Absturz vor dem Start?

Der deutsche Rechnungshof-Bericht zum Eurofighter ist weitaus brisanter als bislang bekannt: Er fordert, die Produktion des Jets zu stoppen.

Vernichtend: Ein anderes Fazit ist aus dem, was die Prüfer des deutschen Bundesrechnungshofes (BRH) über den Eurofighter zusammengetragen haben, nicht zu ziehen.

Auf 67 Seiten analysieren die Beamten das Entwicklungsprogramm des Militärjets, der ab 2005 den ausgedienten Draken des Österreichischen Bundesheeres ersetzen soll.

FORMAT vorliegenden Auszügen aus dem mit 8. August 2003 datierten Papier (Geschäftszahl BRH-IV 6-2003-0639) zufolge stellen die deutschen Rechnungsprüfer das gesamte Projekt grundsätzlich infrage – und wollen eine Reihe drastischer Maßnahmen gegen Hersteller EADS einleiten, deren Erfüllung den Vertrag der Republik Österreich mit dem Eurofighter-Konsortium platzen lassen könnte.
Unter Punkt „0.10 – Empfehlungen“ sprechen sie sich sogar vehement dafür aus, die Produktionsorder für den Jet erst einmal zu stoppen: Dort wird nämlich die „Verschiebung der Auftragsvergabe des zweiten Fertigungsloses bis zum Nachweis der vollen Leistungsfähigkeit“ angeregt.

Eine Forderung, deren Erfüllung für das Bundesheer fatal wäre. Denn just aus dem zweiten „Fertigungslos“ sollen ab 2007 jene 18 Eurofighter kommen, die das Verteidigungsministerium bei EADS bestellt hat.

Nur wenig ist bislang aus dem Papier an die Öffentlichkeit gelangt – im Wesentlichen eine zwei Seiten umfassende Liste von Flugbeschränkungen, die dem Eurofighter von der deutschen Luftwaffe auferlegt wurden. Nach einem Bericht des „Spiegel“ darf er etwa bei Temperaturen unter fünf Grad nicht starten, die Bordkanone nicht benützen und nicht höher als 12.000 Meter fliegen.

Aber das sind erst einmal bloß militärische Sicherheitsvorkehrungen im anlaufenden Betrieb eines neuen, hochkomplexen Fluggeräts – und Kinkerlitzchen gegen die fundamentalen Kritikpunkte des Rechnungshof-Berichts.

  • „Wir kommen insgesamt erneut zu der Bewertung, dass der Zustand des Eurofighter-Programms besorgniserregend ist“, hält das von zwei Prüfern unterzeichnete Papier unter Punkt „0.9 – Zusammenfassende Bewertung“ fest: „Wir sehen uns hierin durch die Luftwaffe bestätigt, die den Programmstand als ,hochgradig kritisch und risikoreich‘ einschätzt.“
  • „Die unzulänglichen Leistungen des neuen Kampfflugzeuges, der Programmverzug und die industriellen Fehlleistungen gefährden die Einsatzplanung der Luftwaffe.“
  • „Die Entwicklungs-, Beschaffungs- und Kampfwertsteigerungskosten (…) steigen überdies in kaum noch vorhersehbarem Maße.“

Mit einem Wort: Es ist nicht abzuschätzen, wie teuer der Eurofighter seine Betreiber in den nächsten Jahren tatsächlich kommt – und damit auch den Staat Österreich.

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