Ölpreis: Die Frage ist nicht ob, sondern wann er wieder steigt

Ölpreis: Die Frage ist nicht ob, sondern wann er wieder steigt
Ölpreis: Die Frage ist nicht ob, sondern wann er wieder steigt

In den USA wurden viele Ölförderungen aufgegeben. Das könnte den Ölpreis wieder steigen lassen.

In den USA wird die Ölproduktion aus Fracking massiv zurückgefahren. Das könnte die Preise wieder steigen lassen, sagen Experten. Unsicherheitsfaktoren von Teheran bis Peking gibt es jedoch zu Genüge.

Anfang des Jahres ging es mit dem Ölpreis erneut deutlich bergab - die Ursachen dafür lagen erstens in der sich offenbar abkühlenden chinesischen Konjunktur, zweitens in der Furcht vor einem länger anhaltenden Überangebot. Für die meisten westlichen Industrienationen ist der niedrige Ölpreis ein Segen; für Russland, die OPEC-Staaten und die Fracking-Anbieter in den USA sind die Zeiten hingegen hart. Allerdings, da sind sich laut einer Studie von Raiffeiesen Research die Experten einig, wird der niedrige Ölpreis wohl nicht lange halten: Die Frage ist nicht ob, sondern wann und in welchem Ausmaß die Preise wieder steigen werden.

Denn obwohl zuletzt China-bedingt die Nachfrageseite viel Beachtung gefunden hat, gelangt nun wieder die Angebotsseite ins Zentrum des Interesses. Denn für 2016 erwartet die Internationale Energieagentur (IEA), dass die Ölförderung der Nicht-OPEC-Staaten um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgehen wird. Den Großteil dieses Rückgangs machen die Fracking-Produzenten aus den USA aus: Die US-Energiebehörde prognostiziert bis September einen Rückgang der US-Ölproduktion von aktuell 9,2 Millionen Fässern pro Tag (FpT) auf 8,3 Millionen FpT.

Einer der größten Schieferproduzenten von Öl und Gas, Continental Resources, erwartet, dass sich seine Fördermenge im Jahresverlauf von 210-220.000 FpT auf 180-190.000 FpT verringern wird. Die gesamte US-Schieferölproduktion ist den Raiffeisen-Experten zufolge bereits rückläufig, auch wenn sich dies auf den ersten Blick nicht aus den Daten der gesamten US-Ölproduktion herauslesen lässt: Denn zeitgleich wurden die Offshore-Kapazitäten im Golf von Mexiko ausgebaut - damit soll für den weiteren Jahresverlauf jedoch Schluss sein.

Schließung und Öffnung kommen teuer

Ab einem Ölpreis von 30 Dollar dürften in vielen Nicht-OPEC-Staaten, wie Norwegen oder Kanada, den Experten zufolge die operativen Kosten höher sein als die zu erzielenden Einnahmen. Daher besteht zwar auf den ersten Blick wenig Anreiz, das Geschäft fortzuführen - jedoch gibt es für die Produzenten durchaus Gründe, auf eine Drosselung vorerst zu verzichten

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So müssen Produzenten bedenken, dass die Schließung ebenso mit Kosten verbunden ist wie die Wiedereröffnung der Produktion, wenn der Ölpreis wieder steigt und das Geschäft sich wieder lohnt. Zudem könnten viele Unternehmen durch eine Drosselung der Produktion ihrem integrierten Geschäft schaden - wenn sie etwa zusammen mit der Ölsandförderung eine Raffinerie betreiben. Daher könnten viele Produzenten ihre Förderung weiter betreiben, auch wenn der Ölpreis unter 30 Dollar liegt - in den vergangenen Wochen lag der Preis für Brent-Öl jedoch über der besagten Preismarke.

Iran, Libyen, Russland: Viele Fragezeichen

Innerhalb der OPEC wiederum dürfte neben Saudi Arabien vor allem der Iran Einfluss auf den Ölpreis haben - vor allem auf Grund des Wegfalls der westlichen Sanktionen. Bislang war es dem Land aufgrund der noch in Kraft befindlichen Sanktionen zwar nur möglich, täglich knapp mehr als rund 1 Million Fass Rohöl zu exportieren; glaubt man aber den Worten des iranischen Ölministers, so möchte er die Exporte rasch um 500.000 Fass erhöhen, bis Jahresende sollen weitere 500.000 Fass hinzu kommen - das käme einer Verdopplung gleich. "Diese Zahlen werden aber von nahezu fast allen Experten angezweifelt", heißt es von Raiffeisen: Bis Jahresende sei eine Steigerung um 500-600.000 Fass realistischer.

Fraglich ist auch, wie sich die Förderungssituation in Libyen und dem Irak entwickelt - beide Länder leiden unter politischen Unruhen und maroder Infrastruktur. Hinzu kommen Gerüchte und Spekulationen darüber, dass Russland und die OPEC gemeinsam die Ölfördermengen zurückfahren könnten. Dies würde aber nach aktuellem Kenntnisstand am Widerstand einzelner Länder scheitern. Zudem kann Russland wegen der klimatischen Bedingungen in Sibirien die Produktion nicht so einfach herunter- und wieder herauffahren wie die Konkurrenten im Nahen Osten.

Die Prognose für 2016

Summa summarum prognostizieren die Experten, dass der Ölmarkt auch in der ersten Jahreshälfte 2016 überversorgt bleibt, allerdings etwas weniger als in der zweiten Jahreshälfte 2015. Im zweiten Quartal ist die globale Ölnachfrage saisonal bedingt am schwächsten. Daher erwarten die Experten für diesen Zeitraum einen durchschnittlichen Ölpreis von deutlich unter 40 Dollar pro Fass. "Mit Beginn der ab Juni startenden „Driving Season“ in den USA sollten aber die Fundamentaldaten auf der Nachfrageseite einen deutlichen Preisanstieg unterstützen", heißt es in dem Paper: Ab dem dritten Quartal dürfte die globale Nachfrage um 1,6 Prozent steigen. Zusammen mit dem erwähnten Förderrückgang in den USA könnte dies zu Preissteigerungen führen. Auf der anderen Seite könnten Faktoren wie eine weitere Abkühlung der chinesischen Konjunktur oder eine Förderausweitung in Saudi Arabien die Ölpreise weiter abstürzen lassen.

Für das Gesamtjahr 2016 erwarten die Experten einen Brent-Ölpeis von durchschnittlich 39 Dollar.

Prognosen für 2017 und 2018

Für 2017 erwarten die Experten, dass sich die Investitionskürzungen bemerkbar machen - das Angebot wird also nur noch marginal zunehmen, die reich gefüllten Öllager werden abgebaut. Ein Anstieg der Ölpreises auf 50 Dollar wäre dann wieder realistisch - was im Gegenzug bedeutet, dass Fracking in den USA wieder attraktiv wird und die dortigen Anbieter ihre Anlagen wieder hochfahren. "Letzteres würde einem weiteren Preisanstieg auf mehr als 70 US-Dollar pro Fass vorerst entgegenstehen", heißt es gegen Ende des Berichts: "Prinzipiell wäre aber ab 2018 wieder Platz für eine steigende US-Schieferölproduktion, da die konventionellen Ölfelder (sowohl Offshore als auch Onshore) der Nicht-OPEC-Staaten den zusätzlichen Nachfragebedarf aus heutiger Sicht nicht zur Gänze befriedigen könnten."

Aktuell sorgen geopolitische Faktoren für hohe Förderausfälle - und deren Ausmaß lässt sich leider nur schwer prognostizieren.

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