"Eine Geldentwertung von 50 Prozent würde das Schuldenproblem lösen."

"Eine Geldentwertung von 50 Prozent würde das Schuldenproblem lösen."

Dimitri Speck ist der Herausgeber von seasonalcharts.de und Autor des Buches „Geheime Goldpolitik“. Er ist auf das Erkennen von Mustern, auf die Entwicklung von Handelssystemen und dem Bilden von Marktanomalien, Gold und Rohstoffe spezialisiert.

philoro: Herr Speck, Ihr Buch „geheime Goldpolitik“ bzw. der englische Titel „The Gold Cartel“, hat viel positive Kritik erhalten. Ihr Hauptthema ist die Manipulation des Goldpreises. Worin sehen Sie die Ursache in dem momentanen Goldpreisanstieg?

Dimitri Speck: Wir sind bereits seit längerem in einer Korrektur des Goldpreises, die aber bald ihr Ende finden dürfte. Der Pessimismus was den Goldpreis ist so hoch, dass der Tiefpunkt nicht mehr weit ist. Ein weiterer Grund ist dass andere Märkte wie Aktienmärkte bereits ein hohes Niveau erreicht haben. Das grundsätzliche Problem ist jedoch, dass wir in einer völlig überschuldeten Welt leben. Das hat sich 2008 zum ersten Mal
ganz deutlich in der Finanzmarktkrise geäußert.

Welche Folgen wird die Überschuldung haben?

Speck: Diese Überschuldschuldung wird zwangsläufig zur Folge haben, dass Sparguthaben oder Forderungen auf Anleihen, Lebensversicherungen real an Wert verlieren. In solchen Situationen streben Sparer gewissermaßen automatisch in Gold und Silber, denn das ist eine Anlageklasse, die weder durch Geldentwertung noch durch Bankrotte gefährdet ist. Ich bin davon überzeugt, dass auch die Zentralbanken zunehmend in diese Anlageklasse streben werden. Darum glaube ich auch, dass es noch einen richtig großen zweiten Schub geben wird, ähnlich dem, der von 2001 bis 2011 reichte. Ich sehe diesen sowohl zeitlich als auch preislich in einer ähnlichen Dimension. Die einzige Frage ist nun, ob die Korrektur schon vorbei ist oder nicht. Meines Erachtens spricht viel dafür, dass wir die Tiefstkurse bereits gesehen haben.

Anfang des Jahres haben die Untersuchungen der deutschen Finanzdienstleisteraufsicht Bafin wegen des Verdachts der Manipulation beim Goldfixing begonnen. (Anmerkung: Goldfixing beschreibt den Handelsprozess im Goldhandel am London Bullion Market, welcher zweimal täglich mit dem Ziel durchgeführt wird, möglichst viele Transaktionen zu einem Fixpreis abzuwickeln. Beteiligt sind dabei die Vertreter der fünf sogenannten Bullionbanken als Mitglieder der London Bullion Market Association (LBMA). Der ermittelte Fixingkurs dient als Richtgröße für alle weiteren Goldtransaktionen. Hat die Untersuchung Auswirkungen auf den Goldpreis?

Speck: Ich sehe keine Auswirkungen und das wird sich auch nicht ändern. Die Untersuchungen betreffen ja hauptsächlich das Goldfixing und die am Goldfixing beteiligten Institute. Eines darf man nicht vergessen, der Hauptanteil der Manipulation ist nicht die am Goldfixing selbst, sondern die parallel stattfindenden Manipulation an den Terminmärkten. Man muss wissen, dass das Goldfixing eine Auktion ist, die ungefähr 10 Minuten dauert. Während des Fixings können die Banken, die beteiligt sind und vor allem deren Kunden ihre Orders anpassen und dies geschieht in der Regel indem sie sich am Preis an der Comex (Anm: New York Commodities Exchange), orientieren.

Wenn die Beteiligten ihre Oder anpassen können, wie leicht ist es dann die Preise zu manipulieren?

Speck: Es ist ein leichtes das Fixing zu manipulieren, in dem man Futures an der Comex verkauft. Ich glaube, dass das die Hauptmanipulation des Goldfixings ist. Wenn die Bafin bzw. die britischen Aufsichtsbehörden jetzt das Fixing untersuchen, jedoch nicht das, was an der Comex passiert, wird sich selbst, wenn die Bafin etwas am Fixing glaubhaft ändert, letztlich nicht viel ändern. Die Manipulation an der Comex wird weitergehen, diese wird von den US Behörden beaufsichtigt und die tun nichts.

Die Deutsche Bank ist seit den Untersuchungen aus dem Fixing ausgestiegen. Was glauben Sie ist der Grund dafür? Und warum wollte bisher keine andere Bank den Platz einnehmen?

