AUA-Krise: Kampf bis zur Pleite?

Und was hat den Rest davon abgehalten zu kommen? Müdigkeit? Bequemlichkeit? Kuscheln mit dem Freund? Desinteresse? Uninformiertheit? Blond?“ – Werden die Zeiten härter, wird der Ton untergriffiger.

Und der ungebremste Furor der Flugkapitäne, der sich da in einer internen Rund-Mail des Bordbetriebsrats entlädt, trifft plötzlich nicht mehr allein die steifen Herren vom Vorstand, sondern in einem Aufwaschen auch gleich die adretten Damen der Flugbegleitung.

Grund: Gerade einmal zwölf Prozent aller Stewardessen waren gekommen, als die obersten Arbeitskämpfer der AUA am 7. Oktober, fünf Tage vor dem ersten großen Streik, zur Betriebsversammlung luden. Auch ein Gutteil der Pilotenschaft ließ sich vergeblich bitten, nur bescheidene 42 Prozent waren angerückt – worauf die erbosten Gewerkschafter in ihrer virtuellen Standpauke für die Fernbleibenden noch einmal in aller Deutlichkeit klarstellten: „Wir Flugbegleiter und Piloten sind die Macht in dieser Firma.“

Zwei ausgedehnte Streiks und Dutzende hektisch verschobene, über Nacht gecancelte oder notdürftig an Charter-Airlines und Mietmaschinen ausgelagerte Flüge später sagt Rudolf Novak, als Bord-Betriebsratschef Anführer des Austrian-Arbeitsstopps, zu FORMAT: „Der Vorstand und wir, das sind zwei Autos, die ungebremst aufeinander zurasen.“

Ein Crashszenario mit bester Aussicht auf Totalschaden: Streiken die Kapitäne ihre eigene Luftflotte in die Pleite? „Die Bestverdiener gefährden die Existenz Tausender Mitarbeiter“, hält selbst Rainer Wieltsch, sonst stets betont zurückhaltend auftretender Aufsichtsratspräsident der AUA, mit seinen Sorgen nicht mehr länger hinterm Berg.

Worum es beim Streit wirklich geht. Die AUA-Piloten kämpfen um die Zementierung ihrer teils paradiesischen Privilegien: monatliche Flugzeit 77 Stunden, Monatsge-hälter von über 12.500 Euro, nach zehn Jahren ein Abfertigungsanspruch von 30 Monatsgehältern, Pensionsantrittsalter 60 – mit 8.000 Euro Ruhebezug.

Und dazu ein wohldosiertes Arbeitspensum. Der Einsatzplan eines typischen Austrian-Kapitäns für Langstreckenflüge (siehe Grafik unten): Mit vier Destinationen hin und retour pro Monat, das sind acht Arbeitstage, erfüllt er sein Plansoll. Dazwischen liegt genug Zeit, die Jetlags zu überwinden: sechs freie Tage an den Bestimmungsorten, 14 freie Tage in der Heimat und drei Tage Bereitschaftsdienst zuhause.

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PLUS: Interview: „Die AUA wird in zwei, drei Jahren privatisiert“ AUA-Aufsichtsratschef Rainer Wieltsch über die Zukunft der Airline.
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PLUS: Interview: „Zwei Autos, die ungebremst aufeinander zurasen“ Betriebsrat Rudolf Nowak rechtfertigt die Streiks.

Im März 2017, kurz nach seinem 67. Geburtstag, wird Karl Sevelda den Vorstandsvorsitz bei der RBI zurücklegen, die er in den letzten vier Jahren erfolgreich schrumpfte. Er war sein ganzes Berufsleben lang Banker bei CA und Raiffeisen, unterbrochen von einem Ausflug zu FPÖ-Vizekanzler Norbert Steger (1983-85).

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