Allianz-Chefinvestor: Die 5 wichtigsten Anlagethemen 2017

Allianz-Chefinvestor: Die 5 wichtigsten Anlagethemen 2017

Neil S. Dwane Neil Dwane, Chefinvestor der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors, verrät worauf es 2017 aus seiner Sicht bei der Geldanlage ankommt.

Der Chefinvestor der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors prognostiziert, die fünf wichtigsten Investmentthemen 2017: Von Wachstumsschwächen, dem neuen alten Star an der Börse, wo wieder ein Gleichgewicht herrschen sollte und warum man sein Depot breiter denn je streuen sollte.

Wie Neil Dwane, Investmentchef für Europa bei Allianz Global Investors, die wirtschaftliche Lage in Europa, den USA und Asien einschätzt und wie Öl und die Politik das Jahr 2017 beeinflussen dürften.

1. Europa und die USA: Einer der schwächsten jemals verzeichneten Wachstumsphasen
Anleger sollten sich auf schwaches Wirtschaftswachstum einstellen, da die USA in
die Spätphase des Konjunkturzyklus eintreten. Europa steht vor einem Jahr politischer Unsicherheiten, vor allem was den Brexit betrifft. Zwar dürfte es den USA und der Eurozone nach Einschätzung der Allianz letztlich gelingen, eine Rezession zu vermeiden, doch befinden sie sich weiterhin in einer der schwächsten jemals verzeichneten Wachstumsphasen. Zudem macht den Volkswirtschaften auf der ganzen Welt das gewaltige Ausmaß der Staatsschulden zu schaffen, die nur bei extrem niedrigen Zinsen bedient werden können. Unter dem Strich erwarten wir für 2017 ein positives nominales Wachstum und
niedrige Kapitalerträge.
Ausblick USA: Wachstum wackelt, Dollar könnte sinken. Ob sich das Wirtschaftswachstum überhaupt beschleunigt, ist laut Allianz ungewiss. Während die Notenbank Zinserhöhungen anstrebt, steigen die US-Löhne nur geringfügig, gleichzeitig beginnen die Gesundheitskosten anzuziehen. Unter Präsident Trump steigen die Ausgaben für Infrastruktur und Rüstung und für die Unternehmen werden Anreize geschaffen, im Ausland unterhaltene Bankguthaben in die USA zurückzuholen. Beim Dollar erwartet die Allianz, dass dieser abwertet.
Europa: Die Anleger werden zunehmend nervös, EZB weiterhin als Motor für steigende Kurse da anstehende Wahlen und das Verfahren zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU den Ausblick trüben. Die Banken im Euroraum dürften geschwächt werden, wenn die EZB anfängt, ihr Anleihenkaufprogramm auslaufen zu lassen. In einem Marktumfeld, das durch expansive Geldpolitik und Negativzinsen verzerrt ist, erscheinen Aktien attraktiv und werfen hohe laufende Erträge ab. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich abschwächen.

2. China bleibt der Star in Asien und weltweit
Zu den interessantesten Prognosen der Allianz zählt die Einschätzung über die Entwicklung Chinas. Demnach sollte China 2017 wieder als globaler Wachstumsmotor zurück kehren. Die Neuausrichtung seine Volkswirtschaft wird nach Turbulenzen in der Vergangenheit positiv eingestuft., Das Land wird wieder den größten Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft leisten. Dabei benötigt es zwar inzwischen weniger Industrierohstoffe, stattdessen aber mehr Rohöl und Agrarrohstoffe. Vor allem die Urbanisierung schreitet rapide voran. Hoffnung setzen die Experten unter anderem in Chinas großangelegtes Infrastrukturprojekt „One Belt, One Road" zur Stärkung von Handel und Kapitalverkehr der neue Marshall-Plan sein, den die Welt nach der globalen Finanzkrise benötigt.
Asien beste Mischung aus Wachstum und Investitionen. Andere asiatische Länder gelten ebenfalls als vielversprechend. Da inzwischen auch Indien und Indonesien erhebliche Reformfortschritte machen, bietet Asien insgesamt die beste Mischung aus Wachstum und Investitionen. Allen voran Indien und Indonesien. Laut dem Allianz-Investmentprofi wird es so gelingen den Effekt eines stärkeren Dollars und einer geringeren globalen Wachstumsdynamik auszugleichen. Die Neuausrichtung der chinesischen Volkswirtschaft sowie niedrigere Rohstoffpreise und ein Einbruch der Investitionsausgaben wird zudem die globalen Lieferketten unter Druck setzen und stärkeren Akteuren die Durchsetzung höherer Preise ermöglichen.

