Batteriegold Lithium: Das nächste Edelmetall

Lithium-Abbau von Rockwood in der Atacama-Wüste, Chile.
Lithium-Abbau von Rockwood in der Atacama-Wüste, Chile.

Lithium-Abbau von Rockwood in der Atacama-Wüste, Chile.

Die Elektromobilität rückt das Metall Lithium in den Mittelpunkt des Interesses. Durch die steigende Nachfrage könnte das Batteriegold zu einem echten Edelmetall werden. Im Jahresverlauf hätte man mit Lithium 155 Prozent Gewinn erzielen können. Wie Sie in Lithium investieren können und worauf Sie achten sollten.

Batterien, und vor allem Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion), haben 2016 zunehmend die Aufmerksamkeit von Anlegern auf sich gezogen. Nicht nur wegen explodierender Smartphones und weltweiter Pläne für Gigafactories. Die zunehmenden potenziellen Anwendungsmöglichkeiten über viele Branchen hinweg, auch als Energiespeicher und im Transportwesen, kurbelt die Nachfrage nach Lithium weiter an. Doch eignet sich das Metall auch zur Geldanlage? Wird das Batteriegold das nächste Edelmetall?

Veränderung der Lithiumnachfrage bis 2025 (Prognose)

Veränderung der Lithiumnachfrage bis 2025 (Prognose)

Lithium gehört aufgrund seiner chemischen Eigenschaften zu einem der am besten geeignetsten Metalle für den Einsatz in kleinen und tragbaren Batterien. Der erste Lithium-Ionen-Akku wurde 1991 entwickelt. Heute ist er Standard in Laptops, Smartphones und Tablets. Das größte Wachstumspotenzial für Lithium-Ionen-Akkus kommt allerdings aus der Elektromobilität. Maxwell Gold, Director Investment Strategy von ETF Securities, hat die Chancen und Risiken für ein Investment in das Metall analysiert.

Elektromobilität beflügelt die Nachfrage

Der Internationalen Energieagentur IEA zufolge ist die Neuzulassung von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen und Plug-in Hybridfahrzeugen von 2014 bis 2015 um 70 Prozent gestiegen. Weltweit wurden zuletzt 550.000 Elektro- und Hybridautos verkauft. Die Initiativen großer Volkswirtschaften zur Förderung der Elektromobilität bis 2020 könnten nun jährlich eine Steigerung von rund 60 Prozent zur Folge haben. Allerdings machen Elektroautos bisher nur einen sehr kleinen Teil des weltweiten Automobilmarktes aus. 2015 entfielen nur 0,1 Prozent des Absatzes auf dieses Segment.

Die Absichtserklärungen großer Automobilkonzerne, in Zukunft Elektromobilität nun massiv zu forcieren, staatliche Förderungen wie die zu zuletzt in Österreich beschlossene 4.000-Euro-Direktförderung für Elektroautos, immer strengere Umweltauflagen. Klimaziele und wachsende Reichweiten der E-Autos lassen erahnen, dass die Marktdurchdringung bald wesentlich größer sein wird.

Angestrebte Elektroauto-Vebreitung bis 2020

Angestrebte Elektroauto-Vebreitung bis 2020

Ein zusätzlicher Treiber für die weitere und schnellere Verbreitung von Elektroautos sind auch die fallenden Kosten für Lithium-Ionen-Akkus. Von 2010 bis 2015 sind die durchschnittlichen Kosten um knapp zwei Drittel - von rund 1.000 Dollar je Kilowattstunde ($/kWh) auf 350 $/kWh - gefallen. Das höhere Produktionsvolumen könnte nun Skaleneffekte nach sich ziehen, die Kosten in je kWh weiter senken und dadurch die Nachfrage nach Li-Ion-Akkus weiter ankurbeln - etwa auch als Energiespeicher für Photovoltaik-Anlagen.

Fallende Kosten für Batterien

Fallende Kosten für Batterien

Einige Automobilhersteller schätzen die aktuellen Batteriekosten bei bestimmten Modellen bereits auf unter 150 USD/kWh. Damit liegen die Kosten nahe der kritischen Schwelle von 100 USD/kWh, bei der die Kosten für Elektrofahrzeuge denen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor gleichkommen würden. Darüber hinaus dürften weitere Technologieverbesserungen bei der Energiedichte von Lithium-Ionen-Akkus die Akzeptanz und die Lebensdauer von Elektrofahrzeugen auf lange Sicht weltweit fördern.

Metall ohne Seltenheitswert

Lithium Schätzungen zufolge belaufen sich die globalen Lithium-Ressourcen auf über 40 Millionen Tonnen, während die wirtschaftlich nutzbaren Reserven bei 14 Millionen Tonnen liegen (Stand 2015). Damit kommt Lithium nicht so selten vor wie andere Industrie- oder gar Edelmetalle.

