Deutsche Stahlmisere: ThyssenKrupp und Salzgitter melden schwere Verluste

Deutsche Stahlmisere: ThyssenKrupp und Salzgitter melden schwere Verluste

Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern verschärft nun sein Sparprogramm und will 3.000 Stellen in der Verwaltung streichen. Weltweit werde damit in den kommenden Monaten jeder fünfte Arbeitsplatz in der Verwaltung wegfallen, teilte ThyssenKrupp am Mittwoch mit. Auf betriebsbedingte Kündigungen solle verzichtet werden.

An der Börse waren die Aktien von ThyssenKrupp am Mittwoch zunächst Spitzenreiter im DAX. Bis zum Mittag legte das Papier um rund 2,6 Prozent zu. Auf einer Telefonkonferenz mit Analysten brachte Vorstandschef Heinrich Hiesinger dann aber eine Kapitalerhöhung ins Spiel. Der Konzern könne heute einen solchen Schritt für die nächsten sechs bis neun Monate nicht völlig ausschließen, sagte er. Das Management werde eine Entscheidung in dieser Frage treffen, wenn der Verkauf von Steel Americas unterzeichnet sei. Die Aktie von ThyssenKrupp drehte nach der Aussage Hiesingers ins Minus und notierte mehr als zwei Prozent schwächer.

Im Zuge des Sparprogramms sollen in den kommenden drei Jahren rund 250 Mio. Euro eingespart werden. Das Unternehmen hatte in diesem Jahr bereits die Streichung von 2.000 Stellen in seinem europäischen Stahlgeschäft vorwiegend in Deutschland angekündigt. Schwerpunkt der aktuellen Stellenstreichungen in der Verwaltung soll die Hauptverwaltung in Essen sein.

In der Zahl enthalten sind auch einige hundert Jobs in der Stahl-Verwaltung, sodass derzeit insgesamt etwas weniger als 5.000 Stellen auf der Streichliste des Konzerns stehen. ThyssenKrupp beschäftigt derzeit weltweit gut 150.000 Mitarbeiter, davon nur noch gut ein Drittel in Deutschland.

Abschreibungen auf Stahlwerke in Übersee

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 (30.9.) hat das Unternehmen mit einem Minus von 822 Mio. Euro weiter tiefrote Zahlen geschrieben. Wesentliche Ursache seien weitere Abschreibungen auf die Stahlwerke in Übersee von 683 Mio. Euro, teilte ThyssenKrupp mit. Hinzu kamen weitere Verluste im amerikanischen Stahlgeschäft. Im europäischen Stahlgeschäft verbuchte ThyssenKrupp im ersten Halbjahr einen Einbruch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 85 Prozent. Mit einem Plus von 19 Mio. Euro konnte der Konzern in seiner Traditionssparte jedoch noch schwarze Zahlen schreiben.

Die Eigenkapitalquote des Konzerns ging innerhalb von drei Monaten von 11,8 Prozent auf nur noch 9,5 Prozent zurück. Die Nettoschulden des Konzerns liegen bei rund 5,3 Mrd. Euro. Die seit einem Jahr zum Verkauf stehenden Stahlwerke haben sich als Milliardengrab erwiesen. Die mit einem Gesamtaufwand von rund 12 Mrd. Euro errichteten Anlagen stehen derzeit noch mit 3,4 Mrd. Euro in den Büchern.

Der Verkaufsprozess für die Stahlwerke in Brasilien und den USA verlaufe nach Plan, sagte ThyssenKrupp-Chef Hiesinger laut Mitteilung. "Wir konzentrieren uns unverändert darauf, ein Signing zeitnah zu erreichen", so der Konzernchef. ThyssenKrupp hatte zuvor angekündigt, den Verkauf bis Ende September abschließen zu wollen.

Die beiden Werke hatten bereits zuvor für milliardenschwere Abschreibungen im Konzern gesorgt. Das zurückliegende Geschäftsjahr 2011/2012 hatte ThyssenKrupp mit einem Rekordverlust von rund fünf Mrd. Euro abgeschlossen.

Das Verhältnis der Großaktionärin Krupp-Stiftung zum Konzern solle in einigen Punkten neu geregelt worden, hieß es in der Mitteilung. In diesem Zusammenhang sollen unter anderem die bestehenden Jagdpachten des Unternehmens abgegeben werden. Daneben habe der Vorstand "klare Richtlinien" zur Nutzung des Firmenflugzeugs und für die Durchführung von Reisen mit Dritten erlassen.

