Das Leben nach der Flut

Die katastrophalen Folgen der Sintflut gefährden nun die Wintersaison am Arlberg. Ein FORMAT-Lokalaugenschein in den Schuttbergen von Lech – über Verzweiflung und Perspektiven der schwer getroffenen Hoteliers.

Der Lecher Promi-Hotelier Clemens Walch blickt auf die Reste seines Viersterne-hotels Gotthard. Dann sagt er leise, er müsse sich wohl bald nach einem neuen Job als Skilehrer oder Bäcker umsehen – um seine Zukunft als Hotelier sei es schlecht be-stellt. Walchs Sarkasmus ist verständlich. Denn er steht vor den Trümmern seines Lebenswerks.
Der 46-Jährige schließt einige Sekunden lang die Augen und erinnert sich an jene Tage, die sein Leben so nachhaltig verändert haben. „Es war ein unbeschreibliches Szenario“, so der Wirt sichtlich bewegt, „der ganze Bach raste auf uns zu.“ Nach Reden ist ihm nicht zumute, denn das Gotthard, wo bis vor kurzem betuchte Urlauber noch genüsslich Cocktails schlürfend so manchen ausgelassenen Abend verbrachten, liegt nun unter einem tonnenschweren Haufen aus Schutt und Schlamm begraben.
Eine Ironie des Schicksals, zumal Walch erst wenige Tage vor den sintflutartigen Regenfällen vom 22. und 23. August eine funkelnagelneue Wellnessanlage eröffnete, in die er mehr als vier Millionen Euro gesteckt hatte: Der letzte Wasserhahn war gerade frisch montiert, da wurde die Anlage auch schon wieder dem Erdboden gleichgemacht. Stöhnt Walch: „Vier Millionen für nix.“
Einen ähnlich hohen Betrag müsste er nun auf den Tisch legen, um das Hotel wieder auf Vordermann zu bringen. Aber wie? Denn Walchs Versicherung wird nicht mehr als 73.000 Euro bezahlen, und auch sonst ist „kein Geld da“ (Walch) – ein Problem, das er mit den übrigen Hochwasseropfern teilt: 16 der 248 Lecher Betriebe sind von der Unwetterkatastrophe betroffen. Am stärksten beschädigt sind neben dem Gotthard die Pensionen Wallis und Roggal, ebenfalls Betriebe des bekannten Vorarlberger Hotelier-Clans Walch.

Während Touristiker unentwegt betonen, die Lage habe sich entspannt, und die Gäste würden der Alpenrepublik sicherlich auch diesen Winter die Treue halten, stellen sich die vom Hochwasser betroffenen Hoteliers die bange Frage, ob sie den Skiurlaubern ihre Dienste überhaupt wieder anbieten können. Denn angesichts der Unwahrscheinlichkeit solcher Katastrophen in Berggegenden wurden keine Versicherungen gegen Hochwasser abgeschlossen. Fazit: Gibt es keine kräftige Finanzspritze von Versicherungen, Banken, Ländern und Bund, stehen die Betroffenen vor dem Aus.
„Von der Versicherung werde ich jedenfalls keinen Groschen bekommen. Die Pflichtschutzversicherung allein bringt meistens nichts, und in 1.500 Meter Höhe ist eben niemand gegen Hochwasser versichert“, klagt Wallis-Chefin Kriemhild Walch. Und auch Roggal-Wirt Markus Walch findet, die Entschädigungssummen der Versicherungen seien, so überhaupt vorhanden, „ein schlechter Scherz“. Er selbst erhält etwa nur 3.600 Euro Schadenersatz.

Silvia Jelincic
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