Speck: Es ist zwischen der Ankündigung der Deutschen Bank aus dem Fixing auszusteigen und dem Beginn der Untersuchung der Bafin zeitlich eng gewesen. Ein Tag, wenn ich mich nicht irre. Da besteht anscheinend ein Zusammenhang. Das Fixing selbst ist auch nicht ganz sauber, das wissen wir auch. Hier kann ein Institut relativ wenig gewinnen, wenn es jetzt anfängt daran teilzunehmen. Außerdem geht es auch noch das Risiko ein, dass es verklagt wird. Von daher ist es nachvollziehbar, wenn kein anderes Institut die Nachfolge antreten will.

Sie sehen Regressansprüche als Hauptgrund für sowohl den Ausstieg aus dem Goldpreisfixing der Deutschen Bank?

Speck: Ja, Reputation und Regress. Vielleicht hat die Deutsche Bank auch einen Wink von der Bafin bekommen, man kennt sich ja untereinander.

Manche halten die eine Wiedereinführung eines Goldstandards oder eines Bretton Wood Systems 2.0 als Weg zur Rettung des Systems. Wie sehen Sie das?

Speck: Die Wiedereinführung eines Goldstandards ist aufgrund der massiven Überschuldung keine Lösung. Mit der Einführung eines Goldstandards, ändert sich an der Überschuldung gar nichts. Meines Erachtens wird das Problem dann gelöst, wenn die Schulden in Relation zur Wirtschaftskraft halb so hoch sind wie heute. Das bedeutet höchstwahrscheinlich eine reale Entwertung der Sparguthaben um 50%.

Wenn es zu einer massiven Geldentwertung kommt, dürfte auch sonst kein Stein auf dem anderen bleiben.

Speck: Im Zuge dieses Prozesses, der durchaus ein mehrjähriger Prozess sein kann, wird es mehrfach zu Änderungen des Geldsystems kommen. Eventuell wird es auch zu einem neuen Goldstandard kommen. Ich rechne auf jeden Fall damit, dass Gold deutlich an Bedeutung gewinnen wird, auch in der Goldpolitik der Zentralbanken. Ich glaube, dass die Zentralbanken deutlich mehr Gold kaufen werden, weil deren Ersparnisse Verluste machen. Im Zuge dessen werden die Zentralbanken auch an einem höheren Goldpreis interessiert sein, weil sie dann den Buchgewinn um etwaiger Verluste, weil sie so viel Schrottanleihen gekauft haben, bequem ausbuchen können. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es, um das System zu stabilisieren zu irgendeiner Art Goldbindung kommt. Aber erst am Ende des Prozesses.

An welche Währung würde man ein solches System dann koppeln? Werden wir uns vom Leitwährung als Leitwährung verabschieden Dollars?

Speck: Wir verabschieden uns schon seit einiger Zeit vom Dollar. Die Dollardominanz beginnt abzunehmen. Das wird auch zunehmend in der Politik in Russland oder Chinas thematisiert. Allerdings gibt es noch keine Währung, die dem Dollar das Wasser reichen kann. Man darf nicht vergessen, dass es, wenn es um eine Weltwährung geht, man auch militärisch einiges an Muskeln haben muss und diesbezüglich ist auch kein Ersatz für den Dollar sichtbar. Das spricht meines Erachtens auch für Gold. Denn wenn der Dollar an Bedeutung verliert, was er zunehmend tut und niemand an die Stelle rückt, bleibt letztlich nur Gold übrig.

Wenn Gold steigt, dürfte es auch die Inflation tun. Von welchen Zahlen gehen Sie aus und glauben Sie, dass dem noch ein deflationärer Schock/Phase vorausgehen wird?

Speck: Ich halte eine Inflation aufgrund des Verschuldungsszenarios als wahrscheinlich. Immer wenn eine Rezession droht werden die Zentralbanken neue Kredite schöpfen und in relativ naher Zukunft wird dann die Stimmung kippen und es wird eine Flucht aus dem Papiergeld geben. Das stellt eine Inflation dar. Wir haben seit vielen Jahren eine Reduktion der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, letztlich der Kredite und um das wird es meines Erachtens gehen.

Speck: Kürzlich hieß es, dass das deutsche Gold bei der US-Notenbank bleiben soll, Deutschland verzichtet auf das Zurückholen, mit der Begründung, die FED passe darauf gut auf.

Was glauben Sie ist der Hintergrund für diese Entscheidung?

