"Irgendwann wird der Markt sagen: Wir wollen Euer Papiergeld nicht mehr"

"Irgendwann wird der Markt sagen: Wir wollen Euer Papiergeld nicht mehr"

“Die quantitative Lockerung geht irgendwann zu Ende”, sagte Jim Rogers, Chairman von Rogers Holdings in einem Interview in Kuala Lumpur.

“Entweder wachen die Notenbanker auf, finden sich mit der Realität ab und hören auf mit diesem Schwachsinn, überall auf der Welt Geld zu drucken - oder der Markt wird sagen: Wir wollen Euer Papiergeld nicht mehr.”

Aktien in aller Welt haben in diesem Monat Verluste erlitten, nachdem Ben Bernanke, der Leiter der amerikanischen Notenbank, am 22. Mai angedeutet hatte, die Fed werde möglicherweise die Aufkäufe von Anleihen reduzieren, die die Nachfrage nach Anlageformen mit höherem Ertragspotenzial gefördert haben. In Japan brach der Nikkei am Donnerstag um 6,4 Prozent ein, nachdem die Bank von Japan keine weiteren stimulierenden Maßnahmen beschlossen hatte.

Rogers verkauft US-Dollar

Rogers sagte, er habe im Mai japanische Aktien abgestoßen. Er kaufe den Euro und den Schweizer Franken, sagte er, und verkaufe US- und australische Dollar, da die Europäische Zentralbank weniger Geld drucke als ihre Pendants in anderen wichtigen Währungsräumen. Bei den Rohstoffen sieht Rogers Kaufgelegenheiten in Bereichen, in denen bei den Preisen “Depression” herrsche, wie etwa bei Zucker.

“Ich würde mir zunächst Dinge ansehen, bei denen Depression herrscht, und nicht solche, deren Preise in die Höhe schießen”, sagte er im Interview.

Bei einer Ansprache auf einer Konferenz in Kuala Lumpur sagte Rogers, er kaufe noch kein Gold, da der Markt eine Korrektur brauche und der Preis für das Edelmetall noch keinen festen Boden erreicht habe.

JPMorgen bis Barclay's: Die Lemminge raten zu Aktien

Anders als Rogers raten die größten Anleihehändler der Wall Street ihren Kunden, aus den meisten Festverzinslichen auszusteigen und in US-Aktien umzuschichten. Die Bedenken im Hinblick auf einen bevorstehenden Abbau der expansionsfördernden Maßnahmen der amerikanischen Notenbank setzen die Anleihemärkte unter Druck wie zuletzt 2011.

JPMorgan Chase, seit 2007 die aktivste Konsortialbank bei der Emission von Unternehmensanleihen, schloss sich vergangene Woche Barclays, der Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs an und gab Aktien den Vorzug gegenüber Anleihen. Die Erträge aus Aktien übertreffen diejenigen von Unternehmensanleihen so deutlich wie seit mindestens 1997 nicht mehr. Der Bank of America Merrill Lynch U.S. Corporate & High Yield Index hat seit Jahresbeginn 0,73 Prozent eingebüßt. Dem steht ein 15,1-Prozent-Anstieg beim Aktienindex Standard & Poor’s 500 gegenüber.

Die Anfälligkeit von Anleihen gegenüber einem etwaigen Entzug der Stimulierungsmaßnahmen, mit denen die Fed seit 2008 über 2,5 Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt hat, betrifft Treasuries ebenso wie Junkbonds. Anleihen sind “weiterhin am engsten an die Suche nach Rendite gekoppelt” und unterliegen bei steigenden Zinsen einer höheren Volatilität als Aktien, schrieben die Strategen von JPMorgan um Jan Loeys in einer Studie vom vergangenen Freitag.

“Inzwischen sehen wir ein bisschen Umschichtung weg von Anleihefonds”, sagte Hans Mikkelsen, Leiter Investmentgrade- Kreditstrategie bei Bank of America in New York. Er hält “eine sehr schnelle Umstellung bei der Anlageallokation bei Privatanlegern” für denkbar, “mit der die Institutionellen nicht Schritt halten können.”

Zwischen dem 22. Mai - dem Tag, an dem der Fed-Vorsitzende Ben S. Bernanke vor Kongressabgeordneten andeutete, dass die Notenbank in einer ihrer nächsten Sitzungen mit der Verringerung der Stimulierungsmaßnahmen beginnen könnte - und dem 11. Juni gaben Dollaranleihen von Unternehmen aller Bonitätsklassen um 2,2 Prozent nach.

Die Volatilität von Treasuries ist laut dem MOVE Index von Bank of America Merrill Lynch seit dem am 9. Mai erreichten Tiefstand von 48,87 um 68 Prozent geklettert, auf 82,3.

Die Heftigkeit der Marktreaktion auf das “pure Ansprechen” eines Abbaus des Anleihekaufprogramms der Fed gebe “eine Vorstellung davon, wo die Anfälligkeiten gegenüber einer tatsächlichen Umkehr der Geldpolitik liegen”, schrieben die JPMorgan-Strategen, die vom Fachmagazin “Institutional Investor” im vergangenen Jahr als bestes Anleiheteam eingestuft wurden. “Aktien gegenüber Anleihen im Allgemeinen überzugewichten, ist die offensichtlichste Konsequenz.”

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge