Ölpreis stürzt ab - Goldman Sachs: 20-Dollar-Marke könnte fallen

Ölpreis stürzt ab - Goldman Sachs: 20-Dollar-Marke könnte fallen
Ölpreis stürzt ab - Goldman Sachs: 20-Dollar-Marke könnte fallen

US-Präsident Barack Obama zu Besuch bei einer Ölförderanlage in New Mexico.

Der Kampf der Förderländer um Marktanteile treibt den Ölpreis von einem Tief zum nächsten. Die Opec-Staaten fluten den Weltmarkt mit Öl, um Konkurrenten mit höheren Förderkosten aus dem Markt zu drängen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Daher erwarten die Experten von Goldman Sachs, dass sich der Preis für die US-Ölsorte WTI 2016 auf 20 Dollar je Barrel (159 Liter) nahezu halbiert.

"Bei einem milden Winter, einem langsameren Wachstum in den Schwellenländern und der potenziellen Aufhebung der Iran-Sanktionen könnten die Lagerbestände weiter steigen", warnen sie. Goldman-Analysten gelten als besonders kompetent, weil sie bei ihren Preis-Prognosen häufig richtig lagen und die US-Großbank ein großer Player im Handel mit dem "schwarzen Gold" ist.

Aktuell kosten WTI und die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee mit knapp unter 35 und etwa 37 Dollar so wenig wie zuletzt vor sieben Jahren. Vergangene Woche ist der Rohölpreis um fast 11 Prozent abgesackt, das war das größte Minus binnen eines Jahres. Seit Juni 2014 ist der Ölpreis um mehr als 60 Prozent eingebrochen - sowohl die Sorte WTI als auch Brent lagen oberhalb der 100-Dollar-Marke.

Analysten: Geringere US-Förderung stabilisiert Ölpreis

Mit ihrer Ölpreis-Prognose liegen die Goldman-Analysten aber weit weg von der Mehrheitsmeinung. Im Schnitt sehen die von Reuters befragte Analysten den Brent-Preis im kommenden Jahr bei 57,90 Dollar und WTI bei 52,80 Dollar. Stefan Kreuzkamp, Chefstratege bei der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank (AWM), begründet seine Erwartung eines anziehenden Ölpreis mit der rückläufigen Förderung von Schieferöl in den USA. Ähnlich argumentieren die Experten der Commerzbank, die gegen Jahresende 2016 einen Brent-Preis von 63 Dollar vorhersagen. Weil die Zahl der aktiven Bohrlöcher in den USA seit Oktober 2014 um zwei Drittel gesunken sei, dürfte die globale Ölproduktion im kommenden Jahr trotz eines größeren Angebots aus dem Iran nicht mehr steigen. Weltweit wurden dem Ölindustrie-Dienstleister Baker Hughes zufolge bis November knapp die Hälfte aller Bohrungen stillgelegt.

Dieser Einschätzung widerspricht die Internationale Energieagentur (IEA). Deren Experten gehen davon aus, dass die Opec-Staaten ihre Ölförderung 2016 um 1,6 auf 31,3 Millionen Barrel pro Tag steigern. Gleichzeitig werde die Fördermenge der nicht im Kartell vertretenen Länder nur um 600.000 Barrel zurückgehen. Daher werde trotz der rückläufigen Fördermengen in den USA das Angebot die Nachfrage noch bis mindestens Ende 2016 übersteigen.

709 Bohrtürme sind in den USA aktiv (Stand: 11. Dezember). 2014 lag ihre Zahl zur selben Zeit noch bei 1.893.

Neuer Öl-Boom in den USA

Ein Grund für das weltweite Überangebot an Rohöl ist der Schieferöl-Boom in den USA. Dabei wird der Rohstoff mit Hilfe des umstrittenen Fracking-Verfahrens unter hohem technischen und finanziellen Aufwand aus dem Gestein gelöst. Einige Opec-Staaten wie Saudi-Arabien wollen aber anders als in früheren Jahrzehnten die Preise nicht mit Förderkürzungen stabilisieren. Sie fahren stattdessen die Produktion hoch und gewähren Kunden Rabatte, um ihre Marktanteile zu verteidigen und Konkurrenten mit höheren Förderkosten aus dem Markt zu drängen. Anfang Dezember betonte das Kartell, an dieser Politik festzuhalten und den Weltmarkt weiter mit Öl zu fluten.