3. Öl: Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht
Die Allianz rechnet damit, dass der Ölpreis 2017 leicht steigen wird und auch Investitionen in dem Sektor beflügeln werden, was in weiterer Folge die Inflation anfachen dürfte. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wird wieder ins Gleichgewicht geraten, wenn durch schwierige politische Situation im Nahen Osten, in Lateinamerika und in Afrika die Angebotsseite auch weiterhin unter Druck stehen.


4. Wichtige Wahlen 2017 in Europa und andere politische Ereignisse dürften Märkte 2017 stark beeinflussen
Die Tendenz zur Deregulierung war im Jahr 2016 weiterhin auf dem Rückzug, während die Konzentration auf das eigene Staatsgebilde zunimmt, wie das Brexit- Votum, die Ablehnung des CETA-Abkommens in Belgien und der US-Wahlsieger Donald Trump zeigen, so der Chefinvestor.
Da 2017 in Europa wichtige Wahlen anstehen, sollte die Politik weiterhin eine wichtige Rolle bei Anlageentscheidungen spielen. Möglicherweise meiden einige Investoren auch lediglich bestimmte Märkte, obwohl diese attraktiv bewertet sind. Auch die Geldpolitik wird stärker von politischen Einflüssen geprägt sein, da sie Teil einer ausdrücklichen Regierungsstrategie wird, in der die
Fiskalpolitik dominiert. Das Geld, das die Notenbanken dem Staat zur Verfügung stellen, wird nach Einschätzung der Allianz in den kommenden Jahren in vielen Ländern vor allem in die
Infrastruktur und Militärausgaben fließen.

5. Geldpolitik: Zinsen bleiben niedrig, Inflation steigt
Die Notenbanken haben im abgelaufenen Jahr mit ihrer extremen Geldpolitik laut Dwane fast ihr gesamtes Pulver verschossen. Das hätte zu einer Verschiebung des Fokus auf eine expansive Fiskalpolitik geführt. Sie stellt daher auch 2017 eine der wenigen noch bestehenden Möglichkeiten für die
Regierungen dar, das dringend benötigte Wirtschaftswachstum anzuregen.
Auch 2017 dürfte die Fiskalpolitik daher für die Geldanlage wieder eines der dominierenden Faktoren sein. Die Allianz geht davon aus, dass die Politik negativer Zinsen und expansiver Geldpolitik weitergehen wird. Allianz rechnet damit, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen moderat anhebt. Gleichzeitig dürfte es in den Schwellenländern zu Zinssenkungen kommen, da die Inflationsraten dort zurückgehen. Die Europäische Zentralbank und die japanische Notenbank werden voraussichtlich an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Die global verfügbare Liquidität dürfte ihren Gipfel überschritten haben, während die Notenbanken negative Zinsen durchgesetzt haben, um damit vermehrte Staatsausgaben zu begünstigen. Die Kosten für Gesundheits-, Ausbildungs- und Lebenshaltung dürften 2017 steigen und damit die Inflation langsam nach oben treiben.

Viele Asset Klassen korrelieren derzeit stark miteinander
Anlegern empfiehlt die Allianz ihr Vermögen breiter zu streuen, da viele Vermögensanlagen derzeit eng miteinander korreliert und unterliegen starken Kursschwankungen. Dies kann dazu führen, dass es in unterschiedlichen Anlageklassen gleichzeitig zu heftigen Kursausschlägen in dieselbe Richtung kommt. Die extremen politischen Maßnahmen der Notenbanken – wie negative Zinsen und Ausweitung der Geldmenge – haben ebenfalls dazu beigetragen, dass viele Anleger identische Positionen eingegangen sind. Da hierdurch das Ertragspotential sinken kann, sind Strategien ratsam, die eine Verringerung des
Risikos und verbesserte Diversifikation erwarten lassen, beispielsweise alternative Anlagen.
Infolge regulatorischer Änderungen sind die Märkte weniger liquide geworden. Auch die Zunahme des
Hochfrequenzhandels und auf Algorithmen basierender Handelsstrategien hat dazu geführt, dass
die Märkte weniger stabil sind.


Strategien um schwankungsanfälligere Märkte zu meistern
Die Märkte werden zunehmend anfällig für Kursschwankungen, da sich innen- und geopolitische Faktoren, unterschiedliche Geldpolitiken und interne Marktstrukturen alle gleichzeitig bemerkbar machen und sich laufend ändern. In einem derartig unsicheren Umfeld Kurs zu halten, erfordert eine klare
Zielsetzung und eine aktive Grundhaltung, bei der Anleger flexibel in punkto Asset-Allokation sein müssen, auf ihre Prozess.

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