Speck: Im Wesentlichen ist das keine neue Nachricht, auch wenn das gerade prominent veröffentlicht wurde. Über die Lagerstelle des Goldes entscheidet die Bundesbank und die Bundesbank hat keinerlei neue Entscheidung gefällt. Sie plant und will das auch aktuell umsetzen, 50% des Goldes im Inland zu lagern. Daran hat sich nichts geändert. Allerdings werden nun die Lagerstellen im Ausland mit gleicher Wichtigkeit einer Inventur unterzogen. Sprich man erhebt endlich ordentlich den Bestand. Ein Grund war wahrscheinlich auch die Signalwirkung ins Inland. Die Regierung wollte das Signal vermeiden, dass die Finanzmarktkrise so schwer ist bzw. die Eurokrise so kritisch ist, dass man jetzt unbedingt das deutsche Gold nach Hause holen muss und dass man den anderen Zentralbanken nicht vertrauen darf. Diese Signalwirkung wollten sie erreichen, haben aber das Gegenteil erreicht. Viele Leute glauben jetzt, dass es die Amerikaner waren, die der Bundesbank gesagt haben, wir können das Gold nicht schneller besorgen.

Glauben Sie, dass das Gold bei der FED physisch gelagert wird und der Goldpreis wird durch den Verkauf von Beständen, wie manche vermuten, gedrückt?

Speck: Ich bin der Ansicht, dass das Gold dort vorhanden ist. Ich denke nicht, dass es irgendwie heimlich verliehen, doppelt verbucht oder irgendetwas in der Art ist. Meines Erachtens würde die FED wegen eines für sie doch lächerlich geringen Betrages keinerlei Vertrauensbruch riskieren und außerdem hätte ein Verkauf oder eine Verleihung in der Vergangenheit nur geringfügig den Goldpreis gedrückt. Denn trotz der Verkäufe zwischen 2001 und 2011 ist der Goldpreis massiv gestiegen. Wäre das Gold zusätzlich noch von der Bundesbank auf den Markt gekommen, wäre der Goldpreis weniger gestiegen. Es ist auch von den Zahlen her ein in sich schlüssiges Bild, dass das Bundesbankgold vorhanden ist. Ich habe es selbst natürlich nicht überprüft, aber ich halte es für sehr wahrscheinlich.

Ist es einfacher den Goldpreis nach unten oder nach oben zu manipulieren?

Speck: Es ist beides möglich. Mir ist nur eine Manipulation in der jüngeren Zeit nach oben bekannt und das war im Mai 2001. Grundsätzlich ist Gold ja kein Verbrauchsgut, sondern ein Anlagegut. Das heißt, wenn es gelingt durch Preisbewegung das Anlegerverhalten zu verändern, kann so eine Manipulation auch langfristiger über mehrere Jahre erfolgreich sein. Wenn über die Terminmärkte der Gold- bzw. Silberpreis massiv gedrückt wird, ändern auch Investoren ihre Meinung, da sich Gold nicht mehr rentiert. Umgekehrt gab es Ende der 70er eine Phase - zu diesem Zeitpunkt war der Terminmarkt für Gold noch recht jung - in der man Sparer bzw. Anleger motiviert hat physisches Gold zu kaufen. Da hatten wir den umgekehrten Effekt. Auf einmal gab es Schlangen in den Sparkassen und alle wollten einen Krügerrand kaufen. Damals hat der Terminmarkt den Goldpreis nach oben gezogen. Ich weiß nicht, ob das eine Manipulation war, aber ich vermute, dass das systematisches Drücken des Goldpreises durch die Terminmarktverkäufe 1993 begonnen hat. Die Verantwortlichen hatten diese Wirkung wahrscheinlich noch im Kopf und haben genau das umgekehrte Spiel gemacht. Das heißt, sie haben Gold über die Terminmärkte verkauft und durch physische Verkäufe angeregt. In diesem Zusammenhang unterscheiden sich Silber und Gold massiv von gängigen Gebrauchsgütern. Wenn zum Beispiel der Ölpreis gedrückt würde, fahren die Leute einfach mehr Auto. Wenn der Goldpreis gedrückt wird, denken sich die Leute es ist uninteressant und es wird weniger gekauft bzw. gar verkauft.

Wie kann man sich in diesem überschuldeten System am besten schützen? Welche Vermögensschutztipps können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Speck: Der natürliche Gegenspieler in diesem System ist Gold und Silber, es kann weder Bankrott gehen noch beliebig vermehrt werden. Deswegen sind meines Erachtens Gold und Silber auch die Hauptprofiteure und vor allem auch eine sichere Anlage in solchen Zeiten. Vor allem Gold und Silber werden gewinnen, aber man kann natürlich nicht nur diese beiden Edelmetalle sehen, sondern sollte beispielsweise auch langlebige Konsumgüter, wie seine Wohnung oder sein Haus zu renovieren im Blick haben. Aber Gold und Silber sehe ich als Hauptprofiteure und sie sind bislang in den Portfolios unterrepräsentiert.

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