Marc Faber: "Ben Bernanke ist wahnsinnig"

Investment-Guru Marc Faber würde Griechenland aus der Eurozone werfen und hält Aktien grundsätzlich für günstig, rät aber erst nach einer Korrektur zum Einstieg.

FORMAT: Ihre pessimistischen Standpunkte werden heiß diskutiert. Man wirft Ihnen aber auch vor, vor allem provozieren zu wollen. Macht es Ihnen Spaß, Staub aufzuwirbeln?

Marc Faber: Nein. Die meisten Analys­ten empfehlen Aktien immer zur falschen Zeit, nämlich dann, wenn Märkte bereits ein sehr hohes Niveau erreicht haben. Die­se Analysten mache ich darauf aufmerksam, dass die Preise auch fallen können.

Sehen Sie bereits akute Gefahren? Immerhin haben die meisten Aktien­indizes seit Jahresanfang zwischen zehn und zwanzig Prozent zugelegt.

Kurzfristig erwarte ich eine Korrektur. Selbst wenn Aktien immer noch niedrig bewertet sind, ist der Aktienmarkt derzeit überkauft. Investoren, die vor allem Aktien im Portfolio haben, würde ich einen Ausstieg nahelegen. Ich bin aber nicht immer pessimistisch, im Oktober 2011 habe ich zum Beispiel den Einstieg empfohlen.

Welche Gewitterwolken könnten die Laune der Börsianer trüben?

Ich sehe eine besorgniserregende Entwicklung bei den Unternehmensgewinnen in den USA. Die haben neue Rekordstände erreicht. Wenn diese Blase platzt, werden die Aktienmärkte korrigieren. Eine zweite Gefahr geht vom Schuldensumpf der Staaten aus. Ich rechne damit, dass die Zinsen für Anleihen steigen werden.

Aber die Renditen für die europäischen Problemländer sind zuletzt gesunken. Sehen Sie Griechenland mit dem 130-Milliarden-Euro-Paket gerettet, oder ist die Finanzspritze verschwendetes Geld?

Das ist in der Tat verschwendetes Geld. Griechenland ist pleite. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wer zahlt. Am Ende werden es entweder die Gläubiger der Staatsanleihen sein, oder die Bevölkerung muss dafür herhalten.

Haben Sie einen besseren Vorschlag, um den Hellenen zu helfen?

Ich würde sie aus der Eurozone rausschmeißen. Das hätte ich schon vor drei Jahren getan. In der EU sind die Griechen nicht wettbewerbsfähig. Das Land braucht eine Währungsabwertung, um wieder auf die Beine zu kommen. Das ist aber im Euro unmöglich. Deswegen muss Griechenland zurück zur Drachme.

Angenommen, die Griechen kehren zurück zu ihrer alten Währung. Wie würden die Aktienmärkte reagieren?

Fondsmanager und Analysten könnten das als Ausrede dafür benutzen, um aus Aktien auszusteigen.

Aber es ist doch jetzt gerade so, dass die EZB Banken mit Geld über­flutet. Das muss doch investiert werden.

Fakt ist: Notenbanken können nicht bestimmen, wo das Geld hinfließt. Und sie schaffen keinen Wohlstand, indem sie Geld drucken. Die Politik von US-Notenbankchef Ben Bernanke hat sich bereits extrem negativ auf Amerikas Wirtschaft ausgewirkt. Die Lebenssituation der Mittelschicht ist schlechter als vor zehn Jahren, und die Reallöhne sind gefallen. Profiteure des US-Geldregens sind vor allem die Schwellenländer, allen voran China und Indien, unter anderem über höhere Löhne. Relativ gesehen produzieren die USA weniger, während dafür Kapitalinves­titionen in China stattfinden.

Ist jetzt also ein günstiger Zeitpunkt, um in Schwellenländer-Aktien oder Fonds zu investieren?

Aktien in Schwellenländern legten seit Jahresanfang stark zu. Wer einsteigen will, sollte eine Korrektur abwarten. Mir gefallen Unternehmen aus Malaysia, Singapur und Hongkong. Viele zahlen hohe Dividenden zwischen fünf und sieben Prozent. Langfristig halte ich das auf jeden Fall für attraktiv.

Nachdem Sie keine Einzeltitel nennen, verraten Sie uns Ihre Lieblingsbranchen in den Emerging Markets.

Dazu zählen Konzerne aus der Konsumgüter-, Nahrungsmittel- und Immobilienbranche sowie Unternehmen aus dem Gesundheitswesen.

Wie teilen Sie jetzt Ihr Depot auf?

Ich halte je 25 Prozent in Aktien, asiatischen Immobilien, Gold sowie Cash.

Ist der Goldkurs nicht auch schon viel zu hoch, um jetzt einzusteigen?

Es gibt kaum Alternativen, um sich gegen die Inflation zu schützen. Ich empfehle deshalb, monatlich einen Teil des Geldes in physisches Gold zu investieren.

Steuern wir auf eine hohe Inflation zu?

Energie- und Nahrungsmittelpreise sind bereits stärker gestiegen als die Löhne. Wir haben bereits viel Inflation im System, aber ich gebe zu, dass sie bei den Konsumentenpreisen noch nicht richtig­ ­angekommen ist. Ich bin jedenfalls sicher, dass die echte Inflation weit über den von den Politikern publizierten Werten liegt.

Mogeln Politiker absichtlich?

Politiker sind ahnungslos. Durch ihre Eingriffe ist die Krise erst entstanden. Je mehr die Politik eingreift, umso stärker werden auch künftige Schwankungen an den Börsen ausfallen. Laut Einstein sind Menschen wahnsinnig, wenn sie immer wieder das Gleiche machen, aber jedes Mal ein anderes Resultat erwarten. So gesehen sind Leute wie Ben Bernanke wahnsinnig. Gelddrucken als Allheilmittel gegen ganz unterschiedliche Probleme ist Irrsinn.

Gibt es auch Politiker, die Sie schätzen?

Ja, einer der wenigen ist der US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul.

Warum leben Sie eigentlich in Asien und nicht in der Schweiz?

Hier ist es schön, weil ich sehr wenig Besuch bekomme, da habe ich meine Ruhe. Nachdem ich sehr viel reise, brauche ich das. In Hongkong wurde ich Tag und Nacht gestört, weil jeder, der die Stadt besucht, zu mir kommen wollte. Ich lebe seit 30 Jahren in Asien. Die vergangenen zehn Jahre habe ich im Norden von Thailand verbracht.

Sie verwalten 300 Millionen Euro, nehmen aber kein frisches Geld an. Wieso?

Ich bin an der Vermögensverwaltung nicht besonders interessiert. Ich brauche nicht mehr Kunden, als ich habe, und die Menschen, deren Geld ich verwalte, lassen mich in Ruhe. Ich will da niemanden, der mich ständig fragt, was ich mache. Das interessiert mich nicht.

Das Interview führte Carolina Burger

Zur Person
Marc Faber, 66, gilt als Crash-Prophet. Bekanntheit erlangte der studierte Wirtschaftswissenschaftler, weil er die Finanzkrise 2008 vorhersagte. Faber ist zwar in Zürich geboren, lebt aber seit über 30 Jahren in Asien. Er verwaltet 300 Millionen Euro und publiziert den “Gloom, Boom & Doom Report” (www.gloomboomdoom.com).

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