Dem Sog des Ölpreis-Verfalls können sich andere Energieträger wie Erdgas nicht entziehen. Der US-Terminkontrakt notiert mit 1,89 Dollar je Millionen BTU auf einem 14-Jahres-Tief. Kohle ist mit 44 Dollar je Tonne so billig wie zuletzt vor gut zwölf Jahren. Der Preis für eine Megawattstunde Strom kostet an der Strombörse EEX mit 27,85 Euro so wenig wie noch nie.

Das Leid der Ölkonzerne

Den Rohstoff-Konzernen macht dieser Preisverfall schwer zu Schaffen. Allein der Börsenwert der Ölförderer schrumpfte in den vergangenen eineinhalb Jahren um insgesamt mehr als eine Billion Dollar. Das entspricht in etwa der aktuellen Marktkapitalisierung der 30 Dax -Werte und übersteigt die jährliche Wirtschaftsleistung der Niederlande.

Die rückläufigen Energiepreise dämpfen außerdem die Inflation. Dies zwingt die Europäische Zentralbank (EZB) dazu, mit immer neuen Geldspritzen die Teuerungsrate in Richtung ihrer Zielmarke von knapp zwei Prozent zu treiben. Sonst droht die sogenannte Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen.

Der Ölpreis-Verfall sei aber auch ein Konjunkturprogramm, betont Elga Bartsch, Chefvolkswirtin von Morgan Stanley. Unternehmen bleibe schließlich mehr Spielraum für Investitionen und Verbrauchern mehr Geld für den Konsum. "Das wird 2016 so bleiben." Auf 13,5 Milliarden Euro beziffert Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes in der "Bild am Sonntag" die Ersparnis für die deutschen Verbraucher im laufenden Jahr. 2016 werden wohl weitere Milliarden hinzukommen: Der Dieselpreis ist an vielen Tankstellen wieder unter die Marke von einem Euro gerutscht.

Förderländer unter Druck

Zu den Leidtragenden zählen auch die Förderländer, deren Haupteinnahme-Quelle der Export von Öl ist. Besonders hart trifft es Russland, dessen Wirtschaft zusätzlich unter den westlichen Sanktionen wegen dessen Rolle in der Ukraine-Krise leidet. Der Moskauer Aktienmarkt und der Rubel brachen seit dem Sommer 2014 um etwa die Hälfte ein. Die nigerianische Währung Naira büßte etwa 20 Prozent ein. Beide Länder benötigen Ölpreise deutlich über 100 Dollar, um ihre Haushalte auszugleichen.

Ähnliches gilt für Venezuela, dessen Deviseneinnahmen zu 96 Prozent aus dem Rohstoff-Export stammen. Wegen des Ausverkaufs bei den Staatsanleihen des südamerikanischen Landes liegen die Renditen etwa doppelt so hoch wie Mitte 2014. Gleichzeitig stürzt die venezolanische Währung ab. Auf dem Schwarzmarkt müssen für einen Dollar mehr als 850 Bolivar gezahlt werden, offiziell dagegen nur etwa 6,28 Bolivar. Wegen der Wirtschaftskrise eroberten die Konservativen Anfang Dezember erstmals seit 16 Jahren wieder die Parlamentsmehrheit in Caracas.

Die Aktienbörsen der Opec-Staaten Saudi-Arabien oder Kuwait notieren derzeit auf Drei- und Elf-Jahres-Tiefs. Diese Staaten machen allerdings dank ihrer niedrigen Förderkosten mit ihren Exporten noch Gewinn. Außerdem könnten die Regierungen in Riad und Kuwait City Einnahme-Ausfälle mit ihren dicken Finanzpolstern abfedern, betonen Experten.

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