Das Geld der Kirche: FORMAT zeigt, wie die Kirche mit ihren Milliarden wirtschaftet

Sechs Wochen noch. Dann ist die Karriere von Kurt Krenn wohl zu Ende. Bis Anfang September, so der Zeitplan, soll die Visitation in der Diözese St. Pölten abgeschlossen sein. Dass der umstrittene Bischof seinen Posten behält, gilt kirchenintern als so gut wie ausgeschlossen. Bis dahin, so Krenn, gehe er ganz normal seinen Amtsgeschäften nach: „Ich bin nicht entmachtet, ich darf alles.“ Wenig später erhielt Krenn einen päpstlichen Maulkorb verpasst.

Das Treiben von Kurt Krenn lässt die Direktoren der kirchlichen Finanzkammern von Feldkirch bis Eisenstadt zornig werden. Denn mit jeder Amtshandlung, mit jedem Interview und vor allem mit jedem Fernsehauftritt des Bischofs erhöht sich schlagartig die Zahl der Austrittswilligen. Laut einer market-Umfrage im Auftrag des ORF denkt dank der Affäre in St. Pölten mittlerweile jeder zehnte Katholik über einen Kirchenaustritt nach.

Wie viel die Affäre Krenn die Kirche kosten wird, kann derzeit noch niemand genau abschätzen. Bis Jahresende werden laut Hochrechnungen wohl rund 40.000 zahlende Kunden tatsächlich die Mitgliedschaft bei der Kirche aufkündigen – nicht zuletzt wegen Krenn. Bei einem durchschnittlichen Kirchenbeitrag von 75 Euro bedeutet das einen Jahresverlust von rund drei Millionen Euro fürs Budget 2005 – immerhin fast ein Prozent der gesamten veranschlagten Beitragseinnahmen. Es wird also durchaus weh tun.

Dabei ist die Kirche alles andere als arm. Über die Jahrhunderte hat sie unermesslichen – und vor allem materiell unschätzbaren – Besitz angehäuft: Neben den Kirchen und Kunstschätzen befinden sich über 200.000 Hektar Grund und Boden, Jagden, unzählige Zinshäuser, Brauereien, Tankstellen und sogar eine Bank im Anlagevermögen der österreichischen Kirche – aufgeteilt auf die neun Diözesen und die von der Amtskirche finanziell völlig autonom organisierten 140 Orden und deren 1.200 Klöster.

Das Problem dabei: Der Großteil der Besitztümer lässt sich nicht zu Geld machen. Ein ehernes Gesetz der Kirche schließt den Verkauf von Kunstschätzen von vornherein aus, die meisten Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Und der Verkauf von Kirchen – der in den USA durchaus üblich ist – gilt in Österreich als undenkbar.

Immerhin: Allein die neun Diözesen kassieren aus Pacht, Miete, Wertpapiererträgen und Grundverkäufen zwischen 30 und 40 Millionen Euro pro Jahr. Etwa genauso viel überweist der Staat als Wiedergutmachung für während der NS-Zeit eingezogenes Kirchengut. Der Großteil der Einnahmen, rund 350 Millionen Euro, kommt aus den Kirchenbeiträgen. Das ergibt ein Jahresbudget für die Amtskirche von insgesamt 410 Millionen Euro. Damit machen die neun Diözesen zusammen etwas mehr Umsatz als der Kranhersteller Palfinger.

Gewinne fahren die Bischöfe in ihren Diözesen dennoch nicht ein, schließlich ist Kirche per Definition nicht gewinnorientiert – und die 5,8 Millionen Katholiken im Land müssen schließlich bei Laune gehalten werden.

250 Millionen Euro gehen für Personalkosten der 3.500 Priester und 3.600 Laien drauf, über 50 Millionen fließen in die Renovierung und Erhaltung der Gebäude und Kirchen. Gut hundert Millionen lassen die Diözesen für Sozialeinrichtungen, Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Verwaltung und die Priesterausbildung springen.

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