Russland im Goldrausch

Russland im Goldrausch

Russlands Einkäufe am Goldmarkt gehen weiter, und sie folgen einer Strategie. In den vergangenen fünf Jahren hat die Zentralbank mehr als 500 Tonnen Gold erworben. Mehr als jede andere Notenbank.

2009 war der Wendepunkt. Im zweiten Quartal dieses Jahres überwogen die Gold-Zukäufe der internationalen Zentralbanken erstmals die Verkäufe. Noch ging man zaghaft ans Werk. Von offizieller Seite wurden lediglich neun Tonnen mehr gekauft als verkauft - am Ende des Jahres ergab sich noch ein negativer Saldo von 34 Tonnen Gold, die die Notenbanken der Welt im Laufe des Jahres mehr ver- als gekauft hatten.

Anders das Jahr 2010: Der Saldo aus Zu- und Verkäufen der Notenbanken drehte ins Plus: 77 Tonnen physisches Gold landeten zusätzlich zu den ohnehin schon vorhandenen Reserven in den Tresoren der Notenbanken. 2011 waren es dann schon 458 Tonnen, die der offizielle Sektor, wie er in den Statistiken des World Gold Council genannt wird, auf Halde legte. Eine Tendenz, die sich auch im ersten und zweiten Quartal des laufenden Jahres fortsetzte.

Russische Zentralbank verdoppelt Goldbestand

An vorderster Front bei den Goldeinkäufern findet sich die russische Zentralbank. In den fünf Jahren bis Ende Juni 2012 legten sich die Währungshüter zusätzlich zu den ohnehin schon vorhandenen Reserven mehr als 500 Tonnen Gold ins Depot. Eine Einkaufsrausch, der weltweit unübertroffen blieb. Selbst die chinesische Zentralbank (plus 454 Tonnen) und die indischen Währungshüter (+ 200 Tonnen) kauften weniger ein. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Goldbestand in den Tresoren der russischen Notenbank von 422,6 auf 918 (Stand Ende 2.Quartal 2012) Tonnen mehr als verdoppelt.

Russland hat damit innerhalb des Goldmarktes eine Vorreiterrolle eingenommen. Während der offizielle Sektor zuvor vor allem auf der Verkäuferseite zu finden war, wechselten die Notenbanken im Rahmen dieses Paradigmenwechsels auf die Käuferseite.

Und die Zukäufe werden weitergehen - zumindest in Russland. Laut dem World Gold Council hat der offizielle Sektor angekündigt, dass bis Ende des Jahres die Goldbestände um weitere 100 Tonnen ansteigen sollen. Im ersten Halbjahr jedenfalls landeten zusätzliche 35,1 Tonnen Gold in den tresoren der Zentralbank. Sollte Rußland erwägen seine Währungsreserven bis zu einem Wert von 20 % in Gold zu investieren, so würde dies zusätzliche Käufe von 1.070 Tonnen Gold erfordern. Den Spitzenwert erreichte das Land im Jahr 1995 als 60,1 % der Reserven in Gold angelegt waren. Die Analysten des World Gold Council rechnen vor, dass die Zentralbank, sollte sie neuerlich diesen Wert erreichen wollen, zusätzliche 5.000 Tonnen Gold am Markt einkaufen müsste.

Gold als Bestandteil einer neuen Weltwährung

Die Goldkäufe der russischen Zentralbank kommen nicht von ungefähr. In den vergangenen Krisenjahren hat sich Russland zusehends dafür eingesetzt Gold innerhalb des Weltwährungssystem eine wichtigere Rolle zuzuschreiben. Schon 2009 hat sich Arkady Dvorkovich, damals führender Wirtschaftsberater der Kreml-Führung, dafür eingesetzt, dass Gold im künftigen Währungskorb basierend auf den Sonderziehungsrechten des IWF, eine wichtigere Rolle spielen solle. Im März 2009 deponierten Russland und China ihren Wunsch die Rolle des Sonderziehungsrechts auszubauen und das SZR als „supranationale Reservewährung" zu etablieren. Arkady Dvorkovich ist übrigens in der aktuellen russischen Regierung zum stellvertretenden Ministerpräsidenten aufgestiegen.

Mehr zu Sonderziehungsrecht (SZR)

"Who is Mr. Dvorkovich?" - Russia beyond the Headlines:

Wikipedia: Mehr zu Arkady Dvorkovich.

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