Der Stiefelkönig

Die Italiener wählen und ziehen Bilanz über fünf Jahre Berlusconi. Wirtschaftlich ist Italien Schlusslicht im Euroraum, Berlusconi reicher als zuvor.

Es gab Zeiten, da scheute er keinen Vergleich, hielt sich für etwas Großes, ja Übermenschliches. Vor fünf Jahren zum Beispiel, nach seinem Sieg bei den Parlamentswahlen im Mai 2001, unterschrieb er vor laufenden Fernsehkameras den „Vertrag mit den Italienern“, in dem er seine ehrgeizigen Reformziele für Italien schriftlich verankerte. Oder er begegnete einem Fan des Fußballklubs AC Mailand, der bis heute an den Rollstuhl gefesselt ist, mit den Worten „Steh auf und geh!“ Silvio Berlusconi, das Verkaufsgenie, das heuer siebzig Jahre alt wird, vermarktete sich – auch mithilfe eines einzigartigen Medienimperiums – wie kein anderer Politiker in Europa. Berlusconi selbst als sein wertvollstes Produkt. Aber das war einmal.

Berlusconi ist nervös geworden. Die Gründe liegen in den nicht gehaltenen Versprechen und der Rolle Italiens als „kranker Mann Europas“, wie der britische „Economist“ schon im Mai 2005 diagnostizierte. Der „Vertrag mit den Italienern“ wurde größtenteils nicht erfüllt, Italiens Budgetdefizit wächst seit 2002 rasant an und übersprang 2005 zum dritten Mal in Folge die 3-Prozent-Grenze. Die Staatsschulden laufen aus dem Ruder, das Wirtschaftswachstum liegt bei null.

Internationale Ökonomen befürchten gar den Rauswurf Italiens aus der Eurozone und den G-7-Staaten. Zwei Wochen vor den Parlamentswahlen am 9. und 10. April ist das keine Vertrauen erweckende Leistungsbilanz, die Berlusconis Mitte-rechts-Regierung vorlegen kann. Das hinterlässt auch beim Medienstar Spuren. Berlusconi tourt anno 2006 nicht mehr als Wunderheiler durchs Land, sondern provoziert die Wähler mit Aussagen wie „Macht es wie ich, verdient mehr!“ oder „Wir sind das Land mit den meisten Mobilfunkgeräten in der EU – von Krise ist keine Rede“.

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