Wer braucht Papiergold, wenn man physisches Gold haben kann...

Wer braucht Papiergold, wenn man physisches Gold haben kann...

Papiergold ist angeknackst, die Zweifel sind vor allem bei institutionellen Investoren groß, dass es nun nach diesem herben Rückschlag für den Goldpreis bald wieder aufwärts geht. Für Privatanleger bleiben Gold-Münzen und -Barren dagegen wegen der Spätfolgen von Finanz- und Schuldenkrise erste Wahl.

Durch den Preisverfall der vergangenen Monate habe Gold aus Sicht institutioneller Anleger viel von seinem Glanz verloren, sagt Frank Schallenberger, Chef-Rohstoffanalyst der LBBW. "Schließlich ist ein zwölfjähriger Aufwärtstrend zu Ende gegangen. Daher ist bei den Anlegern der Glaube gering, dass es bald wieder aufwärtsgeht." Aus charttechnischer Sicht könnte der Goldpreis auf bis zu 1320 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm)
fallen. Sollte diese Marke unterschritten werden, sei ein Rückgang auf bis zu 1260 Dollar möglich.

Seit dem Jahr 2000 kannte der Goldpreis nur eine Richtung. Er stieg zwölf Jahre in Folge und versiebenfachte sich zeitweise auf 1920,30 Dollar je Feinunze. Grund hierfür waren vor allem die Finanzkrise und die Schuldenkrise sowie deren Auswirkungen. Anleger flüchteten sich aus Furcht vor einem Zusammenbruch der Weltwirtschaft und einer galoppierenden Inflation in den "sicheren Hafen". Aktuell kostet das Edelmetall etwa 1380 Dollar oder 1072 Euro.

Bestände der Gold-ETFs fallen und fallen

Spekulativ orientierte Anleger handeln mit Gold meist über Terminkontrakte oder mit Hilfe börsennotierter Fonds (ETFs). Diese kaufen oder verkaufen die entsprechende Menge des Edelmetalls. Der weltgrößte Fonds dieser Art ist der SPDR Gold, dessen Gold-Bestände derzeit bei 33,164 Millionen Feinunzen oder 1031 Tonnen liegen. Die Edelmetall-Bestände aller Gold-ETFs summieren sich auf 65,510 Millionen Feinunzen oder 1944 Tonnen.

Das ist der niedrigste Stand seit April 2011. Im Dezember waren die ETF-Bestände noch auf ein Rekordhoch 76,177 Millionen Feinunzen gestiegen. Seither geht es fast ausschließlich abwärts. Im April waren es sogar 21 Tage hintereinander – Negativ-Rekord.

Run auf Münzen und Barren hält an

Für Privatanleger bleiben Gold-Münzen und -Barren dagegen wegen der Spätfolgen von Finanz- und Schuldenkrise erste Wahl. "Das fundamentale Umfeld hat sich nicht verändert", betont Robert Hartmann, Geschäftsführer des Goldhändlers Pro Aurum. "Die Realzinsen sind negativ und die Notenbanken weiten die Geldmenge aus. Eigentlich müssten die Edelmetalle deutlich höher stehen." Der Realzins bezeichnet den Leitzins abzüglich der
Inflationsrate.

"Seit Anfang Mai ist das Interesse zwar etwas abgeebbt", fügt Hartmann hinzu. "Es liegt aber immer noch 50 bis 70 Prozent über dem Niveau vom Februar." Aus diesem Grund bleibe es schwierig, die Nachfrage zu bedienen. Engpässe gebe es unter anderem beim Krügerrand, obwohl diese Münzen derzeit im Dreischicht-Betrieb geprägt würden.

Auch in Asien steht physisches Gold hoch im Kurs. Am vergangenen Donnerstag kletterten die Preise für Barren in Hongkong und Singapur auf Rekordhochs. In China - dem nach Indien weltweit zweitgrößten Gold-Markt deuteten die Preisaufschläge der Terminkontrakte im Vergleich zur vergleichbaren Menge von Barren oder Münzen ebenfalls auf eine rege Nachfrage hin. Der in Shanghai gehandelte Future stieg am Dienstag um bis zu 4,2 Prozent auf ein Drei-Wochen-Hoch von 280,88 Yuan (35,60 Euro) je Gramm.

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