Das war's: Die zehn größten Firmenpleiten 2015

Das war's: Die zehn größten Firmenpleiten 2015

Die Supermarktkette Zielpunkt führt das Pleiten-Ranking 2015 an.

Die Zielpunkt-Pleite war definitiv der spektakulärste Einzelfall im Insolvenzjahr 2015. Doch es traf auch Unternehmen zahlreicher anderer Branchen wie Hotels, Papiergroßhandel, Bekleidungsunternehmen und Baugesellschaften. Die zehn größten Unternehmensinsolvenzen des Jahres im Überblick.

2015 war kein Rekord-Pleitenjahr: Die Zahl der Unternehmenspleiten ging laut KSV1870 sogar um fünf Prozent auf 5.150 zurück. Dennoch wirft die Zielpunkt-Pleite mit 2.700 betroffenen Mitarbeitern einen langen Schatten in der Statistik. Die zehn größten Insolvenzen des Jahres machen rund ein Viertel - 581,3 Millionen Euro - der Gesamtsumme der Passiva von 2,4 Milliarden Euro aus. Hier die größten Pleiten im Überblick.

1) Zielpunkt GmbH

Am Montag, den 30. November, wurde am Wiener Handelsgericht das Schicksal der Supermarktkette Zielpunkt besiegelt. Der Eigentümer, die Pfeiffer HandelsgmbH, mit Sitz in Traun hat wie angekündigt den Konkursantrag für die Kette mit 229 Filialen und 2.700 Mitarbeitern eingebracht. Von der Pleite betroffen sind rund 750 Gläubiger. Die Passiva liegen bei rund 237 Millionen Euro. Gemessen an den Insolvenzschulden ist die Zielpunktpleite die drittgrößte Handelspleite nach Konsum (2,7 Milliarden Euro) und Libro (455 Millionen Euro) seit 1992.

Die Supermarktkette hatte 2014 und 2013 jeweils 12 Millionen Euro Verlust gemacht. Im Oktober 2015 sind Umsatz und Betriebsergebnis (EBIT) laut eigenen Angaben merklich eingebrochen. Bis zum Geschäftsjahr 2020/21 hätte das Unternehmen keine schwarzen Zahlen geschrieben, hieß es auf Seiten von Zielpunkt.

2) Biso Schrattenecker GmbH

Es begann mit einem Streit mit einem Geschäftspartner und gipfelte in einem Lieferstopp von Landmaschinen. Dies führte bei der oberösterreichischen Landmaschinenfirma Biso Schrattenecker im Juli zur Insolvenz und insgesamt 68,3 Millionen Passiva. Die Firma mit Sitz in Ort im Innkreis handelte mit neuen und gebrauchten Mähdreschern, Traktoren und Erntegeräten für die Landwirtschaft.

Biso Schrattenecker handelte unter anderem mit Mähdreschern der Firma "New Holland".

3) QuadraCir Beteiligungs GmbH

Auf Platz drei liegt mit 55,2 Millionen Euro die QuadraCir Beteiligungs GmbH mit Sitz in Ohlsdorf (Gmunden). In ihr sind zu verkaufende Teile des in Restrukturierung befindlichen Asamer-Firmengeflechts gebündelt. Die Gesellschaft ist selbst nicht operativ tätig und es sind auch keine Beschäftigten betroffen.

Das Landesgerichts Wels habe in einem Rechtsstreit, in dem es um eine Vereinbarung aus den 1990er-Jahren ging, dem Exekutionsantrag des Prozessgegners stattgegeben, so QuadraCir. Dadurch sei die Liquidität "erheblich blockiert" worden, Vergleichsgespräche seien gescheitert. Daher stellte die QuadraCir Beteiligungs GmbH im November beim Landesgericht Wels einen Antrag auf Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung.

4) Hanlo Firmengruppe

Schlichter Bungalow oder große Familienvilla, rund 10.000 Häuser realisierte die Hanlo Fertighaus Gesellschaft seit ihrer Gründung 1975 in Österreich und Deutschland. Anfang Mai wurde der Branchen-Pionier mit Sitz in Graz zahlungsunfähig, die Passiva betragen 44,3 Millionen Euro.

