Münchner Rück bereitet sich auf Euro-Crash vor

Münchner Rück bereitet sich auf Euro-Crash vor

Beim weltgrößten Rückversicherungskonzern Münchner Rück laufen die Computer heiß. Risikoszenarien werden durchgerechnet, Notfallpläne ausgearbeitet. Konzernchef Jeworrek warnt vor harten Zeiten für die Versicherungsbranche.

Die Münchener Rück trifft Vorkehrungen für einen Kollaps der Euro-Zone und zeichnet ein düsteres Bild der Versicherungsbranche im kommenden Jahr. "Wir bereiten unser Unternehmen auf alles vor", sagte Torsten Jeworrek, Vorstand beim weltgrößten Rückversicherer, am Sonntag beim Branchentreffen in Monte Carlo. Es gebe momentan zahlreiche Risiko-Szenarien. Neben einer Kombination der historisch niedrigen Zinsen und plötzlich steigender Inflation gehöre ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu den gefährlichsten. Neue Turbulenzen an den Börsen wären die Folge, weitere Abschreibungen ebenso.

Jeworrek sagte, der Dax-Konzern stricke an Notfallplänen, um die Risiken zu minimieren. Kundenverträge würden auf ihre Währungsklauseln überprüft, Liquiditätspläne für den Ernstfall erarbeitet. Das Engagement in den schuldengeplagten Ländern werde begrenzt. Die Kapitalanlagen von mehr als 200 Milliarden Euro würden noch stärker gestreut und keinesfalls zu große Risiken im Tagesgeschäft eingegangen. Mittelfristig müssten Sparprodukte mit festen Garantien - Lebensversicherungen der Düsseldorfer Tochter Ergo zum Beispiel - modifiziert werden. Die den Kunden versprochenen Renditen seien derzeit an den Märkten nicht zu verdienen. Bisher lägen die daraus resultierenden Risiken allein bei den Anbietern. Das müsse auf den Prüfstand.

Früher haben viele Assekuranzen operative Schwächen mit den damals noch hohen Kapitalmarkteinnahmen aufgefangen. Doch die Anlage der Policen-Gelder ist in der Finanz- und Schuldenkrise zu einem großen Problem geworden. Viele Staatsanleihen bringen nur noch eine Mini-Rendite oder sind nach schmerzhaften Abschreibungen auf griechische Bonds zu riskant geworden. Die Folge: Versicherer müssen sich mit viel niedrigeren Renditen als in der Vergangenheit begnügen und suchen fieberhaft Alternativen wie Immobilien oder Windparks, die als Anlageziel nicht zu riskant sind, aber mehr Gewinn abwerfen.

PREISERHÖHUNGEN VORERST NICHT DRIN

Die gesamte Branche müsse angesichts der Euro-Krise ihre Abhängigkeit von Kapitalanlagen reduzieren, erklärte Jeworrek. "Die entscheidende Frage wird sein, wie schnell und in welchem Ausmaß es den Erst- und Rückversicherern gelingen wird, das niedrige Zinsniveau in ihre Preisberechnungen einzubeziehen." Die Rückversicherer, die trotz Turbulenzen an den Börsen und extrem hohen Naturkatastrophen-Lasten im Jahr 2011 noch immer auf dicken Kapitalpolstern sitzen, wollen dieses Argument für weitere Preiserhöhungen nutzen. Risiko-Szenarien wie der Austritt eines Euro-Landes, Staatspleiten oder eine sprunghaft steigende Inflation müssten dort berücksichtigt werden.

Zuletzt hatten viele Rückversicherer vor allem in den stark von Großschäden betroffenen Gebieten wie Japan, Australien, Neuseeland oder den USA Preiserhöhungen bei ihren Kunden - den Erstversicherern - durchsetzen können. Weil 2012 bisher aber vergleichsweise ruhig verlaufe und ausreichend Angebot im Markt zur Verfügung stehe, dürften die Preise und Konditionen bei der anstehenden Neuverhandlung der Kundenverträge zum 1. Januar 2013 weitgehend stabil bleiben, so Jeworrek. "Das gilt auch für das Naturkatastrophengeschäft, sofern größere Schadenereignisse im letzten Quartal des Jahres 2012 ausbleiben."

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