Schlechte Aussichten für Kapitalanleger: Zehn magere Jahre

Schlechte Aussichten für Kapitalanleger: Zehn magere Jahre

Das Schweizer Bankhaus Credit Suisse hat mit der London Business School einen historischen Vergleich gemacht: Nach sieben fetten Jahren dürfte die jährliche Rendite von zehn Prozent auf eins bis drei Prozent fallen. Eine Normalisierung der Geldpolitik sei noch nicht absehbar.

Wien/Zürich. Mit einem ernüchternden Ausblick für Anleger warten die Veranlagungsexperten der Credit Suisse und London Business School auf. So wie in den Jahren nach den großen Finanz-und Wirtschaftskrisen in den 1890er und 1930er Jahren dürften auch jetzt nach sieben fetten Jahren mit hohen Renditen wieder zehn magere Jahre folgen. Die jährlichen realen Renditen sollten von 10 auf 1 bis 3 Prozent fallen.

Veröffentlicht wurde die Studie im aktuellen "Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook 2016". Die Studienautoren haben die drei großen Krisen des Kapitalismus untersucht - die sich global ausbreitende lateinamerikanische Schuldenkrise der 1890er, die Große Depression in den 1930ern und die Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008/09. Sie analysierten dabei Datenmaterial von insgesamt 70.000 Handelstagen in 21 Ländern.

Niedrige Renditen

Auf Basis dieser Analyse kommen die Studienautoren zum Ergebnis, dass im kommenden Jahrzehnt mit niedrigen Renditen zu rechnen sei: Hat ein gemischtes Portfolio aus Anleihen und Aktien in den sieben Jahren nach 2008/2009 eine reale Rendite von rund 10 Prozent pro Jahr erzielt, so ist in den kommenden zehn Jahren für ein derartiges Portfolio nur mehr mit realen Renditen von 1 bis 3 Prozent pro Jahr zu rechnen. Für Aktien sind reale Renditen von 4 bis 6 Prozent zu erwarten, für Anleihen nur noch Renditen nahe Null.

"Die Geschichte warnt uns davor, die Wirtschaftserholung nach einer bedeutenden Finanzkrise als gegeben zu erachten. Die weitreichenden Auswirkungen fallender Preise auf die Wirtschaftsaktivität werden häufig unterschätzt", so Credit Suisse-Experte Jonathan Wilmot.

Auch eine Normalisierung der Geldpolitik könne keinesfalls als gesichert betrachtet werden. Die US-Notenbank habe zwar im Dezember 2015 nach fast einem Jahrzehnt wieder die Leitzinsen erhöht, seitdem seien die Finanzmärkte aber von Kurseinbußen und hoher Volatilität geprägt. Eine ähnliche Entwicklung sei schon in den 1930er Jahren zu beobachten gewesen. "Damals kam es zu einem Wirtschafts- und Aktienmarkteinbruch, nachdem die amerikanischen Zentralbank im August 1936 die Zinsen erhöht hatte. Die Zentralbank war daraufhin gezwungen, die Zinsen erneut zu senken", Wilmot.

Der historische Vergleich zeige weiters, dass sich die volatile Marktentwicklung seit Dezember 2015 mit der Analyse von über 200, respektive 300 Zinsänderungen in den USA und Großbritannien über das letzte Jahrhundert decke. "Zinsanstiege sind im Durchschnitt schlechte Nachrichten für Aktien und Anleihen, während Zinssenkungen generell positiv aufgenommen werden", folgern die Autoren. Diese Beobachtung gelte auch für die Preisentwicklung anderer Asset-Klassen wie Immobilien, Edelmetalle und Sammelobjekte.

Für die USA - hier gibt es die längsten Zeitreihen - beliefen sich die jährlichen realen Renditen für Aktien während der Zyklen mit steigenden Zinsen auf nur 2,5 Prozent, während der Zyklen mit fallenden Zinsen dagegen auf 10,3 Prozent, rechnen die Studienautoren vor.

Wie aus dem Yearbook 2016 weiter hervorgeht, haben sich die relativen Gewichte der globalen Aktienmärkte seit 1900 deutlich verschoben. Um 1900 waren die drei größten Aktienmärkte in Großbritannien (Anteil 25 Prozent), den USA (15 Prozent) und Deutschland (13 Prozent). 2015 lagen dagegen die USA mit über 52 Prozent mit deutlichem Abstand vor Japan mit 8,8 Prozent und Großbritannien mit 6,9 Prozent. Deutschland fiel auf 3,1 Prozent zurück.

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