärgerten Anruf ihres Bankbetreuers riskieren. Luxus kostet eben. Und davon wird es an Wiens prominentester Shopping-Adresse viel geben.

Den Anfang macht der italienische Diesel-Boss Renzo Rosso am 1. September. Auf 350 Quadratmetern eröffnet er am Wiener Kohlmarkt 8-10 einen zweistöckigen hochmodernen, luxuriösen Flagship-Store. Ähnlich chic soll in unmittelbarer Nachbarschaft der Store des US-Nobeljuweliers Tiffany & Co anmuten, der seine Pforten am 5. Oktober öffnet. Im selben Gebäudekomplex folgen Ende Oktober die Openings des Italo-Labels Dolce & Gabbana sowie des englischen Karo-Klassikers Burberry. Und kurz vor Weihnachten startet der italienische Luxusgüterhersteller Bulgari mit Schmuck und Accessoires am Wiener Kohlmarkt 2 durch.

Doch nicht nur auf der heute sündteuren Luxusmeile, wo einst Holzkohlenhändler ihre Waren feilboten und heute Mieten bis zu 360 Euro pro Quadratmeter verlangt und bezahlt werden, boomt das Geschäft mit edlen Marken. Die Koreanerin Myung Il Song etwa präsentiert der heimischen Modewelt am Samstag ihren 500 Quadratmeter großen Markentempel auf der Wiener Praterstraße 11–13.
Auch am Wiener Graben tut sich viel: Gerry Weber, einer der erfolgreichsten deutschen Modeunternehmer, tüftelt dort gerade am Erscheinungsbild seiner ersten Filiale; nicht unweit davon hat in der Vorwoche Europas größter Designer-Kindermodenstore „Jennings-Kids“ im Kaufhaus Steffl aufgesperrt, wo es Luxusbrands ausschließlich für Kinder gibt.

„Wien ist im Zuge der EU-Osterweiterung zur internationalen Drehscheibe im donau-europäischen Raum geworden und daher auch für Luxuskonzerne sehr attraktiv“, so Luxusretailer Florian Jonak, Franchisenehmer des neuen Dolce-&-Gabbana-Stores. Dass der Bedarf an Luxus nach wie vor hoch ist, steht auch für Wolf-
gang Bierlein, Österreich-Chef des US-Schmuckkonzerns Tiffany & Co, außer Frage: „Menschen lieben und wollen Luxus. Die Luxusgüterindustrie ist sogar relativ konjunkturunabhängig.“ Denn betuchte Kunden gebe es auch in wirtschaftlich schweren Zeiten.

Egal, ob Ledertaschen von Louis Vuitton , Nobeluhren der Marke Rolex oder Versace-Kreationen: Luxusgüter haben weltweit Konjunktur. Nach 9/11 und der Sars-Epidemie wächst die Branche wieder in rasantem Tempo. Die Zuwächse lagen im Vorjahr bei zehn Prozent und mehr, also deutlich über den acht Prozent der legendären Boomjahre 1999 und 2000.

Für die Rekordgewinne der Branche sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Seit Ende der 90er Jahre hat sich die Luxusgüterindustrie zusehends konsolidiert, internationale Toplabels haben sich zu Konglomeraten zusammengeschlossen, um Marktpotenziale auszuschöpfen und Synergien in der Wertschöpfungskette zu heben. Davon profitiert vor allem die mit einem Umsatz von 13,9 Milliarden Euro weltgrößte Luxusgütergruppe Louis Vuitton Moët Hennessy (siehe Grafik) mit ihren Mode-, Champagner- und Kognakmarken. Auch Modekonzerne à la Richemont und Bulgari schreiben Rekordergebnisse.

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