Was das Platzen der Fracking-Blase für die Finanzmärkte bedeutet

Was das Platzen der Fracking-Blase für die Finanzmärkte bedeutet

Der niedrige Ölpreis zwingt viele Fracking-Unternehmen in Kanada in den USA in die Knie. Betroffen davon sind weniger die Banken, sondern Pensionskassen, Versicherungen und Privatanleger. Und da die operativen Kosten noch gedeckt sind, befinden wir uns erst am Beginn eines Heilungsprozesses, der noch lange andauern wird.

Im Jahr 2003 begann der Ölpreis zu steigen, "Peak Oil" war in aller Munde und von Öko-Utopisten wurde das Ende des Ölzeitalters eingeläutet - die Realität sah dann jedoch anders aus: Die Fracking-Technologie, die bis dahin hauptsächlich für die Gewinnung von Gas verwendet wurde, wurde - trotz der Bedenken diverser Umwelt-NGOs - auch im großen Stil für die Ölförderung eingesetzt.

Der Hintergrund war, dass die amerikanische Regierung großes Interesse hatte, Fracking zu fördern. Die Fördermethode bedeutete für die größte Volkswirtschaft der Welt Energieautarkie und ein Loslösen aus der Abhängigkeit von den Exporteuren in den Krisenherden der Welt. Der Effekt: In den folgenden Jahren stieg die US-Ölförderung und die Industrie machte große Gewinne. Die USA konnten dank Fracking ihre Öl-Produktion von fünf Millionen auf neun Millionen Barrel pro Tag steigern und somit fast zu den beiden größten Ölproduzenten der Welt, Russland und Saudi Arabien aufschließen.

Fracking: Break Even bei 50 Dollar

2014 folgte jedoch das Unvermeidliche: Das gewaltige Angebot an Rohöl stand in keinem realistischen Verhältnis mehr zur Nachfrage und die Ölpreise begannen zu sinken. Mehr noch: Um die Konkurrenz in den USA auszuhungern, weitete Saudi Arabien den Ölexport aus und senkte somit die Ölpreise zusätzlich. Denn, so die Rechnung der Saudis: Fracking rentiert sich erst ab relativ hohen Preisen.

Laut einem Analystenbrief der Schoellerbank ist Fracking erst ab einem Ölpreis von 70 bis 100 Dollar richtig profitabel, der Break Even liegt den Analysten zufolge bei einem Ölpreis von 50 Dollar - will heißen: Darunter verdient man nichts mehr. Allerdings werfen viele Fracking-Anlagen auch bei einem Ölpreis von 30 Dollar noch ausreichend positiven Cash Flow ab, um zumindest die laufenden Kosten zu decken.

Unternehmen sterben - die Idee lebt weiter

Die laufenden Kosten betragen nicht einmal die Hälfte der Gesamtkosten. Der andere Teil sind die Investitionen, die bereits getätigt wurden, ehe das erste Barrel Fracking-Öl zu fließen begann. Im Klartext heißt das: Das Unternehmen kann beim aktuellen Ölpreis noch weiter arbeiten und hat genügend Zeit, ehe die Investitionen abbezahlt werden müssen und es der bitteren Wahrheit ins Auge blicken muss.

Die ersten Konkurse hat es zwar bereits gegeben, doch an der Überproduktion ändert das recht wenig: Die im Ausgleichsverfahren abgeschriebenen Förderanlagen gehen zu Schleuderpreisen an neue Besitzer über. Die hohen Anlaufkosten fallen für den neuen Besitzer nicht mehr ins Gewicht, dieser kann also munter weiterfördern.

Hier zeigt sich die strategische Schwäche Saudi Arabiens. Denn die einzelnen Unternehmen kann man zwar in den Ruin treiben - aber die Produktion geht weiter, bis die Erträge nicht mehr reichen, um die laufenden Kosten zu decken. Diesen Punkt sehen Experten irgendwo bei einem Ölpreis zwischen 15 und 20 Dollar - dann würden die meisten Fracking-Anlagen stillgelegt werden.

Faule Fracking-Kredite - ein Risiko?

Zwar freut der niedrige Ölpreis die Konsumenten und wirkt auf viele ölimportiernede Länder - darunter auch Österreich - wie ein kleines Konjunkturprogramm. Doch der niedrige Ölpreis birgt auch Gefahren - nicht nur für die Exporteure, die nun weniger Umsatz machen, sondern auch für denen Lieferanten. Und für ihre Kreditgeber. Droht durch die scheiternden Fracking-Unternehmen eine Welle an Kreditausfällen, wie zum Beginn der Finanzkrise?

Derzeit sieht es nicht danach aus. Die großen Banken in den USA haben ihre Bücher bewertet und Risiken aus dem Energiesektor offengelegt: Insgesamt wurden 120 Milliarden US-Dollar an Krediten vergeben - für Wells Fargo, Citigroup und Bank of America - welche die meisten Kredite in dieser Branche vergeben haben - sind das aber weniger als vier Prozent des gesamten Kapitals. "Und es ist nicht damit zu rechnen, dass alles oder auch nur das meiste Geld weg ist", heißt es im Analystenbrief der Schoellerbank: "Banken vergeben Kredite in der Regel gegen Sicherheiten." Wesentlich stärker betroffen seien kanadische Banken: Hier habe die Ratingagentur Moody's erst am 22. Februar gewarnt, dass das kanadische Bankensystem mehr Kapital benötigen könnte.

Pensionskassen und Privatpersonen betroffen

Schlechter dürfte es aber wohl den vielen Investoren gehen, die Anleihen von Energiefirmen mit schlechter Bonität (High Yield Bonds) gekauft haben - denn bei Ausfällen ist oft der Großteil des Geldes weg, heißt es von der Schoellerbank. Es sei zwar schwer zu sagen, wer diese Titel hält - hauptsächlich dürften den Experten zufolge aber Pensionskassen, Versicherungen und viele Privatpersonen betroffen sein.

Weiters genüge es nicht, nur über die unmittelbaren Folgen der Fracking-Flaute nachzudenken: Schließlich ist auch die Schwäche vieler Emerging Markets auf die niedrigen Öl- und Rohstoffpreise zurückzuführen. "Neue politische Krisenherde könnten entstehen", warnen die Experten: Denkbar sei auch, dass es zu Staatspleiten kommt.

Eine Gelegenheit zum Einstieg?

Dem Analystenbrief zufolge befinden wir uns nun "in den frühen Phasen eines langwierigen Heilungsprozesses". Die Investoren werden noch einige schlaflose Nächte durchleben müssen, in denen sie zwischen Hoffnung und Enttäuschung wanken. Für Anwälte und Masseverwalter dürften die Geschäfte in Zukunft hingegen recht gut laufen.

Abschließend weisen die Experten darauf hin, dass das aktuelle Umfeld aber auch eine gute Gelegenheit bietet, um in qualitativ hochwertige Energietitel und -aktien zu investieren. Wichtig dabei ist, auf die höchste Qualität in Bezug auf die Bilanz und die internationale Ausrichtung der Unternehmen zu achten.

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