"Ich bin persönlich selbst der größte Geschädigte"

Superfund-Gründer Christian Baha über Renditeprobleme, rückläufige Fondsvolumen, die Verluste durch die MF-Global-Pleite und seine ganz private Geldanlage.

FORMAT: Von den insgesamt 22 Superfund-Produkten lagen in den vergangenen zwölf Monaten 21 im Minus, zwei sogar mit über 40 Prozent. Auch längerfristig verloren Ihre Kunden Geld. So verbuchte zum Beispiel eine Fondsvariante mit mittlerem Risiko, der Superfund B EUR Sicav, seit Start im November 2004 einen Gesamtverlust von 42,6 Prozent. Ist bei Ihren Fonds Sand im Getriebe?

Baha: Leider haben wir damals einen besonders schlechten Auflagezeitpunkt gewählt. Wenn Anleger in einer anderen Phase eingestiegen oder zu einem besseren Zeitpunkt, beispielsweise Februar 2009, ausgestiegen wären, hätten Sie sogar Geld verdient. Es liegt aber auf der Hand, dass die Zeiten für Trendfolger-Fonds momentan sicher sehr schwierig sind. Das sieht man auch bei vergleichbaren Produkten anderer Anbieter. Natürlich freut mich das nicht, ich bin schließlich selbst der größte Kunde meiner Fonds.

FORMAT: Was ist die Ursache für die Flaute? Sind die guten Zeiten für Future-Fonds vorbei?

Baha: Wir denken ständig darüber nach, ob sich die Märkte geändert haben. Ich glaube nach wie vor, dass Trendfolge-Modelle langfristig funktionieren. Die letzten vier Jahre verliefen aber tatsächlich nicht erfreulich. Meine Vermutung ist, dass es in den letzten Jahren zu viele staatliche Einflüsse auf die Märkte gegeben hat. Als zum Beispiel 2011 die Schweizer und die japanische Notenbank intervenierten, um den Franken- beziehungsweise Yen-Kurs massiv zu senken, führte das zu Verlusten in unseren Fonds.

FORMAT: Die Staaten werden wohl auch in den nächsten zehn Jahren in die Märkte eingreifen. Vielen Anlegern dauert schon jetzt die Phase sinkender Kurse zu lang. Wie reagieren Sie auf die neue Situation?

Baha: Wäre ich nur ein Außenstehender, wäre mir die Durststrecke vielleicht auch zu lang. Aber ich weiß, dass wir auf Hochtouren an der Weiterentwicklung unserer Systeme arbeiten. Ich bin überzeugt, dass Trendfolge noch immer sehr gut funktioniert. Aufgrund der hohen Volatilität in den Märkten werden wir kurzfristige Systeme verstärkt einsetzen.

FORMAT: Viele Kunden interessiert das offenbar nicht mehr, und sie haben ihre Anteile verkauft. Superfund musste deshalb die rasante Expansion, etwa nach Amerika und Asien, stoppen. Wie viele Verkaufsbüros sind noch geblieben?

Baha: Zwölf. Was nicht profitabel war, wurde geschlossen. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von neuen Handelssystemen anstatt auf die Eröffnung neuer Büros.

FORMAT: Früher sprachen Sie von einem Gesamtvolumen in allen Fonds von zwei Milliarden Dollar. Wie viel Volumen verwalten Sie heute noch?

Baha: 820 Millionen Dollar, davon etwa 150 Millionen in der neuen Aktienstrategie Blue.

FORMAT: Unter der Bezeichnung Blue laufen Produkte, die mit Aktien long oder short gehen. Ausgerechnet die Variante "Superfund Blue Marktneutral“, die in Österreich für Kleinanleger gedacht war, geriet rasch in die roten Zahlen und wurde nach etwas mehr als einem Jahr Laufzeit wieder aufgelöst. Warum?

Baha: Das Fondskapital wurde zu klein, weil zwei Großkunden in den Superfund Blue SPC gewechselt sind.

FORMAT: Aber Sie haben doch viele Kleinkunden, reichte das nicht aus?

Baha: Nein. Der Fonds hat von Anfang an nicht performt und konnte mit dem Flaggschiffprodukt, dem Superfund Blue SPC, nicht mithalten. Dieser wurde schon mehrfach von Barclay Hedge als bester aktienmarktneutraler Fonds ausgezeichnet und hat andere Möglichkeiten, zu investieren. Die meisten Blue-Kunden haben unser Umstiegsangebot in andere Superfund-Produkte angenommen.

FORMAT: Im Jahr 2007 hatten Sie die Idee, Fondskurse an den Goldpreis zu koppeln. Lange Zeit war die Wertentwicklung wegen des steigenden Goldpreises recht erfolgreich. Aber selbst die Produktschiene Superfund Gold rennt nicht mehr wie früher. In den vergangenen zwölf Monaten gab es Verluste von bis zu 25 Prozent. Woran lag das?