ThyssenKrupp-Patriarch und Krupp-Stiftungschef Berthold Beitz soll den Firmenjet für Flüge nach Sylt oder zum Jagdrevier nach Salzburg genutzt haben. Das Unternehmen hatte die Nutzung des Firmenjets mit der herausragenden Position von Beitz, seiner Lebensleistung und der Position als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates gerechtfertigt. Erst in der vergangenen Woche hatte die Essener Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Beitz für die Nutzung des Jets nicht mit Ermittlungen rechnen müsse.

Salzgitter ein Problemfall

Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter ist zum Jahresstart noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Abermals konnte sich das Unternehmen der anhaltenden Strukturkrise in der Branche nicht entziehen. Damit steigt der Druck auf die Sparbemühungen des Konzerns mit seiner 25.400 Menschen großen Gesamtbelegschaft. Eines der größten Sorgenkinder bei Salzgitter ist das Trägerwerk in Peine.

Von Jänner bis Ende März stehen bei Salzgitter unterm Strich 16,6 Mio. Euro Minus, wie der Konzern am Mittwoch im Zwischenbericht mitteilte. Der zusätzliche Verlust im ersten Quartal des laufenden Jahres liegt damit bei rund sieben Prozent. Für das gesamte Jahr 2012 gab es damals 100 Mio. Euro Fehlbetrag. In den Vorjahren 2010 und 2011 hatte der Konzern noch schwarze Zahlen geschrieben.

In der Quartalsbilanz hießt es: "Die Belebung der Stahlnachfrage zu Jahresbeginn erwies sich als nicht nachhaltig; die erneut einsetzende Schwäche der Absatzpreise konnte von der zögerlich verlaufenden Ermäßigung der Rohstoffkosten nicht kompensiert werden."

Zwar minderte Salzgitter mit einem Vorsteuerergebnis von minus 34 Mio. Euro die Verluste im Kerngeschäftsfeld Stahl - vor einem Jahr standen dort noch 52 Mio. Euro Minus. Diese Tendenz sei aber nicht nachhaltig, heißt es im Zwischenbericht. Denn das zu Jahresanfang leicht bessere Auftrags- und Umsatzniveau resultiere vor allem daraus, dass die zum Jahresende aggressiv geleerten Lager nun wieder aufgefüllt wurden. "Von den meisten Stahlverarbeitern kamen hingegen kaum Impulse. So ging die Produktion im Automobil- wie auch im Maschinenbau im ersten Quartal zurück; die Bauwirtschaft litt unter dem langen Winter", klagte Salzgitter im Segmentbericht Stahl. Der Quartalsumsatz sank um gut sechs Prozent auf 2,4 Mrd. Euro.

Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich

Vergangene Woche kassierte der Konzern mit seiner gut 23.000 Mitarbeiter großen Stammbelegschaft bereits die Jahresprognose ein. Die Manager rechnen für 2013 - nach dem heiklen Start und trüberen Aussichten - anstatt mit einem kleinen Vorsteuergewinn mit einem Vorsteuerverlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Mehrmals weist der Zwischenbericht auf Probleme der Peiner Träger GmbH hin. Dort arbeiten laut früheren Angaben 1.100 Mitarbeiter und mehrere hundert Leiharbeiter. Salzgitter kündigte an, die Inhalte des Sparprogramms "Salzgitter AG 2015" bis zur Jahresmitte festzulegen. "Damit hat sich der Konzern die Aufgabe gestellt, die (...) Prozess- und Aufbauorganisation des Salzgitter-Konzerns umfassend auf den Prüfstand zu stellen und - wo nötig - anzupassen", lautet der Plan.

Parallelen gibt es beim angeschlagenen Konkurrenten ThyssenKrupp, der am Mittwoch mitteilte, sein Sparprogramm zu verschärfen und 3.000 Jobs in der Verwaltung zu streichen - davon rund 1.500 in Deutschland.

In Salzgitters Ausblick heißt es, dass auf Europas Stahlmarkt kein Ende der "schwerwiegenden Strukturkrise" in Sicht sei. Insbesondere Hersteller aus Südeuropa hätten oft Überkapazitäten in einem "eklatanten Missverhältnis zur europäischen Nachfrage". Das verderbe die Preise. Hohe Rohstoff- und Energiekosten täten ihr Übriges.

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