"Für Gold hätte es kein besseres Wahlergebnis geben können"

"Für Gold hätte es kein besseres Wahlergebnis geben können"

Die Wahl ist geschlagen: Was jetzt auf Barack Obama und die US-Regierung zukommt, was das mit der "Fiskalklippe" genau auf sich hat und warum der Aktien- und Staatsanleihenmarkt von der Wiederwahl Obamas profitiert, und es für Gold nicht besser ausgehen hätte können, fasst das FORMAT nochmal zusammen.

Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Der Immobilienmarkt erholt sich. Die Konsumenten bauen ihre Schulden ab. Und die großen Banken sehen relativ gesund aus. Trotz aller Kritik der Republikaner und des Herausforderers Mitt Romney an der Wirtschaftspolitik des neuen, alten Präsidenten Barack Obamas: Die US-Konjunktur hat heute mit jener, die Obama vor vier Jahren geerbt hat, nichts mehr gemeinsam. Es werden keine Jobs mehr abgebaut, sondern neue geschaffen. Im Schnitt mit einer Rate von monatlich 157.000. Die US-Wirtschaft wächst jährlich etwa zwei Prozent.

Freilich kann von einem Aufblühen oder gar von einem Boom keine Rede sein. Die US-Wirtschaft wächst, aber leider bereits seit März weniger als im historischen Schnitt. Und bekanntlich schwebt das Schreckgespenst "Fiscal Cliff" über der Konjunktur. Die "Fiskalklippe" – sollte die US-Wirtschaft bildlich gesprochen von ihr herunterstürzen wäre mit großer Wahrscheinlichkeit eine Rezession die Folge. Der Hintergrund: Republikaner und Demokraten konnten sich noch nicht einigen, wie der tiefrote Staatshaushalt saniert werden soll. Schaffen sie zum Jahresende keinen Kompromiss, steht der große Knall bevor.

Was ist bloß diese "Fiskalklippe"?

Denn 2013 wird das US-Staatsdefizit nach derzeitigem Stand um rund 665 Milliarden Dollar reduziert. Und zwar automatisch: Zum Jahreswechsel laufen nämlich viele Steuererleichterungen aus. Zudem treten nächstes Jahr automatische Ausgabenkürzungen und neue Steuern im Gesundheitswesen in Kraft. Die Steuererleichterungen hatten zum Teil noch die Republikaner unter Ex-Präsident George W. Bush vor rund zehn Jahren beschlossen. Auch die Regierung unter Barack Obama entlastete die Bürger 2009 mit einem Konjunkturpaket. In Summe ist von Ausgabenkürzungen und Steuererleichterungen von rund vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes die Rede. Passionierte Haushälter würden zwar freudig in die Hände klatschen, aber mit so einer Sanierung auf einen Schlag würde sich die Wirtschaft übernehmen. Denn dies würde den für die USA so wichtigen privaten Konsum abwürgen und die Investitionen der Firmen mächtig bremsen.

Die Haushaltspolitik in den USA stellen nach Ansicht der Wirtschaftsweisen Deutschlands sogar eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar. Wegen der sogenannten "fiskalischen Klippe" sei nicht auszuschließen, "dass deutliche Wachstumseinbußen in den Vereinigten Staaten in dem derzeit fragilen Umfeld zu einem globalen Unsicherheitsschock führen, der die Investitionstätigkeit weltweit einbrechen ließe", erklärte der Sachverständigenrat in seinem am Mittwoch veröffentlichten Jahresgutachten für die Bundesregierung.

Der Punkt ist jedenfalls, dass die USA seit dem Konjunktureinbruch 2009 laut RBI ein Haushaltsdefizit von durchschnittlich neun Prozent gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt fahren. Die Staatsverschuldung ist in dieser Zeit um 35 Prozentpunkte (!) auf über 100 Prozent geklettert. "Solche Defizite sind selbstverständlich nicht nachhaltig, eine Haushaltskonsolidierung dringend notwendig", schreibt RBI-Analyst Jörg Angelé in einer Aussendung. Abgesehen von dieser mittel- bis langfristig anzugehenden Haushaltssanierung ist das drängendste Problem aber nun einmal die Anfang 2013 drohende fiskalische Klippe. Doch eine rasche Einigung auf die Entschärfung dieser Schuldenbremse darf angesichts der festgefahrenen Fronten zwischen Demokraten und Republikanern laut Angelé aber bezweifelt werden.

Haushalt sanieren, ja. Nur beim "Wie?" gibts Probleme.

Schließlich haben beide Seiten völlig unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Sanierung des Haushalts erfolgen soll. Das wäre insofern weniger ein Problem wenn die Abgeordnetenwahl, die ja ebenfalls gestern stattfand, nicht erneut einen Patt produziert hätte. Das Repräsentantenhaus verteidigten die Republikaner. Sie dürften mit 240 exakt die gleiche Anzahl an Volksvertretern stellen wie bisher. Auch im Senat ändert sich nichts. Die Demokraten verteidigen dort ihre knappe Mehrheit und stellen auch weiterhin mindestens 51 der 100 Senatoren. Die RBI summiert in der Aussendung: "Damit gilt: Vor der Wahl ist nach der Wahl, an den Machtverhältnissen in Washington hat sich absolut nichts verändert. Mit Blick auf die anstehenden schwierigen
Aufgaben ist das kein gutes Omen."

Das einzig Gute: Beide Parteien sind sich einig darin, dass der Haushalt konsolidiert werden muss. Das war's dann praktisch aber auch schon. Die Republikaner wollen die Ausgaben massiv kürzen, weniger Staat ist die Devise, indes sagen die Demokraten: Steuererhöhungen für Besserverdiener. Beide Seiten werden daher wohl so lange wie möglich hoch pokern und bis zum Schluss an ihren Forderungen festhalten. Bei der RBI ist man aber relativ sicher: "Am Ende sollte sich aber auf
beiden Seiten die Vernunft durchsetzen, da keiner ein Abrutschen in eine Rezession riskieren wird wollen."

Das heißt, Kompromisse werden her müssen: Die Demokraten werden wohl nicht umhinkommen, Zugeständnisse insbesondere bei den Gesundheitsausgaben zu machen. Insbesondere die staatlichen Programme Medicare und Medicaid sind massive Kostentreiber. Im Fiskaljahr 2012 entfielen laut RBI knapp 21 Prozent der gesamten Staatsausgaben auf den Gesundheitsbereich. Bis 2020 soll dieser Anteil den Analysten zufolge auf knapp 30 Prozent ansteigen. Auf der anderen Seite müssen die Republikaner am Ende wohl ihre kategorische Ablehnung in Sachen Steuererhöhungen sowie bei den Verteidigungsausgaben aufgeben. Letztere machten 2012 rund 19 Prozent der gesamten Staatsausgaben aus, schreibt die RBI in der Aussendung.

Bonitätsexperten geben sich geduldig

Die Ratingagentur Moody's will die zukünftige Bonitätseinstufung der USA jedenfalls von den anstehenden Verhandlungen über den Haushalt für 2013 abhängig machen. Deshalb hält die Agentur an der Bestnote "Aaa" fest und behält zunächst auch den negativen Ausblick bei. Auch falls die USA am Jahresanfang über die "Fiskalklippe" stürzen sollten, will die Agentur nach eigenen Angaben vom Mittwoch den USA die Bestnote nicht sofort aberkennen. Vielmehr will sie zunächst die Fähigkeit der Wirtschaft untersuchen, sich von den automatisch in Kraft tretenden Steuererhöhungen und Einsparungen zu erholen.

Moody's hatte den USA bereits wiederholt mit dem Entzug der Bestnote gedroht. Die konkurrierende Ratingagentur Standard & Poor's hatte der weltgrößten Volkswirtschaft bereits im vergangenen Jahr das AAA-Rating entzogen.

Doch die Überwindung der Fiskalklippe ist nicht der einzige Drahtseilakt. So wird wohl Ende 2012 erneut die Schuldenobergrenze erreicht werden. Für eine Anhebung ist der Präsident auf die Zustimmung der Republikaner im Repräsentantenhaus angewiesen. Pokern, feilschen und die Märkte nerven....

Die Folgen für Dollar, Gold, Staatsanleihen und Aktien

Apropos Märkte: Der Wahlsieg von Barack Obama hat am Mittwoch den Dollar unter Druck gebracht, Gold zu neuen Höhenflügen verholfen und auch die US-Staatsanleihen angetrieben. Marktteilnehmer spekulieren, dass mit der Wiederwahl Obamas als Präsident der Vereinigten Staaten die Wahrscheinlichkeit weiterer geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen steigt. Obamas Gegenkandidat Mitt Romney hatte ja angekündigt, er werde Notenbankchef Ben Bernanke am Ende von dessen Amtszeit im Januar 2014 nicht wieder berufen, wenn er gewählt würde. Damit wäre wohl das Ende des Gelddruckens Realtität geworden und sogar Zinsanhebungen äußerst wahrscheinlich. Anstatt bleibt jetzt alles beim Alten und die Fed dürfte weiter Geld in die Märkte pumpen. Erst im September stellte die US-Notenbank eine dritte Runde der sogenannten quantitativen Lockerung vor, die den Kauf von 40 Mrd. Dollar an mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren jeden Monat vorsieht.

Unterm Strich treibt das die Staatsanleihen, Gold und bringt den Dollar unter Druck. Gold legte deshalb sogar den dritten Tag in Folge zu. "Obamas Sieg steigert das Vertrauen, dass die Fed weiter ungehindert Quantitative Easing betreiben wird", analysiert Bjarne Schieldrop, Leiter Rohstoffresearch bei SEB, gegenüber Bloomberg. Gold kletterte auf bis zu 1733 Dollar je Feinunze. "Für Gold hätte es kein besseres Wahlergebnis geben können", weiß UBS-Analyst Edel Tully. "Jetzt liegt es an den Käufern mitzuspielen."

Obama tut also den US-Staatsanleihen gut, er tut Gold wohl gut, und belastet indirekt den Dollar. Bei Aktien ist die Frage weniger eindeutig: Manche Analysten schätzen den Wahlausgang als negativ ein, schlicht weil Obama seine Pläne, den Spitzensteuersatz auf Dividenden und Kapitalerträge zu erhöhen, wohl wieder auf den Tisch bringen wird, wie Credit-Suisse-Analyst Andrew Garthwaite in einer Analyse schreibt. "Sollte der Plan voll umgesetzt werden, den Spitzensteuersatz auf Dividenden bei Einkommen von mehr als 200.000 Dollar im Jahr von 15 auf 39,6 Prozent zu erhöhen und die Kapitalertragssteuer von 15 auf 20 Prozent zu steigern, würde dies den fairen Wert des S&P 500 Index um fünf Prozent mindern." Was sich etwas sperrig liest, bedeutet im Prinzip nur, dass weitere Anstiege des US-Leitindex weniger wahrscheinlich sind. Vielleicht ist sogar eine kleine Abwärtsbewegung des Börsebarometers drin.

Zugute halten müssen die Analysten Obama aber, dass eine Einigung zur Überwindung der “Fiskalklippe” unter ihm als neuem Präsidenten wohl leichter zu erzielen ist. Zumindest glauben das die Analysten der Washington Post, was wiederum für Aktien sprechen würde. Obamas Wahlsieg verringert außerdem die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation im Handelsstreit mit China und macht wie bereits erwähnt eine Fortsetzung der klar wachstumsstützenden Geldpolitik in den USA wahrscheinlich. Zu guter Letzt ist Obama den Investoren bekannt, was jegliche Polit-Unsicherheit mindern sollte. Aktien dürfen daher weiter ins Depot...

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