Dubiose Goldsparpläne: 400 Millionen Schaden beim Finanzkonzern Infinius

Dubiose Goldsparpläne: 400 Millionen Schaden beim Finanzkonzern Infinius

Der Finanzkonzern Infinus wurde vergangene Woche von der Dresdner Staatsanwaltschaft gefilzt. Sechs Personen wurden verhaftet. 25.000 Anleger müssen um 400 Millionen Euro zittern. Sie dürften bei Goldsparplänen viel Geld verloren haben.

Wien. Die unter Betrugsverdacht stehende Dresdner Finanzgruppe Infinus, die Geschäftspartner in Salzburg hat, soll nach Medienberichten Bilanzen mit einem Provisionskarussell geschönt haben. Im Visier der Justiz stehen dabei vor allem die flexiblen Goldsparpläne eines Salzburger Unternehmens, die Infinus nicht nur an seine Kunden, sondern auch an seinen Mutterkonzern Future Business KGaA verkauft hat. Der Anbieter, gegen dessen Verantwortliche ebenfalls ermittelt wird, sieht sich aber zu Unrecht in die Affäre hineingezogen.

Ermittelt wird weiters gegen zwei Verantwortliche der Salzburger Firma Terra Premium, wie die APA erfahren hat. Vergangene Woche fanden daher in Salzburg Razzien statt. Terra Premium hat Infinus, wie vielen anderen deutschen Finanzpartnern, Edelmetallprodukte verkauft.

Dubiose Goldsparpläne

Infinus hat mit den flexiblen Goldsparplänen von Terra Premium offenbar eine Art Karussell aufgezogen. Wie die Branchenzeitschrift "Fonds professionell" bereits Ende September berichtet hatte, soll Infinus diese Sparpläne nicht nur Anlegern, sondern auch dem Mutterkonzern Future Business (Fubus) verkauft haben.

Schematisch soll, das wie folgt gelaufen sein: Pro 100 Millionen Euro Sparvolumen, die der Konzern über Infinus abschloss, wurden die Kosten von 12 Millionen Euro an den - namentlich nicht genannten - österreichischen Anbieter überwiesen. Dieser behalte 100.000 Euro ein und leite den Rest als Provision an Infinus weiter. Dort würden sie als Umsätze verbucht und polsterten die Kasse auf. Da Infinus quasi keine Kosten entstünden, stiege der Gewinn in gleicher Höhe. Dank der Gewinnabführung landeten die 11,9 Mio. Euro schließlich in der Kasse der Mutter. Mit dem Ergebnis, dass die 12 Mio. Euro in der Konzernbilanz als Anschaffungskosten die Sachanlagen erhöhten, die Kasse unterm Strich um nur 100.000 Euro schrumpfe und der Gewinn um 11,9 Mio. Euro steige.

Future Business habe Ende 2012 Edelmetallbestände von 207,3 Mio. Euro ausgewiesen, wovon 187 Mio. Euro auf "vorperiodische Anschaffungsnebenkosten" entfielen. Direkt in Gold und andere Barren seien also nur gut 20 Mio. Euro investiert gewesen, so die Branchenzeitschrift.

Getürkte Verluste

Ohne das Goldgeschäft hätte Fubus im Vorjahr nicht 196 Mio., sondern nur 114 Mio. Euro umgesetzt. Und statt eines Gewinns wäre dem Artikel zufolge ein hoher Verlust zu Buche gestanden. Future Business damals zu dem Magazin: "Das ist so nicht richtig, da wir dann andere Maßnahmen zur Gewinnerzielung ergriffen hätten."

Für Terra Premium jedenfalls ist es ein Schock, sich plötzlich mitten in der Infinus-Affäre zu sehen, wie ein Vertreter des Unternehmens, der nicht namentlich genannt werden wollte, der APA sagte. Man werde der Staatsanwaltschaft detaillierte Unterlagen liefern, um die Vorwürfe zu entkräften. Terra Premium betonte außerdem, dass alle Edelmetalle vorhanden seien. "Niemand fragt nach den Edelmetallen", wundert man sich in Salzburg. Darüber hinaus wollte der Firmenvertreter keine Stellungnahme abgeben, da die Ermittlungen noch laufen.

Salzburger Staatsanwaltschaft involviert

Die Salzburger Staatsanwaltschaft hält sich zur Causa Infinus bedeckt. Zuständig seien die Dresdner Kollegen, die Staatsanwaltschaft Salzburg sei lediglich im Zuge eines Rechtshilfegesuchs tätig geworden, so ein Sprecher am Mittwoch zur APA. Ebenso wenig wollte sich der Dresdner Oberstaatsanwalt Lorenz Haase heute auf Anfrage zu den Vorwürfen im Zusammenhang mit den Goldsparplänen äußern - "aufgrund der laufenden Ermittlungen".

Details zu den internen Geldflüssen nach dem Motto "linke Tasche, rechte Tasche" bei Infinus brachte am Mittwoch das deutsche "Handelsblatt". Die Zeitung hat mit ehemaligen Maklern gesprochen und außerdem Bilanzen mit Hilfe von Experten analysiert. Prinzipiell sei das so abgelaufen: Infinus habe Gewinne aus Provisionen erzielt, die das Unternehmen von der eigenen Mutter Fubus erhalten habe. Am Jahresende habe Infinus diese Provisionen als Gewinne zurück an die Mutter überwiesen. Auf diese Weise seien in den Bilanzen Ausgaben von Fubus in Umsätze verwandelt worden. Kosten der Mutter Fubus seien auf dem Papier so zu Gewinnen der Infinus geworden.

Das Provisionsrad solle bis Anfang 2021 nicht nur bei Gold, sondern auch bei Lebensversicherungen gedreht worden sein. Fubus habe ehemaligen Maklern zufolge lange Zeit Polizzen bei Menschen aufgekauft, die ihre Lebensversicherung zu Geld machen wollten. In der Regel seien die Kunden jedoch nicht ausgezahlt worden, sondern hätten im Gegenzug Orderschuldverschreibungen oder Genussrechte von Fubus-Töchtern erhalten. Fubus habe das Geschäft über die Vertriebstochter Infinus abgewickelt.

Provisionskarussell

Nach Aussage eines früheren Maklers soll das ganze aber wie ein Provisionskarussell funktioniert haben. Denn Fubus habe, so der Ex-Vermittler, seiner eigenen Tochter Infinus Provisionen für den Kauf der Versicherungen und den Verkauf der Orderschuldverschreibungen und Genussrechte gezahlt.

Das Unternehmen äußerte sich gegenüber der Zeitung zu den Vorwürfen inhaltlich nicht. Als Grund wurden die laufenden Ermittlungen angegeben.

Dem Vernehmen nach interessiert sich die Justiz in Dresden vorerst vor allem für die Goldgeschäfte von Infinus. Momentan sind die Ermittler dabei, die Unterlagen, die sie bei den Razzien sichergestellt haben, auszuwerden. "Das dauert seine Zeit", sagte Oberstaatsanwalt Haase.

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