10 Jahre EU: Der große Preisvergleich

Trotz billiger Butter sind die Preise für Lebensmittel in den letzten zehn Jahren leicht gestiegen. Echte Preistreiber sind Dienstleistungen und der Staat.

Der Jänner 1995 begann nicht nur mit Festreden zum österreichischen EU-Beitritt, sondern ganz handfest mit dem Ansturm auf billiges Schlagobers. Schließlich wollten viele rasch beginnen, in den Genuss des von der damaligen EU-Staatssekretärin Brigitte Ederer versprochenen Schilling-Tausenders an persönlichem Einsparungspotenzial zu kommen. Inzwischen sind zehn Jahre ins Land gegangen. Zeit also, Bilanz zu ziehen, wie sich die Preise wirklich entwickelt haben.

Die Freunde des Schlagobers gehören jedenfalls eindeutig zu den EU-Profiteuren. Laut Statistik Austria ist der Durchschnittspreis eines Bechers von 1,36 Euro im Jahr 1994, dem letzten Jahr vor der EU, auf 0,75 Euro im Jahr 2004 gesunken. Das ergibt eine Ersparnis von 45 Prozent. Noch extremer fiel der Preisrutsch bei Gurken, Zucchini und Paprika mit bis zu 83 Prozent Minus aus.

Nahrungsmittel 11,4 Prozent teurer. Semmeln und Brot sind dagegen heuer rund ein Drittel teurer – und das trotz der EU-bedingt kräftig gefallenen Mehlpreise. Insgesamt wurden Nahrungsmittel des amtlichen Warenkorbs um 11,4 Prozent teurer. Zum Vergleich: Insgesamt summierte sich die Inflation in den letzten zehn Jahren auf 18,5 Prozent. Die Preissteigerungen im Supermarkt sind also deutlich schwächer ausgefallen als im Gesamtschnitt. Dezidierte Milch-Fans kommen sogar um etwa 20 Prozent billiger davon, wie der Probeeinkauf der Wirtschaftskammer Wien bei zwei Supermarktketten ergab. Die Gesamtersparnis am Milchregal summierte sich dabei auf rund einen Euro – nach 72 derartigen Einkäufen ist also der volle Ederer-Schilling-Tausender erreicht.

Geiz ist – notgedrungen – geil. Die von der Statistik Austria erhobenen Preise geraten auch wegen einer allgemeinen Umstellung der Sortimente unter Druck. Paul Haschka, oberster Preisstatistiker: „Es gibt zunehmend Billigmarken im Regal, die in unseren Erhebungen der Durchschnittspreise berücksichtigt werden.“

Eine der Ursachen für diese Dynamik ist die stagnierende Einkommensentwicklung. So ist das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen in den letzten zehn Jahren gerade einmal um 18,9 Prozent auf 2.310 Euro gestiegen, also praktisch gleich schnell wie die Inflation. Durch die schleichende Steuerprogression und die Zunahme der Teilzeitarbeitskräfte ist die Kaufkraft der Nettogehälter sogar vier Prozent geringer als vor dem EU-Beitritt.

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