Baha: Seit seiner Auflage im Jahr 2007 erzielte der Superfund Blue Gold 200 Prozent Plus in viereinhalb Jahren oder 28,3 Prozent per annum.

FORMAT: Wie groß ist die Chance, dass von dem verschwundenen MF-Geld noch etwas an Ihre Kunden zurückfließt?

Baha: Je nach Fonds sind bereits bis zu 40 Prozent der fehlenden MF-Gelder zurückgeflossen, und wir gehen davon aus, dass wir den Großteil zurückbekommen werden. Unsere Anwälte arbeiten mit Hochdruck daran.

FORMAT: Versicherungen haben zum Beispiel im Fall der Lehman-Bank-Pleite, für den die Assekuranzen auch nichts konnten, kulant gehandelt. Überlegen Sie, Ihre Kunden für einen verbleibenden MF-Verlust zu entschädigen?

Baha: Ich bin persönlich selbst der größte Geschädigte, bei mir macht das einen hohen einstelligen Millionenbetrag aus.

FORMAT: Auch bei Ihrem Börseninformationsanbieter TeleTrader läuft es nicht rund, jetzt wird die Aktie sogar von der Wiener Börse zurückgezogen. Was ist passiert?

Baha: TeleTrader ist mit seinen Börsenportalen im Bankenbereich und seiner iPhone-App Marktführer in Österreich. Der Streubesitz ist aber mit einem Prozent verschwindend klein, deshalb haben wir uns zu dem Schritt entschlossen.

FORMAT: Nachdem die Aktie jahrelang abbröckelte, hat sich der TeleTrader-Kurs an einigen Tagen verdoppelt. Geht alles mit rechten Dingen zu?

Baha: Das passierte auf Basis von ein paar gehandelten Stücken. Aufgrund des geringen Streubesitzes können bereits kleine Orders zu einer großen Kursänderung führen. Deshalb macht eine Börsennotiz keinen Sinn mehr.

FORMAT: Wie legen Sie jetzt Ihr eigenes Geld an?

Baha: Den größten Teil bei Superfund in Green-Gold- und Blue-Gold-Fonds. Außerdem in biologischen Landwirtschaften und physischen Edelmetallen.

FORMAT: Sind Sie so sehr überzeugt, dass Gold weiter steigt?

Baha: Im Gegensatz zu Geld, das einfach gedruckt werden kann, lässt sich Gold nicht künstlich vermehren. Natürlich kann Gold noch weiter korrigieren. Aber solche temporären Marktschwankungen nutze ich zum Nachkauf.

FORMAT: Wo leben Sie jetzt?

Baha: Ich bin hauptsächlich in Monaco, New York und Los Angeles zuhause. Im Schweizer Kanton Thurgau besitze ich außerdem einen 50-Hektar-Biobauernhof. Dort werden Getreide und Wein erzeugt sowie Pferde gehalten. Es dauert noch drei Jahre, bis das Schweizer Gut, das unter Denkmalschutz steht, umgebaut ist. Wenn es fertig ist, will ich dort leben.

FORMAT: Sie sprachen von Landwirtschaften in der Mehrzahl. Sind Sie auch schon in Österreich engagiert?

Baha: Bisher habe ich hier noch nichts Passendes gefunden. Ich besitze aber eine Rinderfarm in Uruguay und Agrarland in Serbien und Rumänien. Ich verdiene zwar derzeit kein Geld damit, aber dafür ist es eine krisenfeste Anlage.

FORMAT: Die Spekulation mit landwirtschaftlichen Rohstoffen halten Kritiker für mitverantwortlich für extreme Preissteigerungen von Lebensmitteln in Schwellenländern. Einige deutsche Banken haben derartige Investments bereits gestoppt. Überlegen Sie auch bei Superfund Ähnliches?

Baha: Mit Futures kann man long und short gehen, sie sind daher nicht für fallende und schon gar nicht für steigende Preise verantwortlich. Wirklich preistreibend sind fundamentale Gründe wie die Bevölkerungsexplosion auf sieben Milliarden Menschen, der Einsatz von Nahrungsmitteln in Biotreibstoffen und vor allem die hohe Inflation der Papierwährungen.

FORMAT: Trotzdem können Trendfolger-Investments kurzfristige Preisspitzen noch verstärken.

Baha: Nein, wir verstärken keine Trends, aber wir fahren im Zug mit. Systematische Trendfolger sind volkswirtschaftlich von Bedeutung, da sie preisstabilisierend wirken und Liquidität zur Verfügung stellen. Die Hauptgründe für die steigenden Agrarpreise sind die milliardenschweren Finanzspritzen.

Zur Person: Christian Baha, 43, begann 1992 mit der Entwicklung von Börsensoftware für private Investoren. 1995 folgte das Software-Unternehmen TeleTrader. 1996 startete Baha mit der Superfund Q-AG seinen inzwischen geschlossenen Trendfolge-Flaggschiff-Fonds, der seit Fondsstart 480 Prozent Gewinn erzielte.

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik