„Der Krieg war irrational“

Rudolf Humer bricht sein Schweigen: Der Ex-Palmers-Boss über den Verkauf der Textil AG und die Schlammschlacht beim Wäschemulti.

Format: Herr Humer, die Palmers Textil AG ist verkauft. Sind Sie zufrieden?
Humer: Sehr, auch deshalb, weil ich zu diesem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine hohe emotionale Bindung habe. Palmers hat jetzt wieder erfreuliche Zukunftsperspektiven.
Format: Gerüchten zufolge sollen Sie als ehemaliger Palmers-Chef nun privat an der Textil AG beteiligt sein.
Humer: Die neuen Eigentümer sind Lead Equities und Quadriga Capital. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Format: Bei Ausbruch der Palmers-Turbulenzen haben Sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Was bewegt Sie, jetzt wieder zu sprechen?
Humer: Es wird so vieles falsch dargestellt. Vor allem ärgern mich Aussagen, wonach die Übernahme der Gerngross-Gruppe vom Konsum 1997 ein Verlustgeschäft war, das letztlich die Zwistigkeiten in der Familie Palmers ausgelöst hat.
Format: Das stimmt nicht?
Humer: In Wahrheit war es ein Win-Win-Geschäft für alle Beteiligten. Wir haben für Gerngross 1997 fünfzig Millionen Schilling bezahlt und zwei Milliarden Schilling Schulden sowie 1.800 Mitarbeiter übernommen. Inzwischen sind die Standorte Tirol, Linz und der G 7 (Wien, Mariahilfer Straße, Anm.) verkauft. Von den Schulden sind weniger als dreißig Millionen Euro geblieben.
Format: Die welchem Wert gegenüberstehen?
Humer: Uns liegen drei Gutachten von Wirtschaftstreuhändern vor, denen zufolge wir für die verbliebenen Standorte (das an Peek & Cloppenburg vermietete Kaufhaus Herzmansky und der Steffl, Anm.) nach Abzug dieser Schulden mindestens 70 Millionen Euro erlösen würden. Wir hätten unseren Einsatz damit verfünfundzwanzigfacht, und das in bloß sieben Jahren. Ganz abgesehen davon, dass in den übernommenen Standorten inzwischen 4.500 Mitarbeiter beschäftigt sind, bei Mietern und sonstigen Partnern.
Format: In der Gerngross-Bilanz 2002 war das Eigenkapital negativ.
Humer: Wegen des Buchwerts der Immobilien, der weit unter dem Verkehrswert liegt. Der Herzmansky steht dort mit elf Millionen Euro, während dafür 60 bis 65 Millionen zu erlösen sind.
Format: Sieht die Palmers-Familie das auch so positiv?
Humer: Wenn auf einem Liegenschaftsbesitz von, sagen wir einmal, rund vier Milliarden Schilling wie zuletzt 2,4 Milliarden an Verbindlichkeiten liegen, bedeutet das noch immer 45 Prozent Eigenkapitalquote. Das schafft niemand, nicht einmal die Immofinanz. Gerngross war deshalb nie ein Grund, nervös zu werden.
Format: Nach Ausbruch der internen Fehden hieß es, Sie selbst würden Gerngross als Gegenwert für Ihre Palmers-Anteile übernehmen, hätten es sogar schon getan.
Humer: Das schreiben die Zeitungen bis heute. Doch das ist schlicht und einfach falsch. Ich habe Gerngross nicht übernommen und werde es auch nicht tun, weil wir auf der anderen Seite einen viel bunteren Mix von rund hundert Immobilien mit Althäusern, Innenstadthäusern und Geschäftsstraßenhäusern haben – mit sehr viel Phantasie, Ertrag und Nachhaltigkeit. Ich plädiere dafür, im Zuge der Aufteilung von Palmers, die ja nicht aufzuhalten ist, auch das Herzmansky und das Steffl zu verwerten. Die zweite Option wäre, Gerngross in das direkte Vermögen der Palmers AG zu übernehmen. Das prüfen derzeit die Steuerberater. Wir werden sicher den richtigen Weg finden. Die Emotionen sind ja durch den Verkauf der Textil AG so weit beruhigt.

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