Der Ferrari-Boom

Dank der Siege in der Formel 1 verkauft Ferrari heuer mehr Autos als je zuvor. Auch in Österreich bricht das Geriss um die Autos aus Maranello alle Rekorde.

In Maranello dominieren die Roten. Regelmäßig singen in den Gassen der 15.000 Einwohner zählenden italienischen Kleinstadt nahe Modena die Zwölfzylindermotoren von Ferrari. Im Restaurant Cavallino lächeln Ferrari-Pilot Michael Schumacher und Exfahrer Niki Lauda von lebensgroßen Fotos herab. Die Trafiken verkaufen Farbstifte und Wimpel mit dem Ferrari-Logo, einem schwarzen Hengst auf gelbem Grund.

Das große Geschäft mit den Devotionalien der Kultmarke macht in Maranello der im Eigentum der Fiat-Tochter Ferrari befindliche Flagship-Store in der Via Abetone Inferiore. Dort gibt es Ferrari-Füller um 7.000 Euro und ferrarirote Laptops um 2.100 Euro. Verkäuferin Natalia Maccari hat jüngst Verstärkung hinter dem Ladentisch bekommen: „Seit Michael Schumacher dauernd gewinnt, läuft das Geschäft toll.“

Erfolgreichstes Jahr der Firmengeschichte. Im Windschatten des Weltmeisters schnurrt das Unternehmen Ferrari derzeit auch im Kerngeschäft mit den Sportwagen auf Hochtouren: 4.500 Autos werden heuer an Ferraristi ausgeliefert, sogar mehr als während der vom Tod des Firmengründers Enzo Ferrari ausgelösten Ferrari-Hysterie Ende der achtziger Jahre.

Statt der Motoren der Rennwagen explodiert der Umsatz: 1,2 Milliarden Euro waren es 2003. Im ersten Quartal 2004 verzeichnete Ferrari-Boss Jean Todt 18 Prozent Steigerung. Todt: „Wir erleben wirtschaftlich wie sportlich das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte“.

Der kleingewachsene Franzose Todt, als „Napoleon der Formel 1“ seit elf Jahren Ferrari-Rennchef, hat erst jüngst die Firmenleitung vom zum Fiat-Boss anvancierten bisherigen „Mr. Ferrari“, Avvocato Luca Cordero di Montezemolo, übernommen. Nachdem Todt die damals marode Renn-Division zur stärksten Formel-1-Kraft aller Zeiten gemacht hat, kümmert er sich jetzt auch um die Siegesfahrt der Straßenflitzer.
Mit neuen, mehr als sechzig Millionen Euro teuren Anlagen will Todt die Motoren-Fertigungskapazität für Ferrari und die unter demselben Dach befindliche Marke Maserati (Verkauf 2003: 3.300 Stück) auf insgesamt 14.000 Stück steigern.

Vor allem in den neuen Märkten Osteuropas und der asiatischen und südamerikanischen Schwellenländer expandiert Todt – auch mit dem Vertrieb von Merchandising-Artikeln wie Elektronik, Lederwaren und Textilien mit Ferrari-Emblem.
Günter Sieber, Chef des österreichischen Ferrari-Generalimporteurs Denzel, wehrt sich gegen eine allzu enge Verknüpfung des Autoabsatzes mit dem Formel-1-Erfolg: „Unsere Klientel kauft in sportlich schlechten Zeiten genauso wie in guten“, baut er für eine allfällige Pechsträhne Schumachers vor. Doch auch Sieber konstatiert: „International war die Aufmerksamkeit für die Marke Ferrari nie so groß wie jetzt.“

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PLUS: Interview mit Jean Todt: Aufstieg vom Rennleiter zum Ferrari-Chef.

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