Der Großteil der globalen Lithium-Reserven (rund 57 Prozent der globalen Ressourcen) befindet sich im „Lithium-Dreieck“ von Chile, Bolivien und Argentinien. Die Produktion in dieser Region erfolgt hauptsächlich im Rahmen von Lithium-Sole-Projekten. Angesichts der geringen Raffineriekosten und der hohen Reinheit ist das aktuell die wirtschaftlich rentabelste Methode zum Abbau von Lithium.

Weltweiter Lithium-Abbau, wichtigste Länder

Weltweiter Lithium-Abbau, wichtigste Länder

Alternativen zu Lithium-Akkus

Während die leichtgewichtigen Lithium-Ionen-Akkus bei tragbaren elektronischen Geräten heute nahezu konkurrenzlos sind gibt es allerdings bei den erwähnten Anwendungsgebiet als Energiespeicher bei der Erzeugung erneuerbarer Energie durchaus Alternativen, da bei diesen Anwendungen das Gewicht und die Größe der Speicher nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Derzeit sind zwar auch bei Energiespeichern Lithium-Ionen-Akkus am weitesten verbreitet, neue Magnesium-Ionen-, Natrium-Ionen- und Lithium-Schwefel-Akkus könnten sich aber vor allem im Hinblick auf Energiedichte und Kosten als wettbewerbsfähig erweisen.

Bewertung für Anleger

Elektrofahrzeuge stellen das Wachstumssegment für Lithium-Ionen-Akkus dar, allerdings hängt die weitere Verbreitung und Akzeptanz auch am Ausbau der Infrastruktur, mehr Ladestationen, schnelleren Ladezeiten und einer höheren Effizienz.

Lithium ist ein aussichtsreicher Rohstoff. Allerdings sind aus Anlagesicht einige kurzfristige Herausforderungen zu meistern. Die noch niedrigen Ölpreise dämpfen die Nachfrage nach Elektroautos und längerfristig gibt es Alternativtechnologien wie zum Beispiel auch Wasserstoff-Brennstoffzellen. Erst vor kurzej wurden in Österreich die ersten öffentlichen Wasserstoff-Tankstellen in Betrieb genommen.

Eine weitere wesentliche Anlagebeschränkung ist die Zugänglichkeit. Da es keine Futures-Kontrakte für Lithium gibt, müssen Anleger indirekte Anlagen über Unternehmen tätigen, die Lithium und entsprechende Produkte abbauen, veredeln oder herstellen. Dies erschwert eine eigenständige Anlage in Lithium und macht eine Absicherung gegen die Öl- und Gaspreise, die Entwicklungen im Energiesektor und in verbundenen Branchen für Anleger derzeit unmöglich.

Investieren in Lithium

Dennoch ist die Branche im Aufwind. Wer nicht in Lithium-Unternehmen oder Abbau investieren will, kann das zum Beispiel auch mit dem Lithium Index Strategie Fonds (ISIN LU0470205575) tun. Dessen Wert ist binnen des letzten Jahres (30. November 2015 bis 29.11.2016) um 155 Prozent, von 37,71 Euro auf 96,51 Euro gestiegen.

Lithium Index Strategie Fonds; ISIN LU0470205575; Stand vom 29.11.2016: 96,51 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Lithium Index Strategie Fonds; ISIN LU0470205575; Stand vom 29.11.2016: 96,51 €. Für aktuelle Kursinformationen klicken SIe bitte auf den Chart.

Der Global X Lithium ETF (ISIN US37954Y8553) hat binnen Jahresfrist immerhin noch gut 20 Prozent zugelegt, allerdings ist die Aufwärtstendenz dieses Fonds bereits seit Juni 2016 gebrochen.

Global Lithium X ETF (ISIN US37954Y8553); Stand vom 1.12.2016: 24,61 $. Für aktuelle Kursentwicklungen klicken Sie bitte auf den Chart.

Global Lithium X ETF (ISIN US37954Y8553); Stand vom 1.12.2016: 24,61 $. Für aktuelle Kursentwicklungen klicken Sie bitte auf den Chart.

Wie geht es nun weiter? Welche Chancen eröffnen sich Anlegern in der nächsten Zeit? ETF Securities Anlagestratege Maxwell Gold ist dazu langfristig optimistisch: "Die Batterietechnologie ist ein bedeutendes Thema, das die Weltwirtschaft weiter stark beeinflussen wird. Sinkende Kosten und verbesserte Leistungswerte dürften Anlegern Gelegenheiten eröffnen. Die Lithium-Nachfrage wird weiter steigen, wenn das auch vor allem angesichts des reichlichen natürlichen Vorkommens noch kein Garant für einen steigenden Wert ist. Als Anlageprodukt befindet sich das Metall noch im Anfangsstadium des Wachstums."

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