Bush 2: Die US-Wirtschaft hat den Mann bekommen, den sie sich gewünscht hat

Die ersten Wahllokale waren noch nicht einmal geschlossen, da hatte die amerikanische Wahl bereits erste Auswirkungen gezeigt. Gegen 15 Uhr New Yorker Zeit waren im Internet Gerüchte aufgetaucht, der demokratische Herausforderer John F. Kerry würde die US-Präsidentenwahl haushoch gewinnen.

Niemand konnte diese Geschichte verifizieren, und wie sich später herausstellen sollte, war sie falsch – doch die Wall Street reagierte trotzdem sofort. Der Dow-Jones-Index gab im späten Handel leicht nach, er verlor um 18,66 Zähler und sank auf 10.035 Punkte.

Nein, die Wall Street hätte keine Freude mit Kerry gehabt – vor allem Rüstungstitel und Firmen aus der Pharmabranche hätten unter dem Demokraten starke Einbußen erlitten, weil er die Militärbudgets gekürzt und das Gesundheitssystem umgebaut hätte.

Doch dazu wird es nicht kommen. Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten heißt so wie der 43.: George Walker Bush. Er wird am 20. Jänner vor dem Capitol angelobt werden. Die Welt, die Amerikaner und auch die Märkte bekommen also das, was sie schon kennen: George Bush. Für vier weitere Jahre.

Es bleibt also alles so, wie es ist: Die einzige Supermacht der Erde wird weiterhin von einem Konservativen regiert, der finanzpolitisch auf stärkere Eigenverantwortung und einen Rückzug des Staats setzt. Außenpolitisch werden die USA weiterhin einen rigid eigenständigen Kurs ohne besondere Rücksichtnahme auf die Vereinten Nationen führen und sich dabei dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus verschreiben. Was das für den Iran und Nordkorea – in Bushs Diktion „Mitglieder der Achse des Bösen“ – bedeutet, bleibt abzuwarten.

Doch was wird Bush für die Wirtschaft insgesamt zustande bringen? Fest steht, dass die internationalen Börsen auf Bushs Wahlsieg mit Erleichterung und kleineren Kursgewinnen reagierten. Andererseits stieg der Ölpreis weltweit sofort an, in New York sogar über die magische 50-Dollar-Marke pro Barrel. Analysten gehen davon aus, dass er bald wieder sein Rekordniveau von 55 Dollar erreichen wird. Denn Bush hatte schon vor seiner Wahl klar gemacht, dass er das amerikanische Engagement im Irak nicht sobald beenden werde. Er will bleiben, „bis das Land demokratisch stabil ist“ – das kann dauern und lässt den Ölpreis steigen.

Daneben gibt es eine Reihe von Branchen, die insgesamt vom Wahlsieg Bushs profitieren dürften. Zuvorderst die Rüstungsindustrie: Bush will den Verteidigungshaushalt um 4,2 Prozent erhöhen und auch die Idee eines nationalen Raketenabwehrschilds weiterentwickeln, was zwangsläufig zu neuen Aufträgen für Lockheed Martin, Boeing und andere Konzerne führen wird.

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