Rückgang der Ölbohrungen in den USA gibt Ölpreis Auftrieb

Rückgang der Ölbohrungen in den USA gibt Ölpreis Auftrieb

Bohrtürme in North Dakota: In den Vereinigten Staaten gab es im Februar 2015 noch über 1300 Bohrtürme, im Februar 2016 sind es noch 514.

Aufwind für den Schmierstoff der Weltwirtschaft: Rohöl der Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich am Montag um bis zu 1,9 Prozent auf 33,43 Dollar je Barrel (159 Liter). Ein Grund: In den USA wird weniger nach Öl gebohrt. Einen drastischen Anstieg des Ölpreises erwartet die Internationale Energieagentur (IEA) erst 2021.

Der Ölindustrie-Dienstleister Baker Hughes hatte am Freitagabend bekanntgegeben, dass die Zahl der US-Ölbohrungen in der vergangenen Woche auf 514 gefallen sei - ein Rückgang um fünf Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Vor einem Jahr wurde das "schwarze Gold" noch an mehr als doppelt so vielen Stellen gefördert: Im Jahresvergleich schrumpfte die Zahl der Bohrtürme um 796 Bohrtürme beziehungsweise 60,8 Prozent. "Die aktuelle Zahl der aktiven Bohrlöcher impliziert im Jahres-Durchschnitt einen Rückgang der US-Produktion um 445.000 Barrel pro Tag", schrieben die Analysten von Goldman Sachs in einem Kommentar. Ihre Kollegen von Morgan Stanley warnten jedoch vor überzogenen Erwartungen. Schließlich schwächele die Nachfrage, vor allem in China.

Unabhängig von der rückläufigen US-Produktion übertrifft das weltweite Rohöl-Angebot die Nachfrage weiterhin. Alleine in den USA lagern mit 504 Millionen Barrel so viel Rohöl wie noch nie. Zum Vergleich: Am 20. Februar 2015 lagerten noch Bestände von rund 434 Millionen Barrel, also noch rund 14 Prozent weniger. Der Ölpreis hat in den letzten 20 Monaten etwa 70 Prozent an Wert verloren. Daran ändere auch die von einigen Staaten geplante Deckelung der Fördermengen nichts, betonte Amos Hochstein, Sonderbeauftragter des Außenministeriums für Energie-Angelegenheiten. Schließlich pumpten viele Länder derzeit so viel Öl aus dem Boden wie noch nie.

Mit dem Verfall des Ölpreises ging auch die Zahl der Bohrtürme in den USA zurück.

Ölmarkt erholt sich erst 2017 wieder

Deshalb rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) erst 2017 wieder mit einem stabilen Ölmarkt. Unter den derzeitigen Bedingungen sei wegen des großen Überangebots kurzfristig nicht mit einem deutlichen Preisanstieg zu rechnen. Allerdings dürften die großen Lagerbestände eine Erholung der Ölpreise bremsen. Die in den Jahren zuvor boomende US-Förderung von Öl aus Schiefergestein mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Technik werde auch noch 2016 und 2017 unter dem Druck des Preiskampfes sinken. Erst dann sei in den USA wieder ein Anstieg zu erwarten, bevor dort 2021 ein neuer Förderrekord erreicht werden dürfte.

Insgesamt wird die weltweite Öl-Produktion von 2015 bis 2021 um 4,1 Millionen Barrel (1 Fass = 159 Liter) am Tag steigen, nach einem Plus von elf Millionen von 2009 bis 2015, wie die Organisation mitteilte, die westliche Industrieländer in Energiefragen berät.

Drastischer Anstieg des Ölpreises 2021

Einen wirklichen Anstieg des Ölpreises sieht die IEA erst in fünf Jahren. Der Grund sei der beispiellose Verzicht auf Investitionen in die Fördertechnik, ausgelöst durch den derzeit sehr niedrigen Preis für Rohöl.

Die entsprechenden Ausgaben der Branche seien im Jahr 2015 um 24 Prozent gefallen und würden 2016 nun noch einmal um 16 Prozent abnehmen. Einen Investitionsrückgang in der Ölbranche in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gab es zuletzt 1986, sagte IEA-Chef Fatih Birol am Montag bei der Vorstellung des mittelfristigen Ölmarkt-Reports der Agentur im texanischen Houston.

Vor allem die Produktion in den USA lasse durch die ausbleibenden Investitionen stark nach. Von 2021 an seien die USA und der Iran dann aber wohl für den größten Anstieg der Produktion verantwortlich. So werde die iranische Ölproduktion bis 2021 um eine Million Barrel (je 159 Liter) pro Tag auf 3,9 Millionen Barrel pro Tag steigen. Viele Handelssanktionen gegen Teheran waren vor kurzem gefallen, das Land will sein Erdöl künftig wieder in alle Welt exportieren.

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