US-Notenbank Fed vor Zinserhöhung - 6 zentrale Fragen

US-Notenbank Fed vor Zinserhöhung - 6 zentrale Fragen

US-Notenbankchefin Janet Yellen wird heute tätig und den Leitzins erhöhen - zwei weitere Zinserhöhungen werden bereits für das Jahr 2017 erwartet.

Wer Donald Trump im Wahlkampf zuhörte und auch heute noch zuhört, mag den Eindruck bekommen haben, der wirtschaftliche Zustand der Vereinigten Staaten sei desaströs. Das Gegenteil ist der Fall. Die größte Volkswirtschaft der Welt läuft weitgehend rund, die Arbeitslosigkeit ist mit einer Quote von 4,6 Prozent im Griff, die Inflation zieht wieder an. Die US-Notenbank Fed wird genau deshalb heute den Leitzins leicht anheben.

Washington. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) wird am Mittwochabend (22 Uhr MEZ) mit größter Wahrscheinlichkeit den Leitzins leicht erhöhen. Seit der Finanzkrise 2009 wäre dies somit die zweite Zinserhöhung. Es wird damit gerechnet, dass der Leitzins von 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte angehoben wird. Doch damit nicht genug: Die Fed-Chefin Jante Yellin wird den Zinsschritt begründen und vor allem auch Angaben zu weiteren möglichen Zinsschritten im Jahr 2017 machen

Der Offenmarkt-Ausschuss der US-Notenbank Fed - bestehend aus insgesamt zwölf Mitgliedern - tritt heuer zum achten Mal zusammen. Es ist aber das erste Mal nach der Wahl von Donald Trump. Die erwartete Zinserhöhung hat aber nichts mit der mit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten zu tun. Die Fed agiert einerseits als unabhängige Institution. Und andererseits wurde von einem möglichen Zinsanstieg für die letzte Sitzung der Fed im Dezember bereits im Frühjahr gesprochen.

Doch wie geht es weiter im Land von Donald Trump? Die sechs wichtigsten Fragen zur US-Notenbankpolitik.

1. Warum ist eine Zinserhöhung überhaupt notwendig oder sinnvoll?

Wenn die Finanzmärkte mit billigem Geld überschwemmt werden, kann es zur Bildung gefährlicher Blasen kommen - etwa auf dem Immobilienmarkt. Platzen diesen Blasen, hat das zumeist katastrophale Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Das will die Notenbank verhindern. Sie muss aber auch versuchen, den richtigen Moment zu erwischen. Zieht die Inflation zu stark an, bevor die Zinsschraube weiter festgedreht wird, kann es zu spät sein. Ein zu frühes Eingreifen kann aber auch die sich erholende Wirtschaft abwürgen.

2. Hat die Zentralbank soviel Macht, dass eine kleine Stellschraube eine riesige Volkswirtschaft wie die der USA beeinflusst?

Darüber streiten sich die Experten. Jerry Jordan, früher Chef der Zentralbank des US-Bundesstaats Ohio in Cleveland, bestreitet das. Die Erhöhung des Leitzinses werde keine Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. "Sie stellt lediglich einen Transfer von Steuergeldern hin zu Banken und Großinvestoren dar", sagt Jordan. Tatsächlich bedeutet die Zinserhöhung, dass der Staat mehr Zinsen auf das Geld zahlen muss, das Anleger wie Banken oder Fonds bei ihm gelagert haben.

3. Welche Auswirkungen sind konkret zu erwarten, sollte die Federal Reserve die Zinsen anheben?

Der ohnehin schon starke Dollar könnte noch stärker werden - etwa im Vergleich zum Euro oder zum japanischen Yen. Das verteuert das Einkaufen in den USA. Das gilt sowohl für private Weihnachtstouristen in New York oder Urlauber in Florida als auch für Firmen, die Produkte amerikanischer Firmen ordern - von den Flugzeugen des Herstellers Boeing bis zum Whiskey aus Kentucky. Andererseits erlaubt es den Firmen in den USA, im Ausland billiger einzukaufen, sofern die Geschäfte nicht in Dollar abgewickelt werden. Das gilt auch für Einkäufe bei deutschen Zulieferern.

4. Was bedeutet es für das Ausland?

Vor allem Entwicklungsländer, in denen Staatshaushalte und Privatunternehmen hohe Schuldenberge in US-Dollar halten, könnten Probleme bekommen. Diese Schulden werden - umgerechnet in die jeweilige Landeswährung - durch einen stärker werdenden Dollar plötzlich noch größer. Allerdings hatten diese Länder auch sehr viel Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten. Die jüngste Zinserhöhung in den USA liegt bereits ein Jahr zurück.

5. Wird Europa nachziehen?

Europa und die Europäische Zentralbank (EZB) sind noch nicht soweit. Anders als in den USA sind die Voraussetzungen - nämlich ein stabiler Arbeitsmarkt und eine anziehende Inflation - noch nicht überall in der Eurozone gegeben. Die EZB hat erst vorige Woche den Geldhahn noch einmal kräftig aufgedreht und weitere milliardenschwere Anleihekäufe angekündigt. Das bedeutet, dass die ultraniedrigen Zinsen in der Eurozone noch eine Zeit lang anhalten werden. Allerdings gab es auch aus Frankfurt erste Signale, dass ein Richtungswechsel irgendwann fällig sein wird.

6. Wird die US-Notenbank die Zinsen bald noch weiter erhöhen?

Das steht in den Sternen. Und es ist auch ein Politikum. Donald Trump hat in die neue US-Regierung eine Reihe von Großinvestoren und Investmentbankern berufen - die dürften eine starke Stimme für weitere Zinserhöhungen erheben. Die derzeitige Führung der Notenbank um Chefin Janet Yellen ist von den Demokraten Barack Obamas berufen. Die Fed ist schon wegen dieser delikaten Gemengelage derzeit äußerst vorsichtig. Experten gehen von möglicherweise zwei Zinserhöhungen im Jahr 2017 in den USA aus.

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