Der neue Air-Geiz: Revolution beim Fliegen

Der Kanzler höchstpersönlich meldete sich am vergangenen Dienstag kurz nach Mittag bei AUA-Chef Vagn Sørensen – der sein Gespräch mit FORMAT sofort unterbrach. Tags zuvor geäußerte Befürchtungen des Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Nettig und von Tourismusexperten, die Austrian könnte eine Bruchlandung hinlegen, hatten Wolfgang Schüssel offenbar aufgeschreckt.

„Der Bundeskanzler kümmert sich um uns“, sagt Sørensen, „er weiß, dass wir rasch sanieren müssen, weil das Unternehmen sonst gefährdet ist. Und es ist ihm sehr wichtig, dass eine eigenständige AUA bestehen bleibt.“
Die Kanzlersorge um die nationale Airline hat handfeste Gründe. Am 16. November endet das Stillhalteabkommen zwischen dem Vorstand der AUA und ihren Piloten. Liegt dann kein Kompromiss im Gehälterstreit auf dem Tisch, droht ein weiterer Streik. Derweil fliegen die Billigcarrier der Austrian-Gruppe immer frecher um die Ohren.

Newcomer in den Startlöchern. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein neuer Low-Cost-Carrier in Österreich startet. Niki Lauda, der den heimischen Aero-Lloyd-Ableger vor wenigen Tagen übernahm, fliegt ab 28. November nach Ägypten, Madeira und auf die Kanaren. Zum Monatsende kann man unter flyniki.com im Internet buchen, „exklusiv bei Neckermann ab sofort“ (Lauda).

Die V-Bird des Niederländers Roberto Stinga karrt seit Anfang November Passagiere von Wien nach Deutschland, Neueinsteiger duo bedient Wien–Birmingham.

Die nächsten Anbieter scharren in den Löchern. Ab Jänner kündigt Helvetica eine Verbindung Wien–Brüssel an. „Fly Fair“ hebt dann von Graz nach Rom, Mailand und Florenz ab. Die LTU, die Airline des deutschen Handelsriesen Rewe, beginnt im Mai 2004 mit einer eigenen Österreich-Tochter. Rewe-General Hans Reischl: „Wir werden vor allem klassische Mittelmeerziele anfliegen und peilen im ersten Jahr rund 100.000 Fluggäste an.“

Die dramatische Revolution im Flugverkehr. Im europäischen Flugverkehr hat sich in weniger als zwei Jahren eine totale Revolution vollzogen, deren Dramatik niemand vorhergesehen hat. Es ist ein Kampf entbrannt wie nach der Liberalisierung des Telefonfestnetzes: neue Billigairlines schießen wie Pilze aus dem Boden, und der Tarifdschungel mit Dutzenden Preisen ist kaum noch zu durchschauen – was nichts an der Tatsache ändert, dass der neue Air-Geiz die Ticketpreise massiv gedrückt hat. „Das ganze System der früheren Monopolisten ist ins Wanken geraten“, erklärt Niki Lauda. „Bald wird niemand mehr über 200 Euro für Flüge innerhalb Europas zahlen.“

Den ganzen Artikel lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS:
Billigflieger in Österreich
Reality-Check: Wie niedrig sind die Flugpreise wirklich?
Billiges Erfolgsmodell
Billigflieger holen auf: Passagiere im Halbjahr ’03
AUA-Gehälterstreit: Noch keine Lösung

Recht

„Durch die neue Gewerbeordnung droht eine Klagswelle“

Wirtschaft

Die Samsung-Affäre steht vor dem Finale

Start-ups

Start-ups: Die 4 besten Tipps für den Weg in die Selbstständigkeit