kitzVenture: Risiko-Investments in Start-ups

kitzVenture: Risiko-Investments in Start-ups

Wer überlegt, sich an Start-ups zu beteiligen, sollte sich des Risikos bewusst sein.

In Zeiten niedriger Zinsen und volatiler Aktien scheint es attraktiv, in Start-ups zu investieren. Das Problem dabei ist das Risiko. Das Kitzbüheler Unternehmen kitzVenture will mit einem neuen Finanzprodukt will den Spagat zwischen Risiko und Ertrag schaffen. Doch das Risiko bleibt groß.

Gute Renditen mit möglichst geringem Risiko und einer abschätzbaren Laufzeit - in Zeiten volatiler Aktienmärkte und niedriger Zinsen sind die schwer zu finden. Da erscheint eine fixe Verzinsung von 9,75 Prozent, mit der die Kitzbüheler Investmentgesellschaft kitzVenture GmbH aktuell in großflächigen Inseraten wirbt, erst recht verlockend.

Wie kann das Unternehmen eine derartige Verzinsung, die jährlich ausgezahlt werden soll, in Aussicht stellen? kitzVenture wirbt mit dem neuen Finanzinstrument des Venture-Loan-Investments. Es soll auch Laien ermöglichen, zu investieren. Das Risiko soll dabei gering sein, weil es gestreut werde, indem in mehrere Start-ups investiert werde.

So weit die Theorie. Risikolos ist das Investment nämlich freilich keineswegs. Es mag zwar sexy erscheinen, in Start-ups zu investieren und dann an deren Wachstum und Erfolg zu partizipieren. Doch Wachstum und Erfolg sind keineswegs garantiert und es ist schwer, die Business-Modelle der Unternehmen zu analysieren und Risiken und Ertragschancen abzuwägen. Bis ein Start-up den ersten Euro verdient kann es außerdem lange dauern. Oft zu lange.

Wer sich von der 9,75 Prozent Verzinsung angesprochen fühlt, sollte also bedenken, dass das eigene Geld in Form eines Nachrangdarlehens zur Verfügung gestellt wird. Das bedeutet, dass das investierte Kapital im Falle einer Insolvenz oder Betriebseinstellung eines Start-ups unwiederbringlich verloren ist, weil zuerst die Forderungen aller anderen Gläubiger entsprechend den Quoten befriedigt werden. Bei einer allfälligen Insolvenz von kitzVenture verhält sich das ebenso. Nachdem das Unternehmen als Gesellschaftsform die GmbH gewählt hat kann das unter Umständen auch schnell einmal der Fall sein.

Exit versus Nachhaltigkeit

Die Kitzbüheler Kapitalgesellschaft versteht sich als ein Mix aus Venture-Capital-Unternehmen, Private-Equity-Gesellschaft und Inkubator. Sie will den eigenen Angaben zufolge nicht nur Geld in Start-ups investieren, sondern die Unternehmen in ihrem Wachstum mit Beratungsleistungen und Betriebsmitteln begleiten. Doch das muss finanziert werden.

Das Ziel wären jedenfalls, so kitzVenture-CEO Olaf Wittbrodt, keine schnellen Exits - also lukrative Verkäufe der Unternehmen an andere Investoren oder große Konzerne -, sondern der Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle mit gesunden Cashflows.

Derzeit befänden sich laut Wittbrodt fünf Start-ups aus den Branchen E-Commerce, Digital Business und Telekommunikation in der Pipeline. Welche, darüber hüllt sich Wittbrodt allerdings in Schweigen. Das Team von kitzVenture habe selbst jahrelang Erfahrung in diesen Branchen gesammelt und könne die Gründer daher auch entsprechend beraten.

Als Investoren sollen vor allem Durchschnittsbürger gewonnen werden, die sich für die Start-up-Szene begeistern, aber selbst keine Unternehmen gründen wollen. Die Mindestzeichnungssumme liegt bei 250 Euro, Investments von mehreren tausend Euro gab es laut Wittbrodt bislang nur in Ausnahmefällen.

Was hinter kitzVenture steckt

Die kitzVenture GmbH hat ihren Firmensitz in Kitzbühel, Tirol. Gesellschafter sind zu gleichen Teilen der 40-jährige Olaf Wittbrodt und der deutschen Beteiligungsgesellschaft Patriarch Trust GmbH mit Sitz in Hamburg.

Auf der Website des Unternehmens finden sich nur wenige weitere Informationen. Von den unter "Beteiligungen" angeführten "Minderheitsbeteiligungen" an zahlreichen großen Unternehmen wie Zalando, Facebook, Wirecard, der Österreichischen Post AG, Volkswagen, der OMV sollte man sich nicht hinreißen lassen. Aus den Einträgen der erwähnten Unternehmen ist - wie kaum anders zu erwarten war - keine meldepflichtige Beteiligung von kitzVenture herauszulesen. Diese wäre laut Aktiengesetz ab einer Beteiligung von drei bis fünf Prozent erforderlich.

"Beteiligungen" von kitzVenture.com, Screenshot der Website vom 24.10.2016

"Beteiligungen" von kitzVenture.com, Screenshot der Website vom 24.10.2016

Eine exemplarische Nachfrage der trend-Redaktion bei der Österreichischen Post AG hat ergeben, dass kitzVenture dort auch gänzlich unbekannt ist. Man ist dort mit der Angabe, kitzVenture halte eine Minderheitsbeteiligung, auch gar keineswegs glücklich. Post-Sprecherin Kathrin Schrammel: "Wir werden uns bemühen, dass der Hinweis auf uns möglichst bald von dieser Website entternt wird."

Die "Minderheitsbeteiligungen", dürften daher wohl ebenso einzuordnen sein wie eine 250-Euro-Beteiligung an einem Start-up. Dass kitzVenture aus der Entwicklung von Umsatz und Mitarbeiterzahl der Österreichischen Post, der OMV oder von Facebook ableitet, es als Private-Equity-Gesellschaft selbst zu verstehen, Wachstum zu erzeugen und auch umzusetzen sollte eher abschreckend wirken.

kitzVenture über die "Beteiligungen"

kitzVenture über die "Beteiligungen"

Dass kitzVenture obendrein behauptet, die Unternehmen, an denen beteiligt sei, wären entweder in enger Zusammenarbeit mit kitzVenture dabei, ihr Geschäftsmodell auf dem Markt zu etablieren oder sie befänden sich auf überdurchschnittlichem Wachstumskurs ebenso. Mark Zuckerberg hat sein Geschäftsmodell jedenfalls mit hundertprozentiger Sicherheit nicht mit kitzVenture abgesprochen.

Das gilt auch für den Kitzbüheler Bürgermeister Klaus Winkler, der auf der Website an prominenter Stelle als "Mitglied des Beirats" angeführt wird. Auf Anfrage des trend erklärt Winkler, nur in der Gründungsphase des Unternehmens im Jahr 2015 im Beirat gewesen zu sein. "Ich habe dieses Amt allerdings schon lange wieder zurückgelegt und war auch nie operativ tätig", sagt Winkler. Auch er werde sich bemühen, dass der Hinweis auf seine Person möglichst rasch von der Website genommen wird.

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