Die Ursache für die Insolvenz war ein zunehmender Verdrängungswettbewerb am österreichischen Markt. Daher musste die Firma Auftragsrückgänge verzeichnen. Hinzu komme laut eigenen Angaben, dass Banken weniger Kredite an Häuslbauer vergeben und daher auch weniger Eigenheime gebaut würden. Weiters war das Unternehmen mit hohen Vorfinanzierungskosten bei zwei Großprojekten - ein mehrgeschossiges Wohnbauprojekt im Ausland und eine Wohnsiedlung in Graz - konfrontiert. Bei diesen beiden Bauvorhaben war es durch Unwetter im Frühjahr 2015 zu Verzögerungen gekommen.

5) Bäckereigruppe Pan & Co

Insgesamt acht Firmen traf die Großinsolvenz der Bäckeregruppe Pan & Co mit 39 Millionen Euro Passiva im Juni. Darunter auch die traditionsreiche, 1916 gegründete Ring Bäckerei und die Konditorei Blaschke in Linz. Der Bäckerei-Branche macht vor allem die Konkurrenz von Supermärkten und Discountern mit eigenen Backshops zu schaffen.

Bäckereien haben durch Backshops in Discountern erhebliche Konkurrenz bekommen.

6) Rosenthal KG

Mitte Juli schlitterte die Rosenthal KG der Brüder Thomas, Christian und Georg Rosenthal mit 30 Millionen Euro in die Pleite. Die Firma mit Sitz in Wien vermietete und verpachtete Liegenschaften. Die Pleite ist eine Folge der Insolvenz der AWI Tankstellenkette im Jahr 2014.

7) Schirnhofer GmbH

Die Zielpunkt-Pleite riss Anfang Dezember auch den steirischen Fleischverarbeiter Schirnhofer in die Insolvenz. Schirnhofer belieferte Zielpunkt mit Fleisch- und Wurstwaren - der Umsatz mit der Supermarktkette machte rund 37 Prozent des Umsatzes aus. Die Passiva belaufen sich auf 29 Millionen Euro. 269 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

8) Teak Holz International AG

Das Geschäftsmodell der Linzer Teak Holz International AG (THI) stand von Anfang an auf wackligen Beinen. Teakbäume in Costa Rica sollten den Anlegern als "wachsendes Investment" eine steigende Rendite liefern. Doch neun Jahre und einige Schlagzeilen später sitzt das Unternehmen auf rund 27,9 Millionen Euro Schulden. Im September wurde am Landgericht Linz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingebracht.

Teak Holz International scheiterte mit der Idee, Teak Bäume in Costa Rica als Investment zu verkaufen.

9) FMT Firmengruppe

25,8 Millionen Euro betragen die Passiva der Welser Ferro Montage Technik Gruppe, die mit insgesamt vier Konzerngesellschaften im September in die Pleite schlitterte. Der von Kunstsammler Heinz Angerlehner gegründete Anlagenmonteur nennt Liquiditätsprobleme als Grund für den Antrag auf Sanierung. 516 Mitarbeiter sind betroffen.

10) IASON GmbH

Auf den Handel mit Laborbedarf war die steirische IASON-Gruppe spezialisiert. Mitte Juli rutschten die beiden Gesellschaften jedoch in die Insolvenz: Die Passiva betragen 24,8 Millionen Euro, insgesamt sind 80 Dienstnehmer betroffen.

Als Ursache für die Insolvenz ist eine aufwendige Logistik angeführt: Die hergestellten Produkte haben eine kurze Haltbarkeit - die physikalische Halbwertszeit liegt bei 110 Minuten -, weshalb ein Transport der Ware über den Luftverkehr abgewickelt wurde. Kunden im Raum Zentraleuropa und Süditalien wurden versorgt. Vier Kleinflugzeuge wurden dafür angeschafft, was mit erheblichen Kosten verbunden war. Diese mussten aber im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 mit Verlusten abgestoßen werden. Die Altlasten konnten bisher nicht abgebaut werden.

Weitere Informationen und Gläubiger-Beratung bietet der Kreditschutzverband KSV1870.

Bonität

Designer muss nach Privatkonkurs nur 10 Prozent zurückzahlen

Bonität

Kreditversicherung schützt vor Zahlungsausfall

Teakholz-Plantage der TEAK HOLZ INTERNATIONAL AG

Bonität

Teak Holz zieht Sanierungsplan zurück - jetzt Konkursverfahren